„Fit, dynamisch, engagiert und voll in Schwung – mit 50 isch ma jung“, sangen die Blumegger Landfrauen zur Eröffnung des Bezirkslandfrauentags in der Ehrenbachhalle. Damit besangen sie nicht nur ihr eigenes Jubiläum, sondern hielten den Besucherinnen der voll besetzen Halle den Spiegel vor, nämlich mit der Darstellung der ganzen Landfrauen-Vielfalt. Sie reicht demnach von Blumenbeetpflege, Nachbarschaftshilfe, Organisation von Großveranstaltungen, Sport- und Fortbildungskursen, Berufstätigkeit, Landfrauen-Kuchen-Bäckerei bis hin zu selbstbewussten Feuerwehrfrauen.

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Für den vergnüglichen Nachmittag, den die Frauen von der ersten bis zur letzten Minute in vollen Zügen genossen, war damit das perfekte Motto gesetzt. Die Bezirksvorsitzende Carola Morath konnte in ihrer Rückschau gut darauf aufbauen. „70 Jahre Weiterentwicklung, Frauenpolitik, Engagement, in denen die Landfrauen mit Lust und Ideenreichtum im ländlichen Raum mitgestalten und Verantwortung übernehmen – darauf sind wir stolz“, so Morath mit Verweis auf das Gründungsdatum des Südbadener Verbandes im Januar 1949. Stolze 19 000 Mitglieder seien in 20 Bezirken und 250 Ortsvereinen organisiert.

Voll besetzt war die Ehrenbachhalle in Weizen beim Bezirkslandfrauentag. Stühlingens Bürgermeister Joahim Burger war als Gastgeber einer der wenigen zugelassenen Männer. Neben ihm hatte die Referentin Monika Baur (links) Platz genommen und gegenüber (rechts) saß Bezirksvorsitzende Carola Morath.
Voll besetzt war die Ehrenbachhalle in Weizen beim Bezirkslandfrauentag. Stühlingens Bürgermeister Joahim Burger war als Gastgeber einer der wenigen zugelassenen Männer. Neben ihm hatte die Referentin Monika Baur (links) Platz genommen und gegenüber (rechts) saß Bezirksvorsitzende Carola Morath. | Bild: Deinzer, Gudrun

Das verleiht den Landfrauen politisches Gewicht, was die Bezirksvorsitzende Carola Morath eindrücklich belegte mit der Altersabsicherung von Müttern. Diese sei nicht zuletzt aufgrund von Landfrauenprotesten nachgebessert worden, weshalb ab diesem Jahr Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren wurden, zusätzlich einen halben Rentenpunkt (derzeit 16,02 Euro monatlich) mehr bekämen. Das sei zwar schön. Dennoch gäbe man sich damit nicht zufrieden. „Wir fordern aber weiterhin drei Rentenpunkte pro Kind, dann wären alle Mütter geichgestellt.“

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In ihrer Ansprache erinnerte sie an Sonderveranstaltungen zum 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts und stimmte nachdenklich mit doch sehr zögerlich gewährter Gleichberechtigung: „Bis 1977 hatten Frauen kein Recht auf Erwerbstätigkeit und persönlichen Besitz. Sie durften bis 1962 kein eigenes Bankkonto eröffnen und waren – so verheiratet – bis 1969 nicht geschäftsfähig“, schilderte Morath und viele der Anwesenden erinnerten sich auch an die Zeiten.

Roswitha Böhler (rechts) ist seit 25 Jahren ununterbrochen im Vorstand der Landfrauen Obermettingen tätig, seit 22 Jahren als Vorsitzende oder Vize-Vorsitzende. Dafür wurde sie von der Bezirksvorsitzenden Carola Morath (links) und deren Stellvertreterin Susanne Schmidt-Barfod geehrt.
Roswitha Böhler (rechts) ist seit 25 Jahren ununterbrochen im Vorstand der Landfrauen Obermettingen tätig, seit 22 Jahren als Vorsitzende oder Vize-Vorsitzende. Dafür wurde sie von der Bezirksvorsitzenden Carola Morath (links) und deren Stellvertreterin Susanne Schmidt-Barfod geehrt. | Bild: Deinzer, Gudrun

„Ohne Landfrauen ist kein Land zu machen“, zitierte Carola Morath genüsslich die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die das beim Deutschen Landfrauentag gesagt habe und übergab das Mikofon an einen der wenigen Männer im Saal, Bürgermeister Joachim Burger als Gastgeber. 70 Jahre Landfrauen stünde für eine Erfolgsgeschichte. Sie gestalteten das Leben auf dem Land aktiv mit bildeten mit ihrer bewährten Mischung aus Jung und Alt die Basis einer gelebten Gemeinschaft, lobte Joachim Burger.

Landfrauen passen sich an

Die Ansprüche der Frauen hätten sich in den Jahren geändert und die Landfrauen seien gut anpassungsfähig gewesen, nach dem Motto: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Landfrauen machten mit ihrem vielfältigen Engagement das Leben auf dem Land lebens- und liebenswert. Viele Aufgaben, die sie selbstlos für die Gemeinschaft übernehmen, wären für die Gemeinden kaum finanzierbar, wenn sie an Dienstleister vergeben werden müssten. Menschlichkeit, Fürsorge, Gastfreundschaft seien ihre Spezialitäten. „Als Sprachrohr für Familie und Frauen sagen sie uns die Meinung“, so Burger und das sei gut so. Eine Mahnung hatte Burger allerdings im Gepäck: „Sie sind aktiv, engagiert, herzlich und vielseitig, aber vergessen Sie sich selbst nicht und gehen sie gut mit den eigenen Kräften um.“

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Das taten die Frauen mindestens an diesem Nachmittag mit Wonne: Ein stattliches Kuchenbuffet war von den örtlichen Landfrauen dargeboten. Und bevor eine Vielzahl von engagierten Vorstandsfrauen geehrt wurden, genossen die Frauen einen munteren Mitmach-Vortrag der geladenen Referentin Monika Baur unter dem Titel „Dem Gedächtnis auf der Spur“. In einer guten Stunde lernten die Frauen, warum sie wann was vergessen, was dagegen hilft und nicht zuletzt wie man sich gut selbst loben kann und so Energie zurückgewinnt.