Nicht nur der Frauenschuh, auch andere Orchideen-Arten blühen derzeit im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen.

Orchideen

Die Pflanzenfamilie der Orchideen gehört mit etwa 30.000 unterschiedlichen Arten zu einer der größten Blütenpflanzenfamilien der Welt mit Vertretern fast über den gesamten Erdball verteilt.

Mittels der 50 Schilder können auch Ungeübte die Pflanzenvielfalt auf dem Naturlehrpfad erkennen. Ein Hinweisschild zeigt den Pfad, der beim Wanderparkplatz startet und auf zwei Kilometern Länge seltene, in ihrem Bestand bedrohte Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zeigt. Diese stehen unter Naturschutz, der Schwarzwaldverein bittet darum, die Wege nicht zu verlassen, keine Pflanzen abzureißen, abzuschneiden oder auszugraben. Jedes der Schilder hat einen QR-Code, der zu weiteren Infos leitet.
Mittels der 50 Schilder können auch Ungeübte die Pflanzenvielfalt auf dem Naturlehrpfad erkennen. Ein Hinweisschild zeigt den Pfad, der beim Wanderparkplatz startet und auf zwei Kilometern Länge seltene, in ihrem Bestand bedrohte Pflanzen in ihrem natürlichen Lebensraum zeigt. Diese stehen unter Naturschutz, der Schwarzwaldverein bittet darum, die Wege nicht zu verlassen, keine Pflanzen abzureißen, abzuschneiden oder auszugraben. Jedes der Schilder hat einen QR-Code, der zu weiteren Infos leitet. | Bild: Yvonne Würth

Orchideen haben sich perfekt an die natürlichen Klimabedingungen ihrer Standorte angepasst. Sie wachsen im Boden oder hoch auf Stämmen und Ästen sowie auf nackten Felsen in brennender Sonne, je nach Art.

Eine Blüte des Zweigriffeligen Weißdorns mit Insekt auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen.
Eine Blüte des Zweigriffeligen Weißdorns mit Insekt auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen. | Bild: Yvonne Würth

Um Notzeiten zu überstehen, sind Teile ihres Körpers als Speicherorgane ausgebildet, in denen Nährstoffe und Wasser eingelagert werden. Orchideen sind keine Schmarotzer, wie häufig irrtümlich angenommen wird, sondern Aufsitzer (Epiphyten).

Der Orchideen-Pfad

Aktuell wird eine Wanderung durch den Orchideen-Lehrpfad am Lindenberg mit den schönsten Foto-Motiven belohnt. Denn jetzt ist Blütezeit. Naturschutzwart Martin Junginger lief mit der Verfasserin als Vorbereitung auf seine Exkursion mit den Senioren am Dienstag durch den Orchideen-Lehrpfad.

Längst nicht alle Infos haben Platz auf den Schildern, eine geführte Wanderung mit einem Experten bietet deshalb einen Mehrwert. Martin Junginger schließt aufgrund der Pflanzen im Bereich des Orchideenlehrpfades, dass das Gebiet früher nicht wie heute bewaldet war, sondern eine Freifläche, zum Teil eine Ackerfläche war.

Das Schwertblättrige Waldvögelein blüht aktuell auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen.
Das Schwertblättrige Waldvögelein blüht aktuell auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen. | Bild: Yvonne Würth

Einige Pflanzen mit medizinischem Wert waren wohl von einem Apotheker angepflanzt worden, vermutet er aufgrund des Vorkommens des Eingriffligen Weißdorns, einer Heilpflanze zur Stärkung der Herzkranzgefäße sowie des Gelben Enzians, einer Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden und des Echten Baldrians, welcher beruhigende Wirkung hat.

Der pensionierte Studienrat Martin Junginger hatte Biologie studiert und im beruflichen Gymnasium unterrichtet. Er erläutert gerne mehr als die Grundlagen zu den Pflanzen, wenn der Wunsch bei den Zuhörern da ist.

Naturschutzwart und Wanderführer Martin Junginger, zeigt wie sich der pH-Wert der Kriechenden Günsel verändern lässt.
Naturschutzwart und Wanderführer Martin Junginger, zeigt wie sich der pH-Wert der Kriechenden Günsel verändern lässt. | Bild: Yvonne Würth

Eine der weniger hübsch anzuschauenden Orchideen auf dem Naturlehrpfad ist die Nestwurz. Sie ist fast ohne Chlorophyll, deshalb fehlt das Grün hier völlig. Sie ist ein sogenannter Vollschmarotzer, Holoparasit und benötigt bis zur Blühreife etwa neun Jahre.

Info-Tafeln mit QR-Code

Die Info-Tafeln wurden vor einigen Wochen im strömenden Regen vom Schwarzwaldverein Stühlingen aufgebaut. So erkennen auch Ungeübte, welche Pflanze am Wegrand wächst.

Naturschutzwart Martin Junginger empfiehlt die kostenlose App Flora Incognita zur Bestimmung von Pflanzen. Ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten steht als gefährdet auf der Roten Liste. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Menschen mit Artenkenntnis kontinuierlich. Das Forschungsprojekt Flora Incognita verbindet Smartphones, künstliche Intelligenz und Bürgerbeteiligung in einer App, die interaktiv und automatisch Pflanzen anhand von Bildaufnahmen erkennt. Mit jeder erfolgreichen Anwendung lernt die App dazu und verbessert ihre Erkennungsgenauigkeit. Gleichzeitig entstehen durch die Speicherung der erkannten Arten und Standorte wertvolle Datensätze, um Fragen des Artenschutzes und der Biodiversität zu beantworten.
Naturschutzwart Martin Junginger empfiehlt die kostenlose App Flora Incognita zur Bestimmung von Pflanzen. Ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Pflanzenarten steht als gefährdet auf der Roten Liste. Gleichzeitig sinkt die Anzahl der Menschen mit Artenkenntnis kontinuierlich. Das Forschungsprojekt Flora Incognita verbindet Smartphones, künstliche Intelligenz und Bürgerbeteiligung in einer App, die interaktiv und automatisch Pflanzen anhand von Bildaufnahmen erkennt. Mit jeder erfolgreichen Anwendung lernt die App dazu und verbessert ihre Erkennungsgenauigkeit. Gleichzeitig entstehen durch die Speicherung der erkannten Arten und Standorte wertvolle Datensätze, um Fragen des Artenschutzes und der Biodiversität zu beantworten. | Bild: Yvonne Würth

Rund 50 wetterfeste Schilder informieren über den Namen der direkt daneben wachsenden Pflanze, mit dem QR-Code kann an Ort und Stelle weiteres naturkundliches Wissen geladen werden.

Das Salomonssiegel hat einen scharfkantigen Stängel und lässt sich so von der Vielblütigen Weißwurz unterscheiden, welche einen runden Stängel hat.
Das Salomonssiegel hat einen scharfkantigen Stängel und lässt sich so von der Vielblütigen Weißwurz unterscheiden, welche einen runden Stängel hat. | Bild: Yvonne Würth

Die Anschaffung der Schilder von 2019 wurde vom Regierungspräsidium Freiburg und dem Schwarzwaldverein Stühlingen finanziert, die früheren Schilder aus Holz wurden ersetzt, das bewährte Gesamtkonzept blieb erhalten.

Pflanzenvielfalt

Zu den Pflanzen, welche auf dem Naturlehrpfad zu finden sind, gehören: Wald-Sauerklee, Immenblatt, Schattenblume, Fliegen-Ragwurz, Weiße Waldhyazinthe, Gemeine Akelei, Nickendes Wintergrün, Steinbeere, Maiglöckchen, Nestwurz, Türkenbundlilie, Weiße Waldhyazinthe, Wald-Veilchen, Salomonssiegel, Schwertblättriges Waldvögelein, Gelber Frauenschuh, Nickendes Perlgras, Großes Zweiblatt, Waldmeister, Blaugrüne Segge, Einbeere, Christophskraut, Wald-Bingelkraut, Kriechender Günsel, Sanikel, Berberitze, Faulbaum, Zypressen-Wolfsmilch, Schwarze Akelei, Tollkirsche, Ährige Teufelskralle, Quirlblättrige Weißwurz, Haselwurz, Roter Hartriegel, Vielblütige Weißwurz, Echter Baldrian, Trauben-Holunder, Schwarzer Hollunder, rote Heckenkirsche, Gemeiner Schneeball, Zweigriffeliger Weißdorn, Eingriffliger Weißdorn, Schlitzblättriger Holunder, Gelber Enzian, u.a.

Naturschutzgebiet Lindenberg

Dem Schwarzwaldverein Stühlingen ist es ein wichtiges Anliegen, dass sämtliche Pflanzen direkt am Pfad zu finden sind. Besucher werden gebeten, die Wege nicht zu verlassen.

Den Klappmechanismus der Berberitze erläutert Naturschutzwart Martin Junginger den Teilnehmern der Exkursion am kommenden Dienstag.
Den Klappmechanismus der Berberitze erläutert Naturschutzwart Martin Junginger den Teilnehmern der Exkursion am kommenden Dienstag. | Bild: Yvonne Würth

Die gewundenen Pfade sollen nicht mit dem Fahrrad oder auf dem Pferd begangen werden, um die Pflanzen nicht zu zerstören. Der geschotterte Hauptweg ist breit genug für Radler, Reiter und Wanderer. Zu den Naturschutzregeln gehört auch, dass die Pflanzen nicht ausgerissen, ausgegraben, abgeschnitten oder mitgenommen werden dürfen. Selbstverständlich sollte ebenso sein, dass Abfälle mitgenommen werden und Hunde an der Leine zu führen sind.

Wunderschön anzuschauen, aber sehr giftig: Die Einbeere auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen.
Wunderschön anzuschauen, aber sehr giftig: Die Einbeere auf dem Naturlehrpfad im Naturschutzgebiet Lindenberg Stühlingen. | Bild: Yvonne Würth