Das Schlachthaus in Ewattingen ist nun endgültig Geschichte. Die Schlachthausbetreibergemeinschaft Wutach habe in der letzten Juniwoche die Gerätschaften aus dem Gebäude geräumt, bestätigte Landwirt Markus Keller, Mitglied der Betreibergemeinschaft, auf Anfrage dieser Zeitung. Die Gemeinschaft befinde sich bereits seit Monaten auf der Suche nach einem Alternativstandort.

Die Schlachtungszahlen

Eingeläutet wurde das Ende des gemeindeeigenen Schlachthauses im Grunde genommen bereits im Januar 2019, als der Gemeinderat Wutach mit sieben Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen eine Zuschussanfrage der Betreibergemeinschaft an die Gemeinde für die Gebäudesanierung über rund 20.000 Euro ablehnte. Eine Nachfrage dieser Tageszeitung im November 2019 brachte dann Gewissheit – die Gemeinde lehnte eine Verlängerung des Ende Juni 2020 ablaufenden Pachtvertrags für das Gebäude ab.

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Die Schlachthausgebäude in Münchingen und Lembach sind privat verpachtet, das Schlachthaus in Ewattingen ist in kommunalem Eigentum. Die Schlachtungs- und Zerlegungszahlen der Schlachthausbetreibergemeinschaft Wutach lagen in den vergangenen Jahren stabil bei rund 100. Tatsächlich rückläufig waren die landwirtschaftlichen Betriebe, die das Ewattinger Gebäude nutzten: 2008 wurden noch 24 Betriebe verzeichnet, 2017 und 2020 jeweils nur noch zehn Betriebe, die meisten aus dem Raum Stühlingen/Achdorf und wenige aus Wutach selbst.

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Bürgermeister Christian Mauch hatte in der Gemeinderatsitzung im Januar 2019 im Vorfeld der Zuschussdiskussion betont, dass es bei der Entscheidung des Gremiums zur Zuschussanfrage nicht um die Kündigung des Pachtvertrags für das Gebäude gehe, sondern ausschließlich um eine finanzielle Kostenübernahme der Sanierung durch die Gemeinde. In der Sitzung hatte der Bürgermeister zudem seine Hoffnung auf den Erhalt des Schlachthausbetriebs unterstrichen, obgleich er in seinen späteren Ausführungen eine rückläufige Gebäudenutzung durch Einheimische feststellte und die Bedeutung der Einrichtung als infrastrukturellen Baustein für Wutach hinterfragte. Der Tenor im Gremium war überwiegend gegen eine Kostenübernahme.

Teure Nachrüstungen

Durch die EU-Verordnung 853 aus dem Jahr 2008 waren auch für das Schlachthaus in Ewattingen kostspielige Nachrüstungen in der Ausstattung der Schlachträume nötig geworden. Um den Bestand in Ewattingen zu sichern, war die Schlachthausbetreibergemeinschaft Wutach gegründet worden, die von der Gemeinde Wutach jährlich mit 1000 Euro bezuschusst wurde. Das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung hatte im Mai 2018 bei einer Kontrolle im Schlachtraum und im Produktionsraum Mängel (schlechter Bodenzustand und Sauberkeitsmängel) festgestellt. Zudem waren Mängel im Kühlraum (Türrahmen) und im Lagerraum notiert worden. Die Betreibergemeinschaft hätte für eine weitere Betriebserlaubnis das Gebäude zunächst sanieren müssen.

Die Reaktion

Er bedauere die Schließung des Schlachthauses in Ewattingen, sagte Markus Keller im Gespräch. Kleine Einrichtungen wie diejenige der Gemeinde Wutach hätten ihre Berechtigung. Dies zeige sich gerade jetzt. Die Fleischverarbeitungsbranche sehe sich momentan heftiger Kritik an den Arbeitsverhältnissen ausgesetzt, die sich insbesondere am Unternehmen Tönnies im Landkreis Gütersloh entzünde.