In ihrer neuen Ausstellung möchte die Stühlinger Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins im Oktober die Geschichte des Schneider-Handwerks in dem Hohenlupfen-Städtchen beleuchten. Ein ganz besonderer Vertreter dieser Zunft ist Bernhard Probst aus Schwaningen. Der 64-Jährige ist einer der wenigen Neopren-Schneider in Baden-Württemberg. In seiner Werkstatt repariert oder ändert er seit mehr als 14 Jahren Neoprenanzüge für Taucher und passt sie auf die verschiedensten Bedürfnisse an.

Service in der Region

Einen Tauchsportservice in einem kleinen Dorf zu betreiben, in dem weit und breit kein tauchbares Gewässer zu finden ist, klingt exotisch. „Meinen Beruf verbindet man natürlich mit viel Wasser, Meer oder zumindest einem See, aber tatsächlich brauche ich das in meiner Werkstatt nicht“, sagt Bernhard Probst und lacht. „Meine Kunden schicken mir die Anzüge in der Regel zu, ich ändere oder repariere sie und schicke sie zurück.“ Wenn die Zeit drängt oder etwas auf Maß angefertigt werden müsse, kämen die Kunden auch in die Werkstatt und nähmen dafür oft auch weite Anreisen in Kauf. Auch Peter Schröder, Referent Tauchen im DLRG Bezirk Hochrhein, ist froh über den Service in der Region: „Es ist hilfreich, so einen zuverlässigen Partner zu haben. Beim Tauchen geht auch mal was kaputt, die Manschetten altern und so ist alles in kürzester Zeit erledigt.“

Neopren-Schneider Bernhard Probst in seiner Werkstatt in Schwaningen.
Neopren-Schneider Bernhard Probst in seiner Werkstatt in Schwaningen. | Bild: privat

Für Taucher gibt es Nass-, Halbtrocken- und Trockenanzüge. Die Manschetten an Beinen, Armen und Hals sind aus Latex und Verschleißteile: sie werden spröde oder bekommen Risse. „Die werden dann ausgetauscht, man klebt sie mit Spezialkleber an den Anzug“, erläutert Bernhard Probst.

Auch für den kleinen Geldbeutel

Seine Kundschaft ist bunt gemischt. „Tauchen ist kein privilegierter Sport für Gutbetuchte, er ist auch mit kleinem Geldbeutel zu finanzieren“, sagt Bernhard Probst. Er ist selbst begeisterter Taucher und geht seinem Hobby im Schluchsee nach, wenn er die Zeit dazu hat. Der gebürtige Wellendinger ändert Neoprenanzüge, repariert defektes Material oder passt Tauchanzüge an unterschiedlichste Bedürfnisse an. Die wichtigsten Arbeitsgeräte in seiner Werkstatt sind neben zahlreichen Nähmaschinen auch qualitativ hochwertige Scheren und Nähnadeln. „In meinem Beruf wird sehr vieles noch von Hand genäht“, berichtet er.

Start als Damenschneider

Zu seinem heutigen Beruf ist Bernhard Probst, der Vater von drei erwachsenen Kindern ist, über Umwege gekommen. Im Rahmen einer Umschulung hat er 1984 den Beruf des Damenschneiders erlernt. „Damals galt mein Interesse der Mode, ich hatte keine Ahnung, was sich daraus einmal entwickeln würde“, erinnert er sich. Dann kam die Krise: Die Modebranche ging in den 80er Jahren wie er sagt den Bach hinunter. In Deutschland produzierte Kleidung wurde zu teuer, der Lauchringer Betrieb, in dem Bernhard Probst damals arbeitete, musste schließen.

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Auf der Job-Suche kam er zur Firma Scubapro, einem großen Hersteller von Taucherausrüstung in Bad Säckingen. Dort führte Bernhard Probst zehn Jahre lang die Reparaturabteilung. Vor 14 Jahren expandierte die Firma und Probsts Abteilung wechselte nach Nürnberg. „Mit der Firma mitzuziehen, war für uns keine Option, wir haben hier Haus und Kinder. Die einzige Option war die Selbstständigkeit. Mit 51 Jahren war das schon ein Sprung ins kalte Wasser“, erzählt der 64-Jährige.

Kunden aus Österreich

Doch der Mut von Familie Probst wurde belohnt. „In Schwaningen weiß niemand so richtig, was wir eigentlich machen; unsere Kunden kommen von überall her, zahlreich auch aus der Schweiz und aus Österreich“, erklärt der 64-Jährige. Schließlich ist Probst einer von wenigen seiner Zunft. In der Nähe von Basel gibt es einen weiteren Anbieter, früher gab es zudem einen in Bad Säckingen. „Das Berufsbild Neoprenschneider gibt es so nicht“, erklärt die Handwerkskammer Konstanz auf Nachfrage. Daher wird auch keine Statistik über die Zahl der Neoprenschneider geführt.

Auch Taucher mit Handicap gehören zu den Kunden von Tauchsportservice Probst. Diese Kunden nehmen oft beschwerliche und weite Anreisen für ihr Hobby in Kauf. „Unter Wasser ist alles leicht, auch für Menschen die es an Land schwer haben. Für fast jede Behinderung gibt es Möglichkeiten, Anzüge anzupassen oder ganz neue individuelle Lösungen zu finden“, erklärt der Fachmann.

Bernhard Probst misst einen Anzug für einen Rollstuhlfahrer aus. Für Menschen mit Handicap kann er die Neoprenanzüge abändern und an deren spezielle Bedürfnisse anpassen.
Bernhard Probst misst einen Anzug für einen Rollstuhlfahrer aus. Für Menschen mit Handicap kann er die Neoprenanzüge abändern und an deren spezielle Bedürfnisse anpassen. | Bild: privat

Ute Probst unterstützt ihren Mann tatkräftig und freut sich darüber, dass er seinen Beruf mit so viel Engagement ausübt. „Benny hat für jeden ein offenes Ohr, ob der Auftrag 20 oder 200 Euro einbringt, spielt dabei keine Rolle. Er ist stets mit vollem Einsatz und Leidenschaft bei der Arbeit und erst zufrieden, wenn für den Kunden alles passt. Das schätzen seine Kunden.“ Einer von ihnen habe dem Schwaninger sogar den Titel „Benny, der Neopren-Gott“ verliehen. „Eine schönere Bestätigung für meine Arbeit kann es nicht geben“, freut sich Bernhard Probst.