Eingangs des alten Stühlinger Friedhofes befindet sich rechterhand an die Friedhofsmauer gelehnt ein uralter, völlig unentzifferbarer Grabstein. Durch einen Bericht in unserer Zeitung wurde das Geheimnis nun doch noch gelüftet. Hannelore Würth, geborene Gysi (80), hat uns ein Dokument zur Verfügung gestellt, das sie im Nachlass ihrer Tante Rosel Fischer entdeckte. Nicht nur das, Hannelore Würth und ihr Mann Herbert (85), beide alte Stühlinger, haben auch angeboten, einen Gutteil der Restaurationskosten zu übernehmen.

Die Inschrift auf dem Grabstein Mathias Feederle ist nicht mehr lesbar. Doch den Text hat die Alt- Stühlingerin Rosel Fischer der Nachwelt erhalten.
Die Inschrift auf dem Grabstein Mathias Feederle ist nicht mehr lesbar. Doch den Text hat die Alt- Stühlingerin Rosel Fischer der Nachwelt erhalten. | Bild: Edelgard Bernauer

Inzwischen stellte sich auch heraus, dass alle Stühlinger Feederle Nachfahren des 1819 verstorbenen Fürstlich Fürstenbergischen Rates Mathias Feederle sind. Einer von ihnen, Christian Pflanzl ist in Besitz diverser Dokumente und eines alten Stammbaumes. Christian Pflanzls Oma war Wiete Feederle, die bis zu ihrem Tod in Stühlingen lebte.

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Im Jahr 1692 kam Friedrich Adam Feederle von Reisenburg bei Günzburg nach Stühlingen, wo er als herrschaftlich Fürstenbergischer Fischer angestellt wurde. Im Januar 1694 verheiratete er sich mit der Stühlingerin Fides Obser. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Der Älteste Sohn Johannes folgte dem Vater in das Fischeramt nach. Der zweite Sohn Johannes Mathias verheiratete sich mit Maria Magdalena Meggle, die ihm neun Kinder schenkte. Als viertes Kind aus dieser Ehe wurde Mathias Feederle 1741 geboren. So wie seine Brüder Ferdinand, Franz Joseph und Johannes trat auch er in Fürstlich Fürstenbergischen Forstdienst. Er war Forstamtskanzlist, Forstsekretär und schliesslich Hofkammersekretär in Donaueschingen, dem Stammsitz der Fürstenberger. 1779 wurde der befähigte Beamte als Nachfolger seines Vaters zum Rentmeister in Stühlingen bestellt und 1784 zum Fürstlich Fürstenberger Rat ernannt.

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1787 schloss er den Bund der Ehe mit der 20-jährigen Maria Anna Barbara von Khuon aus Blumberg, die im vier Kinder gebar. Der Rentmeister fand in Stühlingen ein reiches Arbeitsfeld vor. 17 Ortschaften, neun Zehntscheuern und fünf Lehenshöfe standen unter seiner Aufsicht. Kummer und Sorgen brachten ihm Durchzüge von Reichstruppen französischer und österreichischer Verbände mit Raub, Plünderungen und Brandschatzungen. Große Mühe und umfangreiche Arbeit kostete es, die erlittenen Schäden wieder einigermaßen zu beseitigen. Manchen Ärger und Verdruss hatte er auch mit den aus den merkwürdigen und unnatürlichen Rechtsverhältnissen im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet. Trotz seiner vielseitigen Dienste übernahm er, wie den fürstenbergischen Akten zu entnehmen ist, mehrere Vormundschaften und Pflegschaften zum Besten seiner Mündel. 77 Jahre und sieben Monate zählte er, als er um Versetzung in den Ruhestand bat. Karl Egon Fürst zu Fürstenberg entsprach seinem Gesuch und gewährte dem treuen Beamten die Weiterzahlung seines vollen Gehaltes. Auch überließ er ihm als Beweis seiner Gnade die ehemalige Amtsrevisoriatswohnung.

Familie setzt würdiges Denkmal

Doch durfte Feederle sich nicht mehr lang der verdienten Ruhe erfreuen. Schon am 5. Juni 1819 starb er und wurde auf dem damaligen Friedhof neben der Stadtkirche bestattet. Seine Familie setzte ihm ein würdiges Denkmal. Aber auch bei den Bürgern von Stühlingen blieb sein Andenken lebendig. Als 1830 der neue Friedhof bei der Klosterkirche angelegt wurde, nahm man sein Denkmal mit hinauf und baute es in die Umfassungsmauer ein, wo es heute noch eine Zierde des Friedhofes darstellen könnte, wenn der Stein nicht so verwittert wäre. Die Inschrift auf dem Grabstein ist nicht mehr lesbar. Den Text hat aber die Alt- Stühlingerin Rosel Fischer der Nachwelt erhalten und deren Enkelin Hannelore Würth, geborene Gysi (80), hat ihn uns zur Verfügung gestellt.

Nachruf auf dem Sockel

Der Nachruf auf dem Sockel des Steines lautet: „Hier ruht der Fürstlich Fürstenbergische Rat und Rentmeister Mathias Feederle. Geboren dahier den 7. März 1741, gestorben am 5. Juni 1819 im 52. Dienstjahr.

„Ergraut in stillem Wirkungskreise,

im Dienst der Fürsten und der Pflicht,

schloss hier der Edle seine Reise.

Wir weinen, doch wir klagen nicht;

denn werden wir die Pfade gehen,

die er als Vater uns gezeigt,

dann blüht auch frohes Wiedersehen

im Land wo jede Klage schweigt!“

Seine trauernde Gattin und Kinder.“

19 Jahre später starb seine Gattin in Messkirch. Vertreter der von Mathias begründeten Rentmeisterfamilie sind in mehreren Städten des In-und Auslandes ansässig. Der Familienname Feederle besteht bis heute in Stühlingen. (Werner, Karlheinz, Dieter und Ursula Feederle, Erwin und Hanni Feederle sowie einer Vorfahrin von Christian Pfanzl die Wiete Feederle hieß. Alle entstammen diesem alten Stühlinger Geschlecht. Es gibt eine Jäger-, Stricker-, Schreiner-, Medizinalrats-, Oberndorfer-, Blumberger-, Forstrats-, Rentmeisters-, Konditor-, Steuerkommissions-, Landwirts- und Geisiger Linie.

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