Der Breitbandausbau kommt eigentlich gut voran, doch nun steht der Stadtverwaltung Ärger ins Haus. Weil der vorgesehene Lieferant für Kabel-Leerrohre Wartezeiten bis zu zwölf Wochen hatte, entschied sich die Verwaltung für ein „vergleichbares Produkt“ eines anderen Herstellers. Das stellte sich nun als schadhaft heraus, wie Bürgermeister Joachim Bürger in der jüngsten Ratssitzung erläuterte. „Es wurden verdrehte Rohre geliefert, die Probleme beim Einblasen der Glasfaserkabel nach sich zogen“, sagte Burger. Nun werden rechtliche Schritte gegen den Lieferanten erwogen.

  • Die betroffene Trasse: Die Leitung zwischen Stühlingen, Weizen Grimmelshofen ist zwar in Betrieb, sei aber nur „ein Provisorium“, betont Burger. Diese Glasfasertrasse war Bestandteil von Baumaßnahmen im Jahr 2017. Um den damals wegen der verdrehten Rohren entstanden Schaden so rasch als möglich zu beseitigen, vergab der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Tiefbauarbeiten für den Trassenneubau an die Firma Vetter aus Hüfingen. Der Angebotspreis liegt bei 188.500 Euro und damit rund 20.000 Euro über dem Haushaltsansatz für das laufende Jahr.
  • Der Hintergrund: Im Bietergespräch wurde der Kommune 2017 mitgeteilt, dass der bisherige Lieferant für Standard- und Spezialrohrverbände eine Lieferfrist von mehr als drei Monaten habe. Als Alternative wurde Material eines anderen Herstellers vorgeschlagen. Aufgrund der Begutachtung von Musterstücken war auch Alexander Nauroth, als Vertreter des Landkreis-Backbone, von der Gleichwertigkeit des Materials mit dem des bisherigen Lieferanten überzeugt, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Die Rohrverbände wurden im Sommer 2017 verlegt und nach dem Kalibrieren die Leistung abgenommen. Beim Einblasen der Glasfaserkabel im August 2018 wurde allerdings festgestellt, dass sich die Kabel nicht einziehen ließen. Der Hersteller bestritt zunächst den Mangel und ließ durch eine von ihm beauftrage Firma einen Einblasversuch durchführen. Dabei wurden für die 2,5 Kilometer zehn Nachziehgruben benötigt. Nach Aussage der Stadtverwaltung seien allerdings Einblaslängen von etwa einem Kilometer möglich. Ein Gutachter schloss aus, dass die Verlegung der Rohre fehlerhaft ausgeführt wurde.
  • Der derzeitige Zustand: Das eingezogene Kabel versorgt Weizen, Schwaningen, Wangen und die Obere Alp. Zudem dient es als Backbone-Verbindung für die Versorgung von Bonndorf. Diese Versorgung könne derzeit nur provisorischen Charakter haben, erklärte Burger. Im Sinne einer zuverlässigen Versorgung soll nun ein separates Backbone-Kabel des Landkreises verlegt werden. Dies sei nur durch den kompletten Neubau der Trasse möglich. Burger stuft die Bedeutung dieser Leitung für die Versorgungssicherheit als sehr hoch ein. Es müsse zudem gewährleistet sein, dass zukünftig eine Modernisierung der Trasse möglich ist.
  • Die weiteren Schritte: Die Stadt Stühlingen zog in der Zwischenzeit ein Anwaltsbüro hinzu. Der Bürgermeister erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass ein Vertreter des Anwaltsbüros am Donnerstag, 4. Juni, dem Gemeinderat die rechtliche Lage in nichtöffentlicher Sitzung darlegen werde. Das Gremium werde danach entscheiden, ob rechtliche Schritte eingeleitet oder ein Vergleich angestrebt wird. „Klar ist, dass die Tiefbauarbeiten nicht entschädigt werden. Es geht nur um den Mangel bei den Leerrohren„, betont Burger. Der Verwaltungschef machte in der öffentlichen Sitzung auch deutlich, dass laut Auskunft der Rechtsanwälte ein Termin beim zuständigen Oberlandesgericht erst in fünf bis sechs Jahren zu bekommen sei. Ob eine Klage Aussicht auf Erfolg habe, sei dabei offen.

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