Herr Albicker, wie entstand die Idee, einen Bauförderverein zu gründen, welche Ursachen oder Gründe gab es dafür?

Ende der 90er Jahre war es dringend geboten, die Renovierung unserer Pfarrkirche Heilig Kreuz anzugehen. Die Kirche musste mit Bauzaun gesichert werden, da für Passanten durch das Herunterfallen von Gipsgesims Gefahr in Verzug war. Pfarrer Horst Maier und ich, damals Pfarrgemeinderatsvorsitzender, nahmen uns dann der Gründung des Baufördervereins an mit dem Ziel der Erhaltung unserer kirchlichen Gebäude (Kirche Heilig Kreuz, Pfarrhaus und Konradsaal).

War es schwer, in den Anfangsjahren Unterstützer zu finden?

Da die Notwendigkeit der Renovierung unserer Kirche für jedermann sichtbar war, konnten wir auch gleich großzügige Unterstützung von Gemeindemitgliedern, Privatpersonen, Vereinen und Firmen erfahren, sodass unser Architekt Bruno Jehle die verschiedenen Bauabschnitte vorbereiten konnte. Es waren sechs Bauabschnitte, die zwischen 2003 und 2015 realisiert wurden, die Kosten beliefen sich auf 798.000 Euro.

Welche Maßnahmen gab es, um Geld zu sammeln?

Unser Bauförderverein und der Pfarrgemeinderat arbeiteten bei den Veranstaltungen sehr gut zusammen. Durchgeführt wurden Patrozinien, Adventsbasare, Suppensonntage, Kirchenkonzerte, die Teilnahme am Stühlinger Frühling, Benefizveranstaltungen und Spendenaktionen.

Was war für Sie ein Höhepunkt in den 20 Jahren als Vorsitzender des kirchlichen Baufördervereins?

Natürlich machten wir uns im Vorstand immer wieder Gedanken, was wir zur Unterstützung der Finanzierung noch tun können. So entstand die Idee des Dachlattenverkaufs. Alle konnten sich beim Kauf der 5577 Meter Dachlatten zum symbolischen Preis von vier Euro je Meter beteiligen. So kam die stolze Summe von 26.253 Euro zusammen. Die Namen der Spender wurden anerkennend im Dachgeschoss angebracht.

Zahlreiche Informationsschilder im Kirchen-Dachgeschoss laden zum Verweilen ein. Für den Fototermin hat Karl Albicker den Zugang zum Kirchen-Dachgeschoss ermöglicht.
Zahlreiche Informationsschilder im Kirchen-Dachgeschoss laden zum Verweilen ein. Für den Fototermin hat Karl Albicker den Zugang zum Kirchen-Dachgeschoss ermöglicht. | Bild: Yvonne Würth

Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie in dieser Zeit am meisten zu kämpfen?

Bei den Veranstaltungen wurde uns immer mehr bewusst, wie wichtig der Konradsaal für uns und unsere Vereine in Stühlingen ist. Seit 2004 musste einiges in Angriff genommen werden: Behebung der Schäden am Dachgesims, Wasserschäden durch Sturm und Rohrbruch, Innenrenovierung, Brandschutzmaßnahmen, Dachsanierung, Erneuerung der Sanitäranlagen und aktuell die Erneuerung der Fassade, damit sich Kirche, Pfarrhaus und Konradsaal zum Jahresende als Einheit präsentieren. Diskussionen um den Erhalt des Konradsaals waren für mich nicht immer einfach. Der Gemeinschaftssinn und das Zusammenleben in einer Gemeinde und die Unterstützung durch meine Mitstreiter und die Vereine haben mich immer wieder zum Durchhalten veranlasst.

Der Wasserschaden im Kirchturm ist gut zu erkennen. Trotz der bereits erfolgten zahlreichen Sanierungsarbeiten gibt es in der Kirche Heilig Kreuz immer etwas zu tun.
Der Wasserschaden im Kirchturm ist gut zu erkennen. Trotz der bereits erfolgten zahlreichen Sanierungsarbeiten gibt es in der Kirche Heilig Kreuz immer etwas zu tun. | Bild: Yvonne Würth

Haben Sie das Gefühl, dass das vor 20 Jahren gesetzte Ziel erreicht wurde?

Die vorgenommenen Ziele habe ich für mich jetzt nach 20 Jahren Vorsitzender mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten am Konradsaal erreicht. Ich bin dankbar für das in dieser Zeit Erlebte und möchte mich bei allen, die mir seit zwei Jahrzehnten ihre Unterstützung zukommen ließen, bedanken.

Es wurden sechs Bauabschnitte in der Kirche Heilig Kreuz realisiert, die Kosten beliefen sich auf 798.000 Euro.
Es wurden sechs Bauabschnitte in der Kirche Heilig Kreuz realisiert, die Kosten beliefen sich auf 798.000 Euro. | Bild: Yvonne Würth

Wie soll es weitergehen?

Sorge macht mir, wie es weitergehen soll. Unser Gesamtvorstand ist in die Jahre gekommen und es ist nicht mehr zu verantworten, dass wir noch große Veranstaltungen vornehmen. Deshalb bitte ich, dass jüngere Gemeindemitglieder sich engagieren und so für den Erhalt unserer Gebäude zur Glaubensvermittlung und Unterhaltung ihren Beitrag leisten können. Zu den Vorhaben der nächsten Jahre gehört die Innensanierung mit Glockenturm und Kirchenschiff. Außerdem soll bei der Kirchenentwicklung 2030 die Mitbestimmung wahrgenommen werden. Die aktuell 42 Mitglieder sollen Unterstützung von Jüngeren und auch von den Vereinen erhalten.