Alban Schuele (75) ist im Gasthaus „Krone“ in Stühlingen aufgewachsen. Die dortige Gaststube war das Wohnzimmer. Er war früh dafür zuständig, dass immer ausreichend Getränke hinter dem Tresen waren und in der dazugehörenden kleinen Landwirtschaft hieß es kräftig anzupacken. „Ziemlich bald bemerkte ich, dass aus mir nie ein Bauer werden würde“, schmunzelt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Also wanderte Schuele 1963, noch nicht volljährig, mit einem Immigranten-Visa in die USA aus.

Als gelernter Bankkaufmann gelangte er auf der Karriereleiter in relativ kurzer Zeit nach oben. Obwohl er den geforderten Eignungstest nicht bestand, weil sein Englisch noch ungenügend und das amerikanische Bankensystem völlig anders war, erkannte die Personalabteilung einer lokalen Bank in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona sein Potenzial und stellte ihn ein.

Zuerst durfte er nur in einer kleinen Abteilung (Geldzählgruppe) manuell Geldscheine zählen. Nach ein paar Monaten wurde er als Abteilungsleiter in die Zweigstelle der Bank versetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Alban Schuele erinnert sich gerne an die Zeit damals zurück: „Deren Filialleiter riet mir zu einem Volkswirtschaftsstudium und bot mir sogar einen günstig gelegenen Arbeitsplatz an, an dem ich so viele Stunden arbeiten konnte, wie mein Studium das zuließ.

Ich schloss mein Volkswirtschaftsstudium an der Thunderbird School of Global Management mit dem Bachelor of Science Economics ab. Kurz zuvor heiratete ich meine große Liebe Pinky. Mit ihr bin ich inzwischen 51 Jahre verheiratet. Meine Frau Pinky lernte in elf Monaten am Hamburger Goetheinstitut besser deutsch als ich mit meinem Schwarzwälder Dialekt. Ohne Pinky hätte ich meinen Aufstieg wohl nicht geschafft.“

Das könnte Sie auch interessieren

1970 wurde er in die Zentrale nach New York geholt, wo er nach Stationen in Mailand, Hamburg und Frankfurt ein großes Resort für Tochtergesellschaften zentraleuropäischer Großfirmen übernahm. 1980 wechselte er in die Industrie zu American Hoechst Corporation.

Schuele wurde Präsident der Hoechst Celanese Corporation Canada Inc. in New Jersey. Später wurde er Präsident der Celanese Canada Inc. in Montreal. „Die vier Jahre dort von 1991 bis 1995 waren für mich und meine Familie mehr als cool.“

1996 zog die Familie nach Frankfurt. „Dort fiel die Entscheidung, die Life Science Bereiche mit einer französischen Firma zu vereinen, was mir die günstige Gelegenheit gab, mein hektisches aber äußerst interessantes Berufsleben aufzugeben.“

„Gefühlt ist der amerikanische Westen meine Heimat“

Seit 1963 lebt der gebürtige Stühlinger Alban Schuele in den Vereinigten Staaten. Im Interview berichtet der 75-Jährige über seine Kindheit in der Hohenlufenstadt und darüber, wie er seine „alte Heimat“ heute sieht.

Herr Schuele, was kommt Ihnen in den Sinn wenn sie an ihre Kindheits- und Jugendzeit denken?

„Meine Kindheit würde ich als glücklich bezeichnen. Prägend war für mich die Zeit bei der Stadtmusik. Es entstanden Freundschaften, die zum Teil bis heute bestehen. Die engsten Kumpels waren Klaus Amann, Gerd Steinweg, Eckehard Willin, Rainer Krügle, Herbert Schultheiss, Volkmar Schwengle und Konrad „Fideli“ Würth. Zu Klaus Amann und Gerd Steinweg bestehen bis heute enge Kontakte. Via Internet informiere ich mich ab und an über die Geschicke meiner Geburtsstadt.“

Was fiel Ihnen beim letzten Besuch in Stühlingen auf?

„Mir fiel auf, dass Stühlingen immer noch ein schönes Städtchen ist. Mit allerdings immer mehr Verkehr und ungeduldigen Autofahrern in der Hauptstraße. Ein oder zwei Restaurants waren entweder nicht mehr da oder änderten ihre Inhaber. Trotzdem – Dorf und Städtchen präsentieren sich sehr einladend.“

Gibt es außer familiären auch noch weitere Kontakte zur alten Heimat?

„Ja, besonders zu Klaus Amann und Gerd Steinweg. Gerd war übrigens unser erster Besucher nach unserer Heirat 1969. Vor Jahren konnte ich außerdem Maria Nußberger, einer Studentin aus Stühlingen behilflich sein. Ich verschaffte ihr Kontakte für ihre Bachelor- Arbeit. Daraus entstand eine nette Freundschaft mit der Familie Nußberger. Ich hab auch noch ab und zu Kontakte zu Mitschülern aus meiner Schleitheimer Realschulzeit. Gefühlt würde ich aber den amerikanischen Westen, insbesondere Arizona, als meine Heimat bezeichnen.“