Nach dem Totalausfall der Obsternte der Region im vergangenen Jahr füllen sich die Kisten auf der Waage der Mosterei Markus Grüninger diesmal deutlicher. Seit Anfang September fahren Kunden aus allen Himmelsrichtungen nach Ewattingen, um die Ernte abzuliefern.

Etwa 20 Tonnen sind es, seitdem die Obstpresse in Ewattingen zum ersten Mal in dieser Saison anlief. Markus Grüninger zeigt sich verhalten optimistisch über die Menge des zu erwartenden Obstertrags aus dieser Ernte. „So viel wie im Rekordjahr vor zwei Jahren wird es nicht geben. Seit dem 5. September nehme er Obst aus der Region an, um es zu verarbeiten. „Wir haben die Obstannahme zwei Wochen früher als bisher gestartet, weil die Bäume viel zu früh abgeworfen haben in diesem Jahr“, erzählt Markus Grüninger im BZ-Gespräch. Das bedeute, dass viele Äpfel noch zu klein seien. Die Vorzeichen im Frühjahr waren hervorragend, die Blüten reich wie lange nicht mehr. Auch genug Sonnenstunden gab es. Knackpunkt war, dass es im Sommer in der Region drei Monate so gut wie gar nicht regnete.

Großen Andrang und lange Wartezeiten an der Waage der Mosterei gab es bislang nicht. In früheren Jahren rollten Fahrzeuge mit vollgeladenen Hängern auf den Hof der Mosterei, diesmal passt die Ernte vielfach in den Kofferraum. Das Telefon von Markus Grüninger steht trotzdem nicht still: „Ja, wir nehmen Obst an. – Wollt ihr Most machen oder Saft? – Apfelsaft machen ist nicht einfach, mit Erhitzen ist es nicht getan.“. Geduldig gibt er Fachauskunft und macht Termine aus.

„Es gibt bereits viel Fallobst“, lautet ein erstes Resümee. Einen Ausblick könne er nicht geben. Bei einem Rundgang auf seiner eigenen Streuobstwiese mit rund 150 Bäumen wird sehr schnell klar: An den meisten Bäume hängen recht kleine Früchte, viele der Bäume sind auf der Sonnenseite reich behangen, auf der abgewandten Seite ist fast nichts gewachsen. „Von Ortschaft zu Ortschaft sind die Erträge sehr unterschiedlich“, merkt Markus Grüninger an. Im Achdorfer Tal sei die Ernte durchwachsen. Aus dem Raum Mundelfingen, eine Gegend mit einer normalerweise reichen Ernte, sei fast nichts zu erwarten. Auf Gemarkung Wutach sei es total gemischt.

Markus Grüninger widmet sich an diesem Nachmittag der eigenen Ernte. Das Ende eines Seiles legt er um die Apfelstämme, beim sanftem Rütteln der „Schüttelmaschine“ am Traktor regnet es reife Äpfel, die er von Hand aufliest. Der Einsatz seiner Lesemaschine lohnt nicht bei der relativ geringen Menge. Unzufrieden wirkt er dabei nie, was die Natur gibt, nimmt er gerne an und verarbeitet es zu Wutacher Säften und Most.