Bruder Schied, warum verlassen Sie nach der relativ kurzen Zeit von anderthalb Jahren bereits wieder das Kloster Stühlingen?

Als ich vor anderthalb Jahren hierhergekommen bin, habe ich natürlich nicht gedacht, dass ich nur so kurz hier bleiben werde. Ich hatte mich auf einige Jahre eingestellt. Aber wie kam es jetzt dazu? Bei den Kapuzinern ist es so, dass die Klöster und Niederlassungen nicht selbstständig sind, sondern in einen Provinzverband gehören. Man tritt bei uns nicht in ein bestimmtes Kloster ein, sondern in diese Ordensprovinz. Innerhalb dieser Provinz gibt es derzeit elf Niederlassungen, die besetzt werden müssen. In München betreuen wir einen Pfarrverband in der Isarvorstadt. Der zuständige Mitbruder musste aus familiären Gründen nach Frankfurt wechseln und so wurde relativ überraschend eine Stelle frei. Die Provinzleitung hat mich dann angefragt, diese Stelle zu übernehmen.

Was werden Sie vermissen aus Ihrer Zeit im Kloster Stühlingen?

Auf jeden Fall die Menschen aus Stühlingen und der Umgebung. Ich war sehr gerne zu den Gottesdiensten unterwegs in den verschiedenen Dörfern und Kirchen. Ich werde natürlich auch die familiäre Atmosphäre in unserem Stühlinger Kloster vermissen. Es war eine sehr schöne Zeit für mich mit den Schwestern und Brüdern sowie den Gästen zum Mitleben.

Bruder Thomas Schied zelebrierte den ersten Gottesdienst in der neuen Egginger Dorfmitte.
Bruder Thomas Schied zelebrierte den ersten Gottesdienst in der neuen Egginger Dorfmitte. | Bild: Yvonne Würth (Archiv)

Konnten Sie die Aufgaben beenden, für die Sie im August 2020 nach Stühlingen gekommen waren?

Leider nur zum Teil. Ich hatte mich auf die Aufgabe vorbereitet, unsere Postulanten (neu eingetretene Brüder) auf ihrem ersten Schritt im Ordensleben zu begleiten. Aus verschiedenen Gründen hatten wir aber zurzeit keine Postulanten.

Welche Änderungen ergaben sich durch die damals unerwartete Corona-Pandemie für Sie, für das Klosterleben in Stühlingen und die Deutsche Kapuzinerprovinz?

Gerade in der Kirche spüren wir ja an allen Ecken und Enden, dass sich die gewohnte und traditionelle Situation verändert. Manches ist durchaus schmerzhaft, aber grundsätzlich birgt das auch die Chance, dass sich die Kirche verändern und erneuern kann. Das gilt auch für den Orden. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass es das immer gegeben hat. Die Corona-Pandemie könnte zu einer Zäsur werden, die diesen Prozess beschleunigt. In den Gemeinden werden wir nach der Pandemie gut überlegen müssen, wie es weitergeht. Ich wünsche mir für die Kirche und den Orden, dass wir es schaffen, mit den Menschen den Zugang zu unserer eigentlichen Kraftquelle freizulegen. Mit Kraftquelle meine ich eine gesunde, bodenständige und frohe Gottesbeziehung.

Welche neuen Herausforderungen erwarten Sie in Ihrer neuen Position als Pfarradministrator des Pfarrverbands München-Isarvorstadt?

Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe. Die neue Rolle bringt natürlich Herausforderungen mit sich. Ich werde zum Beispiel ein großes Seelsorgeteam moderieren und leiten müssen. Spannend ist für mich aber vor allem die Frage, wie wir unseren traditionellen Glauben im Heute weitergeben können. Da bin ich sehr gespannt, wie sich das gestalten wird.

Welche Tipps, das Klosterleben betreffend einerseits und die Menschen im Wutachtal betreffend andererseits, geben Sie Ihrem Nachfolger Bruder Markus Thüer?

Ehrlich gesagt: Gar keine. Bruder Markus kennt das Wutachtal viel länger und besser als ich. Er hat ja schon einige Jahre in Stühlingen gelebt. Ich weiß, dass er sich sehr auf die Menschen hier in der Umgebung und auf das „Kloster zum Mitleben“ freut.

Die personellen Veränderungen bei den Kapuzinern

Die aktuellen personellen Veränderungen in den Konventen der Deutschen Kapuzinerprovinz betreffen gleich sieben Ordensbrüder: Bruder Bernd Kober wechselte zum 15. November als Kirchenrektor an die Frankfurter Liebfrauenkirche. Der Kapuziner wurde dem Bischof von Limburg zur Ernennung präsentiert. Bruder Bernd war bisher Guardian im Konvent St. Anton in München und Leiter des Pfarrverbands München-Isarvorstadt. Er übernimmt das Amt von Stefan M. Huppertz, der sich neu orientieren will und um die Entpflichtung als Kirchenrektor in Frankfurt gebeten hat. Der Wechsel von Bruder Bernd nach Frankfurt entspricht seinem vor einiger Zeit geäußerten Wunsch, eine Aufgabe in größerer Nähe zum Wohnsitz seiner Eltern wahrnehmen zu können. Bis zu seinem Wechsel nach Frankfurt wird Bruder Paulus Terwitte das Amt des Kirchenrektors übernehmen. Die Nachfolge von Bruder Bernd in München als Leiter des Pfarrverbands München-Isarvorstadt tritt Bruder Thomas M. Schied an. Der Ordensmann ist Mitte November nach München gezogen und wird voraussichtlich Ende 2021, Anfang 2022 als neuer Pfarradministrator eingesetzt. Bruder Thomas war bisher im „Kloster zum Mitleben in Stühlingen“ tätig. Bruder Helmut Rakowski, stellvertretender Provinzial der Kapuziner, wird in München das Amt des Guardians übernehmen. Zum 1. Dezember 2021 ist Bruder Markus Thüer in das Kloster zum Mitleben in Stühlingen gewechselt und unterstützt den Konvent nach dem Umzug von Bruder Thomas nach München. Gleichzeitig gestaltet Bruder Markus die Zeit bis zum Provinzkapitel im Juni 2022 als Sabbatzeit. Bisher war der Ordensmann Guardian des Konvents in Zell am Harmersbach. Dort wird Bruder Berthold Oehler die Leitung des Konventes übernehmen. „Ich freue mich sehr, dass wir mit diesem Gesamtpaket für alle Orte eine zukunftsweisende Lösung gefunden haben“, sagt Bruder Christophorus Goedereis, Provinzial der deutschen Kapuzinerprovinz. „Das Unterwegssein gehört zu unserem franziskanischen Leben. Dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit, dass die Brüder so flexibel sind und positiv neue Herausforderungen angehen. Dafür danke ich ihnen aus vollem Herzen!“