Der Jugendraum-Container im Schulzentrum war im Frühjahr 2019 eröffnet worden und ist nun nach dem zweiten Lockdown seit Pfingsten 2021 wieder geöffnet. „Unsere Jugendarbeit hat zwei Gesichter: Die Jugend soll sich treffen können, einen Platz zum Chillen haben, ohne Vorgabe“, erklärt Andrea Barth.

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Zum anderen sollen die Jugendlichen lernen, ihr Mitspracherecht geltend machen, sich in die Stühlinger Entwicklung einzubringen und auch Veränderungen anzustoßen. Hierfür haben sich sechs Jugendliche bereits als Jugendvertreter in den Jugendbeteiligungsrat wählen lassen. „Aus rechtlichen Gründen muss bei den Treffen immer ein Erwachsener dabei sein. Die heute noch minderjährigen Jugendlichen sollen diese Aufgabe später aber selbstverantwortlich übernehmen“, erläutert Andrea Barth.

Ansprechpartner der Jugendarbeit

Sowohl André Reich, hauptamtlich Jugendpastor bei der evangelischen Kirchengemeinde, als auch das Ehepaar David und Anna Geng, beide Erzieher im Kinderland Hohenlupfen, begleiten die Jugendlichen bei ihren Treffen und Vorhaben. Sie haben sich für die Altersgruppe der Jugendlichen weitergebildet und bringen bereits viel Erfahrung mit, unter anderem auch im Bereich der Erlebnispädagogik. Zweimal pro Woche haben die Jugendlichen die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Entweder können sie ohne Thema entspannen. Oder sie machen mit bei einem der vielfältigen Angebote.

Familienbeauftragte Andrea Barth erläutert die Aktionen der Jugend Stühlingen. Das Büro des Familienzentrums Stühlingen befindet sich im Bauwagen direkt neben dem Eingang des Kinderlands Hohenlupfen.
Familienbeauftragte Andrea Barth erläutert die Aktionen der Jugend Stühlingen. Das Büro des Familienzentrums Stühlingen befindet sich im Bauwagen direkt neben dem Eingang des Kinderlands Hohenlupfen. | Bild: Yvonne Würth

Lösungsorientiert statt Anspruchsdenken

Ganz wichtig war den Jugendlichen die Frage, wer sie denn mit Getränken und Knabberzeug versorgt. Es gab private Spenden, auch David Geng hatte fürs erste gemeinsame Treffen den Kühlschrank im Jugendraum gefüllt. Die grundsätzliche Frage, ob sich die Jugendlichen selbst um solche profanen Dinge kümmern sollen, oder sie in einer geschützten Blase agieren dürfen, führte bei den Erwachsenen zu heftigen Diskussionen. „Anspruchsdenken ist ungesund, weil es abhängig macht. Die Jugendlichen müssen lernen, den Mund aufzumachen und zu fragen. Oder selbst aktiv werden. In die Selbstständigkeit wachsen, Kompetenzen stärken, das ist unser Ziel“, erklärt Andrea Barth. Aus diesem Gedanken heraus entstanden die „C+C-Projekte“.

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Chips und Cola

C+C steht für Chips und Cola, also sinnbildlich für Getränke und Knabberzeug für die jeweiligen Treffen. Mit diesen C+C-Projekten soll Geld in die selbstverwaltete Jugendkasse eingenommen werden. Beispielsweise über eine Babysitterbörse, ein Angebot von Fortbildungen im IT-Bereich für Senioren, Unterstützung bei anstehenden Events wie Cocktails und Getränke für das Sommerfest des Kinderlands anzubieten – Ideen gibt es genügend.

Während der Lockdowns in der Pandemie war allerdings nicht viel durchführbar. Herauskristallisiert hatte sich jedoch die Idee, Projekte anzuwerben, für die die Jugendlichen jeweils 50 Euro erhalten. Der Projektumfang soll von zwei bis vier Jugendlichen im Zeitraum von ein bis zwei Stunden zu erledigen sein. Das verdiente Geld kann dann für gemeinsame Aktivitäten verwendet werden, den gefüllten Kühlschrank, für Pizza oder andere Wünsche.

Eine der seit Pfingsten wieder regelmäßigen Aktionen der Stühlinger Jugend war die Reinigung der Einsegnungshalle beim Friedhof. Dass Bürgermeister Joachim Burger tatkräftig mit angepackt hatte, war für manch schüchternen Jugendlichen eine willkommene Anerkennung. Von links: Emanuel Krampez, Michele Hurrle, Elias Barth, Jugendpastor Andre Reich und Bürgermeister Joachim Burger.
Eine der seit Pfingsten wieder regelmäßigen Aktionen der Stühlinger Jugend war die Reinigung der Einsegnungshalle beim Friedhof. Dass Bürgermeister Joachim Burger tatkräftig mit angepackt hatte, war für manch schüchternen Jugendlichen eine willkommene Anerkennung. Von links: Emanuel Krampez, Michele Hurrle, Elias Barth, Jugendpastor Andre Reich und Bürgermeister Joachim Burger. | Bild: Privat

Die Einsegnungshalle beim Friedhof Stühlingen wurde bereits geputzt, mit dabei war Bürgermeister Joachim Burger, der tatkräftig mit anpackte. Die Familienbeauftragte Andrea Barth freut sich, wenn Privatpersonen sich melden für weitere Aktionen wie Gartenaufräumen oder Ähnliches: „Damit füllen sich die Jugendlichen ihre Kasse, machen sich unabhängig und sammeln Erfahrungen. Über eigenes Geld zu verfügen, ist wichtig. Immer nachfragen zu müssen, schmeckt nach Betteln und ist im Prozess, erwachsen zu werden, fehl am Platz und auch irgendwie unwürdig.“

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