Sein ganzes Leben hat Edwin Kress (80) weitestgehend unauffällig auf seinem Hof in der Stühlinger Schlossbergsiedlung verbracht. Seine Eltern aus dem Raum Kehl erwarben das Anwesen Ende der 30er Jahre, als Edwin noch ein Kleinkind war. Da er zu der Zeit das einzige Kind seiner Altersklasse innerhalb der sechs Siedlungshöfe war, wuchs er ohne Spielkamerädle auf. Er besuchte auch nie den Kindergarten, denn damals hatten seine Eltern noch kein Auto. Kontakt zu Altersgenossen bekam er erst mit dem Eintritt ins Schulalter.

Edwin Kress
Edwin Kress | Bild: Edelgard Bernauer

Das war aber auch nicht ganz einfach, denn tagtäglich musste der kleine Edwin zu Fuß die vier Kilometer bis zur Stühlinger Volksschule und wieder zurück laufen. Später bekam er dann ein Fahrrad, da wurde es etwas leichter, war aber im Winter auch kein reines Vergnügen. „Aber ich kannte es nicht anders“, stellt Edwin Kress dazu lakonisch fest. Eigentlich hätte er gerne Mechaniker gelernt. Doch sein Vater bestimmte: „Du nimmsch de Hof,“ der ältere Bruder Robert war im Krieg gefallen.

Die Familiengründung

1968 heiratete er Ilse Hasenfuß aus Schwaningen. Die drei Kinder Werner, Karin und Margot wurden geboren. Die beiden Töchter sind in der Region verheiratet. Sohn Werner wohnt auf dem Hof, arbeitet in der Alu Wutöschingen und packt auf dem Hof mit an. Schulden wurden nie gemacht. Wenn Rechnungen zu bezahlen waren, wurde eines der Nutztiere verkauft.

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Das Besondere an diesem schönen alten Siedlungshof, der in den 30er Jahren von der Badischen Landessiedlung erbaut wurde, ist, dass die ursprüngliche Bausubstanz perfekt erhalten ist. Nichts wurde durch Um- oder Verschönerungsbauten verschlimmbessert. Eigentlich müsste der Hof unter Denkmalschutz gestellt werden.

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Trotz eines arbeitsreichen Lebens zählt Edwin Kress zu den Menschen, die rundum zufrieden sind und in sich selbst ruhen. Das einzige Vergnügen, das er sich gönnt, sind die wöchentlichen Kegelabende im Gasthaus „Adler“ in Schwerzen zusammen mit seinen Stühlinger Kumpels Herbert Büche, Werner Haid, Roland Kaufmann und einigen Wutöschinger Altersgenossen.

Lange Jahre fungierte der Kresshof als Telefonzentrale. Das entsprechende Hinweisschild befindet sich heute nach am Haus. Aber wie man sieht, ist man per TV auch mit der großen weiten Welt verbunden.
Lange Jahre fungierte der Kresshof als Telefonzentrale. Das entsprechende Hinweisschild befindet sich heute nach am Haus. Aber wie man sieht, ist man per TV auch mit der großen weiten Welt verbunden. | Bild: Edelgard Bernauer

Zwar war aus heutiger Sicht die Kindheit von Edwin Kress mehr als nur bescheiden, „aber genug zu essen hatten wir immer“, sagt er. Und er erinnert sich an die Franzosenzeit, als im Schloss Hohenlupfen französische Besatzer residierten, die sich des Öfteren ihre Verpflegung aus den umliegenden Bauernhöfen besorgten.

Edwin Kress vor seinem Bauernhof, der bis heute unverändert erhalten blieb.
Edwin Kress vor seinem Bauernhof, der bis heute unverändert erhalten blieb. | Bild: Edelgard Bernauer

So wollte ein Soldat einmal den Hahn fangen, der auf dem Kresshof seine Hühner bewachte. Mehrmals jagte der Soldat den flüchtenden Hahn in wilder Jagd ums Haus – vergeblich. Der Hahn war schneller. Da nahm der tapfere Krieger sein Gewehr und erschoss den armen Güggel. Ob der mit zahlreichen Kügelchen im Bauch geschmeckt hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls wurde der Hahn auf dem gegenüberliegenden Herzoghof dann gebraten.

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Ein anderes Mal sollte Edwin die Hofeinfahrt kehren. Kurzerhand band er den Besen hinten an sein Fahrrad und das Khren wurde zum Spaß. Kress erinnert sich noch vage, dass während des Krieges Leute auf den Hof kamen, um Lebensmittel zu hamstern und dass er nach dem Krieg ein einziges Mal im Rahmen der grenzübergreifenden Schülerspeisung in die Nachbargemeinde Schleitheim durfte. Er kam dort zu einer Familie, die selber nicht viel zu beißen hatte. In späteren Jahren suchte er sich als ungelernter Arbeiter eine Stelle. Die Firma Fleischwaren Adler in Bonndorf stellte ihn ein. Dort arbeitete er 26 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand.Noch immer trifft er sich einmal im Monat in Bonndorf mit den ehemaligen Kollegen zum Rentnertreff.

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