Großes Interesse bestand in Oberwangen an der Infoveranstaltung über die geplante Komphos-Anlage, die westlich angrenzend an die Bonndorfer Kläranlage entstehen soll. Sie wird zwar auf der Gemarkung Bonndorf-Dillendorf stehen, würde aber die Bürger von Wangen und Schwaningen sehr stören. Deshalb hatten sich gut 100 zum Teil erboste Bürger aus den betreffenden Gemeinden im Gemeindesaal von Oberwangen eingefunden.

Stühlingens Bürgermeister Joachim Burger sowie Wangens Ortsvorsteher Matthias Lutz hatten diese Veranstaltung organisiert, bei der vor allem der Projektentwickler und Planer Bernhard Stulz Rede und Antwort stehen musste und das Projekt vorstellte. Er sei 40 Jahre im Abwasserbereich tätig. Bisher sei es noch möglich, den Klärschlamm auf den Äckern auszubringen.

Bei der Informationsveranstaltung saßen Ortschaftsrätin Bettina Burger (Protokoll), Bürgermeister Joachim Burger, Projektleiter Robert ...
Bei der Informationsveranstaltung saßen Ortschaftsrätin Bettina Burger (Protokoll), Bürgermeister Joachim Burger, Projektleiter Robert Gamper, Bernhard Stulz, Chef der Firma KomPhos, und Ralf Haug vom Büro FSP Stadtplanung auf dem Podium. | Bild: Ingrid Mann

Doch zukünftig sollen die Giftstoffe, Phosphor, Mikroplastik und Medikamentenrückstände möglichst vollständig daraus entfernt werden, was in dieser Anlage in drei Phasen möglich sein wird. Zuerst wird er mit Niedertemperatur auf zehn Prozent Wasseranteil herunter getrocknet, dann wird er bei 850 Grad zu Klärschlamm-Asche verbrannt.

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Daraus lässt sich dann in der dritten Phase Phosphor gewinnen, der wiederum als Dünger den Landwirten zur Verfügung stehen soll. Damit könnte man den ausländischen Anteil dieses Düngers drastisch verringern, meinte Stulz, immerhin sei der Phosphoranteil im Klärschlamm 20 bis 25 Prozent.

Ein Blick auf die Anlage, den Standort und den Zeitplan

An diesem geplanten Vorgehen hatte grundsätzlich keiner der Gäste etwas zu bemängeln. Allerdings sorgt der geplante Standort für großen Unmut unter den Bürgern. Geäußert wurde die Sorge, dass „ein riesiger Klotz mit den Maßen 40 Mal 48 Meter Grundfläche und mit der Höhe von 22 Metern in eine unberührte Naturlandschaft gestellt“ werde.

Man fürchte Geruchs- und Geräuschbelastungen und vor allem auch eine enorme Verkehrsbelastung. Bei voraussichtlich 14 Lastwagen am Tag werde die B 315 mit den Orten Schwaningen und Weizen und die Kreisstraße 6513 durch die Orte Ober- und Unterwangen extrem belastet.

Das sagen die Bürger

Für die Mütter und Kinder appellierte Simone Bernhard aus Wangen an Bernhard Stulz, dass er einen anderen Standort finden solle. Dieser sei einfach nicht richtig. Sie habe Angst um die Gesundheit der jungen Bevölkerung. Ein dringendes Anliegen an Bürgermeister Burger kam von einem Bürger, dass die K 6513 für alle Lastwagen gesperrt werden solle, dass nur noch über die Bundesstraße gefahren würde.

Beide Wortmeldungen wurden mit großem Beifall bedacht. Ein anderer Bürger appellierte an die Planer, dass diese Anlage am größtmöglichen Entstehungsort von Klärschlamm entstehen sollte, wie Waldshut oder Bad Säckingen, und nicht in der unberührten Natur, wo ein geringer Klärschlammanteil anfällt.

Ein Anderer bemerkte, aus dem Kamin käme durch die Beteiligung von Schwefelsäure dann Wasserdampf mit Geschmack. Als Gemeinderat von Stühlingen fürchtet Wolfgang Zengel, dass immer mehr Lebensqualität verloren ginge, da Grenzwerte nur subjektiv seien. Das Gelände sei eigentlich einmal für die Erweiterung der Abwasserbeseitigung bestimmt gewesen. Die Anlage sei in einem Gewerbegebiet besser untergebracht, sagte er.

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Artur Schuler zeigte sich überzeugt, dass es besser geeignete Orte dafür gäbe. Kathrin Kromer, deren Therapiepferde direkt hinter dem geplanten Anlage zu Hause sind, fürchtet, dass sie ihre Therapiestunden mit den Kindern nicht mehr in Ruhe durchführen kann.

Vor der Eingangstüre postierte sich nach der Veranstaltung noch eine Widerstandsgruppe unter der Führung von Angelina Wild, die mit Plakaten auf sich aufmerksam machte.