Es ist heiß in der Wutachschlucht, und am Amselfelsen steht die Luft. Ein Paar, sie im Bikini, er in Badehose, steigt aus der Wutach und trocknet sich ab. Der Fluss ist braun, nur noch vier Meter breit, aber an dieser Stelle so tief, dass man darin baden kann – was im Naturschutzgebiet aber verboten ist. Stolz verkünden die beiden, das Wasser sei „toll und badwarm“.

Wenige Schritte flussabwärts, dort wo die Wutach etwas Gefälle hat, ist noch ein leises Rauschen zu hören, dann wird es still. Das Fließen hat ein Ende, das Wasser steht in einem Gumpen. Zahlreiche kleine Jungfische schwimmen darin. Weiter flussabwärts gibt es nur noch trockenen, grauen Schotter.

Es riecht modrig.

Eine Familie aus Norddeutschland steigt die Stahltreppe hinauf. Während die Eltern quatschen, ist dem Jungen die Veränderung aufgefallen: „Das Wasser ist weg!“ Hier, bei der „Wutachversickerung“, verliert der Fluss immer Wasser in den karstigen Untergrund, was bei Normalwasser kaum auffällt. Durch die seit Wochen anhaltende Dürre aber ist alles Wasser verschwunden, der Fluss ist tot.

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Von der Felsgalerie aus ist tief unten nur noch eine Schotterwüste zu sehen. An einer letzten braunen Pfütze steht ein Graureiher. Krächzend fliegt er auf. Dass keine toten Fische im ausgetrockneten Flussbett liegen, überrascht zunächst, aber Reiher und Fuchs haben längst aufgeräumt.

Auf dem Rümmelesteg unterhält sich eine Wandergruppe. Ihr Thema ist nicht die ausgetrocknete Wutach, sondern der historische Rümmelesteg aus dem Jahr 1904, den man weiter unten sieht. Unter diesem alten Steg gibt es eine letzte stinkende Pfütze ohne Leben. Hier rauscht die Wutach normalerweise gewaltig gegen die 40 Meter hohe Felswand.

Jetzt herrscht nur noch Trockenheit.

Der graue Schotter ist hier von größeren Muschelkalktrümmern überlagert, die Überreste eines gewaltigen Felssturzes im Jahr 1953. Kurz vor dem Ausruhplatz „Inselwirts Keller“ ist plötzlich wieder Wasser im Flussbett, zwar nur in einzelnen kleinen Rinnen, aber es fließt. Und 200 Meter flussabwärts weckt ein leises Rauschen Hoffnung.

Am gegenüberliegenden Ufer mündet ein kleiner Bach und fördert etwas Frischwasser in einen großen Gumpen, der voller Jungfische ist. Eine einzige mittelgroße Bachforelle schwimmt dazwischen.

Vom Bachheimer Steg flussaufwärts gesehen, nimmt die Wasserrinne etwa ein Drittel des Schotterbetts ein, aber flussabwärts geblickt herrscht wieder nur Wüste. Das Wasser steht in einem letzten Gumpen. Eine 400 Meter lange, absolut trockene Schotterstrecke folgt. An deren Ende haben Künstler zahlreiche Steinmännchen gebaut.

Beim „Wiederaustritt“ drängt so viel Wasser auf den Felsklüften, dass sich wieder ein Fließgewässer bildet.
Beim „Wiederaustritt“ drängt so viel Wasser auf den Felsklüften, dass sich wieder ein Fließgewässer bildet. | Bild: Friedbert Zapf

Und dann die Überraschung. Aus dem Fels tritt an mehreren Stellen Wasser zutage und bildet wieder einen Fluss. Eine Mutter aus dem Schwäbischen steht vor der neuen Info-Tafel beim „Wiederaustritt“ und erklärt der Tochter das Phänomen: Wasser, das weiter flussaufwärts versickert ist, durchläuft ein weiträumiges Höhlensystem und tritt hier wieder zutage.

Nach zwei Kilometern Schotterwüste gibt es wieder Wasser. Die Wandergruppe genießt es.
Nach zwei Kilometern Schotterwüste gibt es wieder Wasser. Die Wandergruppe genießt es. | Bild: Friedbert Zapf

Zwei Schluchtensteigwanderer schwimmen in dem recht tiefen Wasser, und zahlreiche Erwachsene und Kinder planschen in der Nähe. Ab hier führt die Wutach wieder durchgängig Wasser, aber bei Weitem nicht viel. Der Pegelstand bei der Wutachmühle zeigt gerade einmal 40 Zentimeter, im regenreichen August vor einem Jahr waren es im Durchschnitt 179 Zentimeter.

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