Adelbert Mayer ist seit 25 Jahren als ehrenamtlicher Mesner der gute Geist rund um die Kirche St. Fridolin in Bettmaringen und seit drei Jahren auch in der Kirche St. Gallus in Mauchen.

  • Das Jubiläum: Nachdem er das Desinfektionsmittel aufgefüllt hat, setzt sich Adelbert Mayer eine Weile auf eine der Kirchenbänke und erzählt von den Anfängen seiner Arbeit als Mesner. Mit der zweiten Insolvenz der Lauffenmühle Lauchringen wurde er zusammen mit 300 weiteren Arbeitnehmern entlassen, später fand er wieder Arbeit, bis er fünf Jahre später in den Ruhestand ging. Pfarrer Werner Eisele (verabschiedet 2004) fragte in dieser schlimmen Zeit an, ob er als Mesner arbeiten wolle.
Mit einer Handbewegung wirft sich der Pfarrer sein Messgewand um, wie Mesner Adelbert Mayer im Bild vorführt. Er legt für jeden Gottesdienst das Messgewand des Pfarrers ebenso vor, wie die Gewänder für die Ministranten. Auch die Bücher werden vorbereitet, dass der Pfarrer tagesgenau lesen und predigen kann.
Mit einer Handbewegung wirft sich der Pfarrer sein Messgewand um, wie Mesner Adelbert Mayer im Bild vorführt. Er legt für jeden Gottesdienst das Messgewand des Pfarrers ebenso vor, wie die Gewänder für die Ministranten. Auch die Bücher werden vorbereitet, dass der Pfarrer tagesgenau lesen und predigen kann. | Bild: Yvonne Würth

So wurde er am 1. Mai 1996 eingestellt und der Gottesdienst an Fronleichnam auf dem Schulhof wurde sein Einstand. „Manchmal kommt mir das so vor, als hätte es so sein müssen“, erklärt er rückblickend. Denn das Amt erfülle ihn bis heute noch sehr und halte ihn rüstig, auch, seit seine Ehefrau Ursula Mayer erstorben ist. Diese hat ihn ebenso tatkräftig unterstützt wie Tochter Karin Sabouret.

Während der Pfarrer der Hausherr ist, kümmert sich der gute Geist um die Kirche: Die Arbeit von Mesner Adelbert Mayer wird wie bei allen Mesnern vor allem dann gesehen, wenn sie nicht gemacht wurde.
Während der Pfarrer der Hausherr ist, kümmert sich der gute Geist um die Kirche: Die Arbeit von Mesner Adelbert Mayer wird wie bei allen Mesnern vor allem dann gesehen, wenn sie nicht gemacht wurde. | Bild: Yvonne Würth
  • Die Aufteilung: Dass am besten jemand im Rentenalter diese Tätigkeit übernimmt oder eine Hausfrau mit viel Zeit, vor allem an Wochenenden, ist der Rat von Adelbert Mayer. Im Alter von 14 Jahren wurde Bernhard Wiesmann aus Eggingen Mesner, mit der Unterstützung seiner Großfamilie macht er dies auch nach 57 Jahren noch immer. Sämtliche Arbeiten aufgeteilt in kleine Einheiten oder nach Zeitplan, dies ist das aktuelle Projekt des Gemeindeteams Eberfingen, bis sich jemand aus dem Dorf für das Amt bereit erklärt.
Adelbert Mayer ist seit 25 Jahren Mesner in Bettmaringen sowie seit drei Jahren in Mauchen. Im Gottesdienst wurde er dafür geehrt. Gerlinde Blenk vom Gemeindeteam stellte die Frage: „Was zeichnet Adelbert aus?“, in den Raum. Sie antwortete: „Adelbert macht vieles möglich. Er ist handwerklich sehr geschickt und ist immer da, wenn man ihn braucht. Wenn er eine Aufgabe sieht, macht er das ohne große Worte und die Dinge sind erledigt. Adelbert hat eine sehr ruhige Art. Wir hoffen, dass er weiterhin so agil bleibt und ihm das Amt noch viele Jahre Spaß und Freude bereitet.“
Adelbert Mayer ist seit 25 Jahren Mesner in Bettmaringen sowie seit drei Jahren in Mauchen. Im Gottesdienst wurde er dafür geehrt. Gerlinde Blenk vom Gemeindeteam stellte die Frage: „Was zeichnet Adelbert aus?“, in den Raum. Sie antwortete: „Adelbert macht vieles möglich. Er ist handwerklich sehr geschickt und ist immer da, wenn man ihn braucht. Wenn er eine Aufgabe sieht, macht er das ohne große Worte und die Dinge sind erledigt. Adelbert hat eine sehr ruhige Art. Wir hoffen, dass er weiterhin so agil bleibt und ihm das Amt noch viele Jahre Spaß und Freude bereitet.“ | Bild: Silvana Senn
  • Die Aufgaben: Das Gotteshaus steht im Zentrum eines Mesners, Küsters oder Sakristan. Ohne des Pfarrers rechte Hand würden die Gläubigen vor verschlossenen Türen stehen, Kelch, Weihwasser und Hostienschale leer bleiben, die Kerzen wären nicht angezündet, Gewänder nicht ausgelegt, Bücher nicht aufgeschlagen auf der richtigen Seite. Zwischen 10 und 18 beziehungsweise 19 Uhr ist die Kirche geöffnet. Bei Taufen wie auch bei Beerdigungen und den Sonntags-Gottesdiensten bereitet der Mesner alles vor und löscht auch das Licht auf der Empore, wenn die Musiker dies nach langen Proben für das Kirchenkonzert vergessen haben.
Während der Pfarrer der Hausherr ist, kümmert sich der gute Geist um die Kirche: Die Arbeit von Mesner Adelbert Mayer wird wie bei allen Mesnern vor allem dann gesehen, wenn sie nicht gemacht wurde.
Während der Pfarrer der Hausherr ist, kümmert sich der gute Geist um die Kirche: Die Arbeit von Mesner Adelbert Mayer wird wie bei allen Mesnern vor allem dann gesehen, wenn sie nicht gemacht wurde. | Bild: Yvonne Würth

Für den Blumenschmuck und die Kirchenwäsche zeichnet Mayers Tochter Karin Sabouret verantwortlich. Mancher Pfarrer wurde auch bereits mit dem Auto abgeholt und heim gefahren. „Ich darf jetzt auch ans Allerheiligste hin und schauen, ob noch genügend Hostien da sind“, dieses Privileg macht ihn sehr stolz. Dass alles mit rechten Dingen zugeht, ist besonders bei der Kollekte wichtig, hier gilt das Vier-Augen-Prinzip. Der Tresor sorgt für Sicherheit, bis das Geld nach Stühlingen gefahren wird.

Damit jeder Cent der Kollekte am richtigen Ort landet, gilt das Vier-Augen-Prinzip beim Eintüten und Aufschreiben. Die Tüte wird versiegelt und kommt in den Tresor, bis das Geld abgeliefert wird.
Damit jeder Cent der Kollekte am richtigen Ort landet, gilt das Vier-Augen-Prinzip beim Eintüten und Aufschreiben. Die Tüte wird versiegelt und kommt in den Tresor, bis das Geld abgeliefert wird. | Bild: Yvonne Würth

Die Krippe auf- und abbauen und den Adventskranz kränzeln, gehört ebenso fest in seinen Arbeitsplan, dafür holt er das Tannreis und Moos selbst im Wald. Nicht ganz gern von der Familie gesehen wird, wenn er mit der Leiter in den Glockenturm steigen muss. „Das Telefon klingelt jeden Tag“, Adelbert Mayer ist bekannter und beliebter Ansprechpartner bei allem rund um die Kirche.

  • Der Verdienst: Was die Bezahlung anbelangt, sei er sehr zufrieden. Was genau gezahlt wird, klärt die Entgeltordnung der Erzdiözese Freiburg, erläutert der Leiter der Seelsorgeeinheit Eggingen-Stühlingen Heilig Kreuz, Pfarrer Karl-Michael Klotz: „Verdienst ist immer verbunden mit seinem Alter und ob er pensioniert ist oder noch arbeitet, so wird er dann eingestuft. In der Regel kann man sagen, dass der Mesner circa 15 Euro je Diensteinheit verdient. Wenn er eingestellt ist, kommen noch die üblichen Zusätze wie Weihnachtsgeld dazu. Die Tätigkeiten werden in Zeiteinheiten erfasst. So arbeitet etwa Adelbert Mayer fünf Stunden pro Woche. Darin ist aber nur in etwa wiedergegeben, was er ansonsten tut. Mesner zu sein, bedeutet, für seine Kirche als Arbeitsort mit Herzblut dabei zu sein.“
  • Der Einflussbereich: Was Adelbert Mayer bis heute sehr freut, ist der Platz mit Park hinter der Kirche, der im Juli 2017 eingeweiht wurde. Sämtliche Vorschläge von ihm wurden dabei aufgegriffen. So gibt es nicht nur einen barrierefreien Eingang und die Toilettenanlage im Keller neben der Heizungsanlage, sondern auch eine Stromleitung und einen festen Platz für den Christbaum. Lediglich eine Lösung für das lästige Unkrautrupfen zwischen den Pflastersteinen gab es bislang noch nicht. Dies wird immer noch von Hand erledigt, denn Feuer und Gift scheiden aus.
Der barrierefreie Zugang und die Toilette neben der Heizung im Keller wurden 2017 eingeweiht. Die Wünsche und Vorschläge von Mesner Adelbert Mayer wurden dafür alle umgesetzt, was ihn sehr freut.
Der barrierefreie Zugang und die Toilette neben der Heizung im Keller wurden 2017 eingeweiht. Die Wünsche und Vorschläge von Mesner Adelbert Mayer wurden dafür alle umgesetzt, was ihn sehr freut. | Bild: Yvonne Würth
  • Das Handwerk: Neben kleinen Reparaturen in allen Bereichen ist ein Mesner auch da, wenn der Schornsteinfeger kommt. Auch kann es schon einmal sein, dass er zwei Stunden auf der Orgel sitzt und einzelne Töne spielt, bis der Orgelbauer zufrieden ist mit der Intonation. Der Hobby-Seiler hatte für die Abstandseinhaltung während der Corona-Pandemie zwei Tage an den Seilen gearbeitet, welche kunstvoll, ohne Anfang und Ende, jede zweite Kirchenbank dekorativ versperren.
Das besondere an den Seilen, die während der Pandemie den Abstand zwischen den Kirchenbänken dekorativ ermöglichen, ist das kunstvolle Verflechten von Anfang und Ende. Der Hobby-Seiler Adelbert Mayer hat sich Zeit dafür genommen.
Das besondere an den Seilen, die während der Pandemie den Abstand zwischen den Kirchenbänken dekorativ ermöglichen, ist das kunstvolle Verflechten von Anfang und Ende. Der Hobby-Seiler Adelbert Mayer hat sich Zeit dafür genommen. | Bild: Yvonne Würth