Yvonne Würth

Die Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Bettmaringen, kurz FBG, hat im Gasthaus „Adler“ in Bettmaringen stattgefunden. Die beiden Vorsitzenden Gerd Amann und Markus Rogg hatten Experten eingeladen, die die zahlreichen Waldbesitzer über das abgelaufene Jahr und die Entwicklungen im aktuellen Jahr informierten: Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, Tom Drabinski vom Kreisforstamt Waldshut, Revierleiter Pirmin Wiethaler, Markus Lazarte-Rammelmeier vom Amt für Umweltschutz und die selbstständige Biberbeauftragte Bettina Sättele.

Interessiert lauschten die zahlreichen Waldbesitzer den Ausführungen von Tom Drabinski (links) und von Revierleiter Pirmin Wiethaler ...
Interessiert lauschten die zahlreichen Waldbesitzer den Ausführungen von Tom Drabinski (links) und von Revierleiter Pirmin Wiethaler (Vierter von links) in der Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Bettmaringen. | Bild: Yvonne Würth
  • Umdenken in der Bepflanzung: Revierleiter Pirmin Wiethaler erinnerte an das Umdenken, es müssten weiterhin mediterrane Baumarten gepflanzt werden, um für die nächsten 80 Jahre gut aufgestellt zu sein. „Wir laufen nicht auf anderthalb Grad zu, sondern auf zweieinhalb Grad, das wird heftig“, sagte er, die globale Erwärmung sei stärker, als gedacht. Im Edelbachweg sei viel Geld in die Instandsetzung des Weges geflossen. Norbert Schwarz sprach von einer Achterbahn durch den steten Wechsel der Weltwirtschaft: „Ein Großteil von Kunden hat Kurzarbeit angemeldet, die Rezession wird kommen.“ Waren Mitte 2021 die Preise noch durch die Decke gegangen, ist aktuell gerade das Gegenteil der Fall: „Diese Blase, dieser wahnsinnige Holzmarkt, ist völlig verpufft, ist gerade das Gegenteil, jetzt gestützt durch die Energiekrise. Es ist befremdend, wenn man für Hackholz so viel Geld kriegt, heute für 39 Euro pro Ster.“
Norbert Schwarz ist Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald.
Norbert Schwarz ist Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald. | Bild: Yvonne Würth

Vor dem Einschlagen müssten die Waldbesitzer unbedingt Rücksprache halten mit dem Revierleiter Pirmin Wiethaler, die aktuelle Lage am Holzmarkt sei von einer „Haifischmentalität“ geprägt. Norbert Schwarz informierte darüber, dass er im nächsten Jahr seinen Ruhestand antritt und Stefan Rehm sein Nachfolger sein wird. Tom Drabinski empfahl, junge Waldbestände frühzeitig fit zu machen und verwies auf die beiden Infobroschüren mit Grundlagen zur Wiederbewaldung: „Die Bäume können nicht mehr so schnell auf die Veränderungen reagieren, große Probleme für die Bäume sind die Extremtemperaturen.“ Was bleibe, sei das Gespräch mit dem Revierleiter, Fördertöpfe seien gebunden an die Rahmenbedingungen.

Die aktuelle Lage auf dem Holzmarkt gleiche einer Haifischmentalität, erklärte Norbert Schwarz von der Waldgenossenschaft Südschwarzwald ...
Die aktuelle Lage auf dem Holzmarkt gleiche einer Haifischmentalität, erklärte Norbert Schwarz von der Waldgenossenschaft Südschwarzwald den Waldbesitzern in der Hauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Bettmaringen. Bild: Yvonne Würth | Bild: Yvonne Würth
  • Forstschutzgeld: Ein Euro Wegegeld sowie neu je geschlagenem Festmeter 50 Cent Forstschutzgeld werden einbehalten und als Solidarbeitrag verwendet, dazu erkundigte sich einer der Waldbesitzer. „Das Abrechnen ist so am einfachsten, es ist ein niedriger Betrag für alle“, erläuterte Norbert Schwarz. „Es ist wichtig, dass wir draußen handlungsfähig sind, innerhalb einer Woche kann sich viel ändern, das geht nicht mit Rundbrief“, erläuterte Tom Drabinski. Der Vorsitzende Gerd Amann ergänzte: „Wir wissen halt nicht, wie sich das mit dem Käfer entwickelt. Wenn wir das Geld nicht mehr brauchen, dann können wir es wieder absetzen. Oder es anderweitig nutzen, zum Mulchen. Letztendlich kommt es dem Wald zugute.“
Der Biber fühlt sich in Bettmaringen wohl, die Waldbesitzer und Grundstücksbesitzer sind darüber erzürnt. Geschäftsführer Raimund Boll ...
Der Biber fühlt sich in Bettmaringen wohl, die Waldbesitzer und Grundstücksbesitzer sind darüber erzürnt. Geschäftsführer Raimund Boll hat einen direkt beim Ortseingang betroffenen Baum fotografiert, eines der Tiere wurde überfahren. Der Biber ist streng geschützt in Deutschland, in Baden-Württemberg gibt es lediglich Präventionsmaßnahmen wie Streichmittel und Verbiss-Schutz. | Bild: Raimund Boll
  • Problemtier Biber: Der Biber verlässt regelmäßig in Bettmaringen mitten im Wohngebiet den eingedolten Dorfbach, watschelt durchs Dorf und geht oberhalb der Feuerwehrbaustelle wieder in den Dorfbach. Grund ist das massives Metallgitter, das die Feuerwehrstaustelle sichert und nicht vom Biber umgangen oder durchquert werden kann. Sein Interesse am Familien-Pool im Garten und die Zerstörung vieler Bäume empört indes die Grundstücks- und Waldbesitzer: „Wir sind die Leidtragenden. Ich habe Bergahorn gepflanzt vor zehn Jahren, dann kommt der Biber, ich habe nur noch Storze da stehen, das kann nicht sein, das passt doch nicht zusammen“, gab Peter Beck seinen Unmut kund.
Die selbstständige Biberbeauftragte Bettina Sättele hatte ein Biberfell zur Anschauung mitgebracht. Aktuell werde zu Anschauungszwecken ...
Die selbstständige Biberbeauftragte Bettina Sättele hatte ein Biberfell zur Anschauung mitgebracht. Aktuell werde zu Anschauungszwecken ein Biber präpariert, der seinen Lebensraum in Stühlingen hatte. | Bild: Yvonne Würth

Auch die selbständige Biberbeauftragte Bettina Sättele ist nicht glücklich mit den Möglichkeiten, die es in Baden-Württemberg gibt, inzwischen empfiehlt sie Elektrozäune zur Abwehr. Der Biber ist streng geschützt, in Baden-Württemberg gibt es lediglich Präventivmaßnahmen gegen Schäden durch das Nagetier. Einen Einblick in die rechtlichen Möglichkeiten gab auch Markus Lazarte-Rammelmeier vom Amt für Umweltschutz. Eines der Tiere wurde vor Kurzem beim Überqueren der Steinastraße am Ortseingang beim Sportplatz überfahren. „Es gilt, eine ökologische und ökonomische Koexistenz mit dem Biber zu schaffen. Wir haben zwei Möglichkeiten des Baumschutzes: ein Streichmittel, das soll zehn Jahre vor Verbiss schützen, und Verbissmatten“, „Die können bei mir geholt werden“, erklärte der Vorsitzende Gerd Amann.