Als Sohn und Enkel von Stühlinger Kirchenmalern, die sich noch Morath mit „h“ geschrieben hatten, hatte sich der Landschaftsmaler Johann Martin Morat (1805 bis 1867) auf Ortsansichten des 19. Jahrhunderts spezialisiert. Lithografien und Veduten entstanden durch seine lebenslange Arbeit und waren sehr beliebt im Adel und aufstrebendem Bürgertum, bevor sich die Fotografie durchsetzte, die ersten Fotoateliers entstanden ab 1840.

Der Künstler steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, sowie eines Vortrages und einer Themenwanderung des Schwarzwaldvereins Stühlingen.

Realistische Landschaftsdarstellung

Das Augustinermuseum erläutert im Vorwort zur Ausstellung über Johann Martin Morat 2019 den gestiegenen Bedarf an realistischen Orts- und Landschaftsdarstellungen ab den 1820er Jahren:

„Morat war ein Meister dieser Gattung. Um die 90 Ortschaften, darunter auch Burgen, Klöster und Höfe, hat der „Merian Südbadens“ gezeichnet und koloriert. In romantischer Kulisse kommen seine sachlich naiven Gebäude besonders zur Geltung. Strahlendes Licht, das die Architektur gestochen scharf hervortreten lässt, und ein immer blauer Himmel prägen Morats Arbeiten und verleihen ihnen eine mediterrane Atmosphäre.“

Verheiratet war Morat mit Apollonia Stadler, Tochter des Stühlinger Kronenwirts, welche Sohn Zeno Stadler mit in die Ehe gebracht hatte. Die gemeinsame Tochter war Creszentia Morat, nach dem Tod der ersten Frau heiratete er im gleichen Jahr Katharina Hug aus Schwerzen.

Den vielen mühsamen Reisen mit der Postkutsche, um die vielen Orte für seine Arbeit aufzusuchen, zollte Morat mit einer Erkrankung und dem Tod seinen Tribut im Alter von 61 Jahren.

Die vom Stühlinger Heimatkundler Gustav Häusler (1894-1964) initiierte Einzelausstellung zu Morat fand 1939 in Stühlingen statt, davor waren seine Bilder 1910 in Karlsruhe und 1918 in Mannheim zu sehen.

Das Augustinermuseum Freiburg zeigte Werke Morats 1940 und 2019, außerdem gab es 1980 eine Präsentation in Müllheim. Wer im vergangenen Jahr also nicht in Freiburg die Gelegenheit nutzen konnte, kann sich nun gleich dreifach auf die Werke des Stühlingers freuen. Diese werden vom 1. sis 18. Oktober in der Schüer am Stadtgraben in der Eberfingerstraße 3 in Stühlingen ausgestellt als eines der drei Schwerpunkte neben der Wunderkammer Schwarzwald und der Sammlung von Schwarzwaldbildern von Wolfgang Rink.

Die erste von zwei Ausstellungswanderungen am 4. Oktober um zehn Uhr mit Willi Bächtold geht „Rund um Schleitheim auf den Spuren des Malers Johann Martin Morat.“

Außerdem erläutert der promovierte Historiker Andreas Mahler Details zur Stadt- und Kulturlandentwicklung Stühlingens auf den Ansichten des Johann Martin Morat sowohl am 7. Oktober als auch am 14. Oktober jeweils um 19 Uhr. Eine verbindliche Anmeldung für die Vorträge ist möglich unter Telefon 07744/56 29.

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