Den Startschuss für das Hochwasserschutzkonzept Weilertal hat der Stühlinger Gemeinderat in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung gegeben. Die Realisierung eines Hochwasserschutzes soll einerseits das Gefahrenpotenzial von Hochwasser für die Stadt und deren Bürger minimieren und andererseits die baurechtlichen Hürden verkleinern, die durch die Einführung der Hochwasserschutzkarten und des Bauverbots im HQ 100 (hundertjähriges Hochwasserereignis) das Bauen in dem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet erschwert.

Das Weilertal ist mit seinem Taleinschnitt prädestiniert für eine Hochwasserschutzmaßnahme der Stadt Stühlingen.
Das Weilertal ist mit seinem Taleinschnitt prädestiniert für eine Hochwasserschutzmaßnahme der Stadt Stühlingen. | Bild: Stadt Stühlingen

Die ersten Schritte für die Umsetzung eines erfolgreichen Schutzkonzepts sind jetzt getan. Nach der Projektvorstellung durch Stadtbaumeister Frank Gatti und Bürgermeister Joachim Burger stimmte der Gemeinderat geschlossen dafür, jetzt einen Planer mit ins Boot zu nehmen, der eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, Rahmenbedingungen klärt und ein Konzept mit Kostenschätzung erstellt sowie einen Förderantrag vorbereitet.

Das Weilertal ist als Ort für Maßnahmen im Rahmen des Hochwasserschutzkonzepts ausgewählt worden.
Das Weilertal ist als Ort für Maßnahmen im Rahmen des Hochwasserschutzkonzepts ausgewählt worden. | Bild: Stadt Stühlingen

Mit diesem Beschluss nimmt das Thema Hochwasserschutz in Stühlingen, mit dem sich die Verwaltung bereits seit 2013 beschäftigt, Formen an. Der Fokus liegt darauf, eine effektive Maßnahme umzusetzen, die möglichst vielen Bürgern Schutz bietet und keine allzu große Investition nötig macht. Schon nach der Erstellung des Gewässerentwicklungsplans war klar, dass das Weilertal, oberhalb des Stühlinger Stadtgebietes gelegen, höchste Priorität genießt, auch wenn es dort seit Jahrzehnten kein Hochwasser mehr gegeben hat. „Hier sind viele Bürger betroffen, das Weilertal, zwischen Stühlingen und dem Schützenhaus gelegen, ist mit seinem topografisch vorgegebenen Taleinschnitt prädestiniert für eine solche Maßnahme“, erklärt Frank Gatti.

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Der Bach, der durchs Weilertal weiter in die Stadt fließt und von dort in Richtung Schulen und Pflegeheim, könnte bei Starkregenfällen, die sich in den vergangenen Jahren immer mehr häufen, zur Gefahr werden und Hochwasser auslösen. Die größte Hürde bei der Umsetzung eines Hochwasserschutzes stellten bisher die schwierigen Eigentumsverhältnisse dar. „Im vergangenen Jahr konnten aber erstmals konstruktive Gespräche hinsichtlich Erwerb oder Nutzung von erforderlichen Flächen geführt werden“, so Gatti.

Geeignete Flächen

Die Verwaltung hat in Ortsterminen mit erfahrenen Planungsbüros bereits eruiert, dass die Flächen für einen Hochwasserschutz geeignet sind. Grünes Licht gibt es außerdem vom Landratsamt, Amt für Umweltschutz, das das Vorhaben begrüßt. Mehrere Planungsbüros wurden angeschrieben und zeigen Interesse, die kommenden Projektierungsabschnitte umzusetzen.

Frage nach Ausweichflächen

Machbarkeitsstudie, Konzept und Kostenplanung sowie Vorbereitung des Förderantrages sollen noch in diesem Jahr erfolgen. Erst dann wird der Gemeinderat entscheiden, ob das Projekt umgesetzt wird. Ein betroffener Bürger hatte sich bereits in der Einwohnerfragestunde zu Wort gemeldet und wollte wissen, ob er mit der Realisation eines Hochwasserschutzes zukünftig keine Retentionsflächen mehr vorhalten müsse. „Diese Frage ist in dem frühen Planungsstadium nur schwer zu beantworten, doch eigentlich sollten die Flächen dadurch schrumpfen“, räumte Bürgermeister Burger ein.

Viele Fragen offen

Die Verwaltung plant, ein Hochwasserschutzregister einzuführen, in dem, ähnlich einem Ökokonto, Maßnahmen gutgeschrieben werden, die Bauinteressenten auslösen können. „Könnte der Weiher im Weilertal beim Hochwasserschutz als Rückstaubecken dienen?“, fragte Gemeinderat Thomas Schüle (CDU). Gatti verneinte diese Frage, versicherte aber, dass genügend Rückstaufläche vorhanden sei. Die Frage von Gemeinderat David Geng (FW), wo sich diese Rückhaltefläche befindet, konnte in diesem frühen Projektstadium nicht beantwortet werden. „Das wird die Planung zeigen“, versprach Bürgermeister Burger. Für den Zeitplan interessierte sich Gemeinderat Stefan Beck (FW): „Wann können wir mit einem Zahlenwerk für die Finanzplanung rechnen?“ Frank Gatti gab als groben Richtwert den Herbst dieses Jahres an.