Die Kindheit Gudrun Litterinis, geborene Würth, war geprägt durch das Fehlen ihres Vaters Alfons Würth, der in den letzten Kriegstagen verschollen ist. Ein Verlust, der bis heute in ihr nachhallt. Ansonsten erlebte sie eine glückliche, wenn auch materiell eher arme Kindheit. Gudrun Würth, so ihr Mädchenname, ist in der Stühlinger Unterstadt aufgewachsen, direkt neben der Stadtkirche.

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Sie hatte noch zwei ältere Brüder, Herbert und Gerhard, die eigentlich auf die kleine Schwester ab und zu aufpassen sollten, „das taten die beiden auch“, erinnert sich Gudrun Litterini schmunzelnd, „indem sie mich in einen Baum setzten, so dass sie auf der darunter liegenden Wiese ungestört Fußball spielen konnten. Später dann musste ich den beiden nach jedem Fußballspiel die Kickschuhe putzen, das fand ich sehr ungerecht.“

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Im Kirchgarten gab es prächtige Kirschbäume, die inzwischen leider allesamt gefällt wurden. Verwerten ließen sich diese purpurroten säuerlich schmeckenden Früchte nicht, weder zu Schnaps noch zu Kirschkuchen oder Marmelade. „Aber wir Kinder schlugen sich damit die Bäuche voll. So manches Bauchgrimmen oder Durchfall dürften auf diese Früchte zurückzuführen gewesen sein.“

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Dieter Eiermann, ein Nachbarsjunge, besaß als einziges Kind damals schon ein Fahrrad. „Für 20 Pfennige ließ er uns Spielkameraden ganz geschäftstüchtig von der Kirche bis zur Linde fahren.“

Bild aus Kindheitstagen in Stühlingen: Gudrun Litterinis Eltern Dora und Alfons Würth mit ihren Kindern Gerhard (links), Gudrun (Mitte) und Herbert.
Bild aus Kindheitstagen in Stühlingen: Gudrun Litterinis Eltern Dora und Alfons Würth mit ihren Kindern Gerhard (links), Gudrun (Mitte) und Herbert. | Bild: Repro Edelgard Bernauer

Vieles erfuhr Gudrun aus Erzählungen der Erwachsenen. So soll es ihr Vater zum Kriegsende bis nach Donaueschingen geschafft haben. Von dort ab verlor sich seine Spur vollständig. Dabei hätte der Vater Alfons Würth als damaliger Stühlinger Bürgermeister gar keinen Kriegsdienst leisten müssen. Der Vater zog freiwillig in den Krieg. Als eines Tages etwa 100 Kriegsheimkehrer durch Stühlingen zogen, stellte Gudrun sich voller Hoffnung ihren Vater zu entdecken, an die Straße. „Jeden einzelnen hab ich genau angeschaut“, erinnert sie sich. Ungute Erinnerungen verbinden sich mit den französischen Besatzern. Ihr Elternhaus wurde beschlagnahmt. Ihre Mutter musste mit den drei Kindern in die unbeheizte Mansarde ziehen.

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Deshalb zog sie mit Kind und Kegel zu ihrer Schwester nach Remschütz, bis die schwierigste Zeit vorbei war. Die Mutter stand mit den drei Kindern alleine und mittellos da. Franz Strittmatter, ein beliebter Stühlinger an den sich viele bis heute erinnern, sorgte dafür, dass ihre Mutter Dora eine Rente bekam.

Dora Würth erlernte bei Pia Eiermann, ihres Zeichens Hutmachermeisterin den Modistenberuf . Es lag nahe dass sie sich selbstständig machte, so dass die Familie einigermaßen ihr Auskommen hatte. Während der Lehrzeit und Meisterprüfung der Mutter wurden die Kinder bei Bekannten „ausgelagert.“ „Nur einmal hatten wir gar nichts Essbares im Haus.“ Unsere Mutter schickte uns Kinder in den Obstgarten hinter dem Haus zum Äpfel essen, so dass wir wenigstens etwas im Bauch hatten.“

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Gudruns beste Freundin war Hildegard Waldkircher. Mit ihr besuchte sie die Volksschule, die sich exakt zwischen Ober-und Unterstadt befand. Klassenlehrer waren Gustav Häusler bei dem wir sogar französisch lernen mussten mit so Sprüchlein wie „Le Boef der Ochs, la Vache die Kuh, ferme la Port heißt mach die Türe zu!“ Weitere Lehrer waren Robert Moos strammer Protestant im katholischen Stühlingen, Fridolin Hensler für den alle jungen Stühlinger Mädchen schwärmten.

„Ich ging gern zur Schule!“ Der Name Würth ist bis heute in Stühlingen gut vertreten. Gudruns Familie gehört der sogenannten Feldhüter Linie, also dem bäuerlichen Zweig an. Ihr Großvater wurde von der Bevölkerung „Bodetoni“ genannt. Diese Bezeichnung ist aber eine Verballhornung. Sie entstand aus der Bezeichnung „Boten Toni“, denn der Großvater war nicht nur Landwirt sondern auch Briefträger.

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