Yvonne Würth

Der Ja-Verein Mauchen Jung und Alt – Attraktives Dorfleben hat in der Kirche St. Gallus und der Gemeindehalle Eggingen mit 160 angemeldeten Teilnehmern sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Den ökumenischen Gottesdienst zelebrierten der Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Wutachtal, Pfarrer David Brunner, und der Leiter der Seelsorgeeinheit Eggingen-Stühlingen Heilig Kreuz, Pfarrer Karl-Michael Klotz. Jung und Alt zog es anschließend ins Versammlungs-Rund bei der Mauchenbach-Parkanlage, um ein lebendiges Logo zu fotografieren. Dazu nutzte der neunjährige Fabian Blum seine Drohnenkamera.

Die Landfrauen Eggingen fuhren in der Halle Kaffee, Kuchen und Sekt auf, während sich die Gäste in Anwesenheitslisten eintrugen. Bevor Martin Wangler mit seinem Kabarett-Programm „Fidelius Waldvogel bei Jung & Alt“ startete, gab es Zeit für Grußworte. Bürgermeister Joachim Burger nannte die Gründung des Ja-Vereins einen „Wumms“, die Entwicklung seither einen „Doppelwumms“. Er freute sich über die Protestbewegung, als der Kindergarten geschlossen wurde, dass daraus ein Erfolgsprojekt entstanden sei und er wünschte sich, dass Nachahmer gefunden werden.

Die Bürgermeister von Eggingen und Stühlingen, Karlheinz Gantert (von links) und Joachim Burger überbrachten dem Vorsitzenden Franz ...
Die Bürgermeister von Eggingen und Stühlingen, Karlheinz Gantert (von links) und Joachim Burger überbrachten dem Vorsitzenden Franz Schäfer und den Mitgliedern Grußworte. Der Ja-Verein betreibt aktive Nachbarschaftshilfe in den Kommunen Bonndorf, Eggingen, Grafenhausen, Stühlingen, Ühlingen-Birkendorf, Wutach und Wutöschingen. | Bild: Yvonne Würth

Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Anette Klaas, unterstützte seit der Gründung. Sie lobte Thekla Korhummel, die schon vor der Vereinsgründung ein großes Netzwerk gebildet hatte, um den Verein und das Projekt ins Leben zu rufen für die Förderung von Frauen im ländlichen Raum. In den vergangenen Jahren beteiligte sich der Ja-Verein an den Frauenaktionswochen. Sie hoffte, dass bei den Kommunalwahlen 2024 mehr Frauen kandidieren und sagte finanzielle Unterstützung für den Erinnerungsort in Mauchen an die Bäckerin, Gastwirtin und Schriftstellerin Katharina Basler zu, die Beckin von Mauchen (1777 bis 1849). Im Anschluss an das Kabarett feierten die Gäste mit Abendessen, Musik und Tanz.

Die Gleichstellungsbeauftragte Anette Klaas (rechts) überbrachte der Initiatorin des Ja-Vereins Mauchen Thekla Korhummel (links) ein ...
Die Gleichstellungsbeauftragte Anette Klaas (rechts) überbrachte der Initiatorin des Ja-Vereins Mauchen Thekla Korhummel (links) ein Geschenk zum zehnjährigen Bestehen und die Zusage über finanzielle Unterstützung für die Erstellung eines Erinnerungsorts an Katharina Basler, die Beckin von Mauchen. | Bild: Yvonne Würth

Die Initiatorin Thekla Korhummel präsentierte einen Rückblick über zehn Jahre Ja-Verein. 2012 sorgten sich die Bewohner von Mauchen über wegbrechende Strukturen. Die Sparkassenfiliale wurde geschlossen, dadurch wurde vermehrt außerhalb eingekauft statt in Petras Lädele. Der Kindergarten schloss, das Dorf war nicht mehr attraktiv für junge Familien, die Bevölkerung wurde immer älter. „Was goht üs des a? Politik söll des regle“, Korhummel wollte sich nicht abspeisen lassen, wurde aktiv und engagierte sich. Sie holte sich Unterstützung und Beratung, unter anderem bei Maria Hensler. Diese hatte 2003 das Gaienhofener Modell „Hilfe von Haus zu Haus“ initiiert und ist Vorsitzende der Dachorganisation „Netzwerk Nachbarschaftshilfe“.

Ein unterhaltsames Programm fand anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ja-Vereins Mauchen statt mit ökumenischem Gottesdienst, ...
Ein unterhaltsames Programm fand anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ja-Vereins Mauchen statt mit ökumenischem Gottesdienst, Sektempfang, Kaffee und Kuchen, Abendessen und Musik. Auch der SWR-Schauspieler und Kabarettist Martin Wangler in der Rolle des Fidelius Waldvogel (im Bild) trug zur Begeisterung bei. | Bild: Yvonne Würth

Beim Abschiedsfest des Kindergartens Mauchen 2013 generierte der Ja-Verein die ersten Einnahmen. Im gleichen Jahr wurde das Moscht-Fäscht mit dem Musikverein Mauchen etabliert, es gab Kurse in Altenhilfe und Demenz, in Babysitting für die Jugend und Seniorentreffen im Rathaus. Gefördert wurde der Verein von Januar 2013 bis Juli 2015 vom Land als innovative Maßnahme für Frauen im ländlichen Raum im ELER-Programm. Der Verein entwickelte sich weiter, es gab Angebote für Spielgruppen, Sommerferienprogramm und Kurse in der Nachbarschaftshilfe. Mit dem privaten Umbau des Gasthaus „Dreikönig“ in ein Mehrgenerationenhaus durch Edgar Keller gewann der Ja-Verein einen barrierefreien Treffpunkt mit Großküche. Im Ja-Team setzten sich viele Helfer engagiert ein, darunter Mona Basler.

Bereits bei der Gründung vor zehn Jahren hatte der Ja-Verein Mauchen ein lebendiges Logo erstellt. Die Anzahl der Mitglieder ist von 47 ...
Bereits bei der Gründung vor zehn Jahren hatte der Ja-Verein Mauchen ein lebendiges Logo erstellt. Die Anzahl der Mitglieder ist von 47 Mitgliedern im Jahr 2012 auf 278 Mitglieder im Jahr 2022 gestiegen. Mit acht bis zehn Helfern startete die Nachbarschaftshilfe 2013, aktuell sind es 180 Helfer, die 21.181 Stunden im Jahr 2021 geleistet hatten. | Bild: Verein

In der Corona-Pandemie wurde der Mittagstisch mobil. Die Senioren kommen nun spärlicher als vor der Pause in den Ja-Treff und der Bedarf in manchen Kindergruppen hat nachgelassen. Dafür gibt es mehr Helfer bei der Nachbarschaftshilfe, sodass 2019 zwei Jahresabschlussfeiern stattfinden mussten, weil der Platz nicht ausgereicht hatte. Thekla Korhummel rät Gleichgesinnten zur Zusammenarbeit mit der Kommunalverwaltung, „weil es ein Kraftakt war, es hat uns viele schlaflose Nächte gekostet“. Politikern rät sie: „Nehmt die Bürger der Protestbewegung ernst und nehmt die Energie in eine gute Richtung.“ Der Ja-Verein Mauchen plant, einen Bauernhof- und Waldkindergarten in Mauchen zu eröffnen. In der Einladungskarte zum zehnjährigen Bestehen hatte der Vorsitzende Franz Schäfer um Spenden anstatt Sachgeschenke für diesen Zweck gebeten.