Die Liebe zum Sujet und zu Details zeichnen das älteste erhaltene und sicher schönste Stühlinger Panoramabild aus, das sich in Privatbesitz befindet. Wer der Maler war, lässt sich nur vermuten. Vieles spricht für Johann Martin Morat, 1805 geboren. Aus dem Morat-Geschlecht gingen drei bis heute angesehene Malerkünstler hervor. Das Bildmotiv zeigt, wie es in und um Stühlingen vor etwa 200 Jahren ausgesehen hat. Die umgebenden Hänge sind noch nicht bewaldet.

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Die Straßenzüge haben sich bis heute kaum verändert. Das Bild ist eine wahre Fundgrube für alle, die heimatgeschichtlich interessiert sind. Rappenhalde, Brunnenwiese, Sommerhalde, Weilertal waren längst noch nicht erschlossen. Von der Wutachtalbahn keine Spur. Am Stadtweg, der Unterstadt und Oberstadt verbindet, standen gerade mal vier Häuser. Die Stadttore sind auf dem Gemälde noch erhalten. Während das obere Tor turmartig gebaut war, handelt es sich beim unteren Tor um einen einfachen, torbogenartigen Durchlass.

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Das Kapuzinerkloster zeigt sich in seiner ursprünglichen Form noch ohne die späteren Erweiterungsbauten. Die ganze unbebaute Innerorts-Gemarkung war in Bewirtschaftungs-Parzellen eingeteilt, oft in extrem steilen Hanglagen. Man sieht die Hallauerbrücke, heute Franz-Kehl-Brücke, die damals auf dicken Holzstempeln ruhte. Wo seit 1970 die Stadthalle steht, war die große Schlosswiese, die von den jeweiligen Schlossherren auf dem Hohenlupfen bewirtschaftet wurde. Bis heute erinnert daran eine Bewirtungsauflage, in der es heißt, dass nur Fürstenberg-Bier ausgeschenkt werden darf.

Details geben auch Rätsel auf

Hinter dem Rabbi-Haus steht ein kleines Gebäude, das die einstige Synagoge sein könnte. Manche Details geben in dem Gemälde auch Rätsel auf, beispielsweise ein eingezäunter Bereich seitlich unterhalb des Klosters. Stadtkirche und alte Mühle, das Balbach‘sche Haus und die Balbach‘schen Gärten sowie die ärmlichen Katen von Tagelöhnern entlang der Schindergasse sind abgebildet. Das Schlosshof-Gebäude zeigt sich ohne Fachwerk, der Häuserkomplex links unterhalb der Altstadt könnte die ehemalige Ölmühle sein. Und ganz markant ist linkerhand der Altstadt die Schreinerwerkstatt der alteingesessenen Familie Feederle abgebildet; das Anwesen ist bis heute baulich unverändert und steht derzeit zum Verkauf.

Viele der Häuser stehen sogar noch

Viele der abgebildeten Häuser stehen bis heute kaum verändert, so etwa die Häuserzeile zwischen Altstadt und Stadtweg, das Anwesen des ehemaligen Gutshofes, der zum ehemaligen Hotel Post gehörte (heute Haus Tröndle); außerdem das Haus Martin Schüele am unteren Stadtweg und das Haus Brigitte Würth an der Steig zum Galgenbuck. Zu welcher Jahreszeit das Bild gemalt wurde, ist schwierig einzuschätzen. Zwar sind die Felder abgeerntet, aber die Bäume sind noch grün.

Die Stühlinger Altstadt

Stühlingens erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1120. Im Jahr 1262 wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen. Besiedelt war die Gegend aber wohl schon im 6. Jahrhundert, wie Grabungsfunde belegen. Die befestigte Stadt wurde 1499 im Schweizer Krieg gebrandschatzt. Das untere Stadttor brannte 1828 nieder. Das Obere Stadttor musste 1846 dem immer stärkeren Verkehrsaufkommen weichen. Die Herren von Küssenberg, die Grafen von Lupfen, die Pappenheimer und die Fürsten von Fürstenberg hatten über den Ort von 1172 bis 1806 das Sagen. 2012 verkauften die Fürstenberger das Schloss Hohenlupfen an den Landwirt Martin Stamm aus CH-Schleitheim.