Er ist jung und voller Tatendrang: der Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den Wahlkreis 288, Jan-Lukas Schmitt. Der 26-Jährige, der sich unter anderem für konsequenten Klimaschutz einsetzen will, ist nach Wutach gekommen, um sich dort über das seit 2014 existierende Wasserkraftwerk zu informieren.

„Die Klimakrise erfordert unser sofortiges Handeln“, sagte Schmitt und lobte das Engagement von Kraftwerksbetreiber Bernhard Ernst, der mit dem Werk an der Wutach schon vor sieben Jahren ein Projekt verwirklicht hat, das regenerativen Strom erzeugt und damit das Klima entlastet. Durchschnittlich 1,2 Millionen Kilowatt Strom produziert die Wasserkraftanlage im Jahr, mit dem Strom kann rund ein Drittel des Verbrauchs der Gemeinde Wutach abgedeckt werden.

Jan-Lukas Schmitt ist im Vergleich zu den Mitbewerbern aus dem schwarzen und roten Lager sicherlich noch kein Polit-Profi. Er sammelt Informationen, hört zu, stellt sich nicht selbst ins Rampenlicht. Kritische Anmerkungen von Besuchern aus Bonndorf und Wutach zum bürokratischen Hürdenlauf, an dem immer wieder regenerative Energieprojekte scheitern, nimmt er auf, fragt nach. Die Anregung des grünen Gemeinderats aus Bonndorf, Werner Intlekofer, die Bürokratie sollte solche Projekte nicht verhindern, vielmehr sollten die Behörden den Investoren Wege aufzeigen, wie regenerative Energieprojekte verwirklicht werden können, fand Zuspruch von Jan-Lukas Schmitt. Ohne Klimaschutz ergebe auch Natur- und Artenschutz keinen Sinn, dieser Aussage von Kraftwerksbetreiber Bernhard Ernst konnte der Bundestagskandidat nur zustimmen.

Dass sich Naturschutz und Klimaschutz aber durchaus verbinden lassen, dies konnte Bernhard Ernst bei der Besichtigung des Wasserkraftwerks anschaulich aufzeigen. Wasserkraft ist nach den Worten des Bauingenieurs eine sehr effiziente Art, Energie zu erzeugen. Der Wirkungsgrad liege bei mehr als 92 Prozent, die Anlage sei langlebig und wenig wartungsintensiv. Durch den Bau des Kraftwerks habe die Wutach sogar gewonnen. Bislang durch ein Wehr aufgestaut, sei jetzt die Durchgängigkeit des Flusses gewährleistet – durch eine aufwendig angelegte Fischtreppe mit Fischaufstieg und Abstieg. Dass sich die Fische durch das Kraftwerk nicht gestört fühlen, belege das Vorkommen des Bachneunauges, der Groppe und verschiedener Forellenarten, erläuterte Bernhard Ernst. Und noch eine Sache freut den Kraftwerksbetreiber: In der Anlage hat eine Wasseramsel ihr Nest gebaut und ihre Jungen großgezogen.

Sei die Zusammenarbeit mit den Behörden beim Bau der Anlage auf Ewattinger Gemarkung sehr gut gewesen, sei er leider mit einem zweiten Wasserkraftwerkprojekt an der Wutach in Stühlingen gescheitert, erläuterte Bernhard Ernst. Hier seien es aber nicht die deutschen Behörden, sondern Verbände aus der angrenzenden Schweiz gewesen, die das Werk verhindert hätten.

Jan-Lukas Schmitt, der sich als liberaler Grüner bezeichnet und im Klimaschutz auf eine neue wirtschaftliche Dynamik sieht, interessierte sich auch für die finanzielle Seite des Kraftwerkes. „Wäre das Werk auch ohne EEG rentabel?“, wollte er wissen. Auf diese Frage kam ein klares Nein von Bernhard Ernst. Für ihn sei die Wasserkraftanlage eher eine Herzenssache als ein Projekt, mit dem großer Gewinn erwirtschaftet werden kann. Gefragt nach der Rendite, sprach Ernst von drei Prozent.

Schmitt, der im Übrigen mit einem kleinen Elektroauto zum Termin nach Wutach gekommen war, zeigte sich sichtlich beeindruckt nach dem Rundgang durchs Werk. Er sprach denn auch von einem Leuchtturmprojekt an der Wutach.

Angesprochen wurde in der Runde auch noch das Thema Holz: „Wir brauchen Holz und müssen die schwierige Aufgabe meistern, unseren Wald klimaresistent umzubauen“, meinte dazu der Grünen-Bundestagskandidat, der dann auch noch mit der Thematik Wolf konfrontiert wurde. Werner Intlekofer stellte die politischen Konzepte zum Schutz von Weidetieren vor dem Wolf infrage und lud den jungen Grünen dazu ein, einmal bei der anstrengenden Aufstellung von wolfsschutzgerechten Schafszäunen mitzuhelfen. Man darf gespannt sein, ob Jan-Lukas Schmitt das Angebot annimmt.