Zwei Mal ist das 1610 erbaute Stühlinger Rathaus abgebrannt. Dem ersten Brand 1850 fielen wertvolle Dokumente zum Opfer, die aus dem Schweizer Krieg 1499 gerettet werden konnten. Im November 1904 brach wiederum ein Brand aus.

Wasserleitungen waren noch nicht vorhanden. Das Feuer mussten die Schleitheimer und Stühlinger Feuerwehren mit Wasser aus den drei Stadtbrunnen bekämpfen. Auch das Glöcklein wurde ein Raub der Flammen.

Feuerwehrleute schlagen anderen Standort vor

Nur wenige wissen, dass dieses Glöcklein und die Turmuhr des im Jahre 1846 abgebrochenen Oberen Stadttores einst das Stühlinger Rathaus schmückten. Das Glöcklein trug die Jahreszahl 1524 sowie die Namen des Grafen Sigismund von Lupfen und dessen Gemahlin.

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Der Standort des Rathauses sorgte immer wieder für Diskussionen. Noch während der Löscharbeiten des zweiten Brandes sollen Feuerwehrleute um den Standort des neuen Rathauses gestritten haben, berichtet Gustav Häusler in seiner Stadtchronik.

Das Stühlinger Rathaus vor dem Brand 1905. Das Bild stammt aus Gustav Häuslers Stadtchronik zu Stühlingen.
Das Stühlinger Rathaus vor dem Brand 1905. Das Bild stammt aus Gustav Häuslers Stadtchronik zu Stühlingen. | Bild: Edelgard Bernauer

Die Dörfler waren offenbar der Meinung, dass das Rathaus einen zentraleren Standort verdiene. Sie zogen den Kürzeren – der Neubau wurde wieder am alten Standort inmitten der Altstadt für 45.000 Mark errichtet.

Dies sollte auch zukünftig so bleiben. Längst hat die Stadt das angrenzende Anwesen Hug erworben, um eine spätere Rathauserweiterung sicherzustellen.

Architektonisches Aushängeschild der Stadt

Rein optisch hebt sich das Rathaus vom Umfeld deutlich ab. Zahlreiche Schmucktürmchen und ein mit bunt glänzenden Ziegeln geschmückter Glockenturm. Treppengiebel, ein Erker, hinter dem sich das Chefzimmer des Bürgermeisters befindet, eine große Wanduhr und den Haupteingang, dessen Türbogen das Stühlinger Männle schmückt prägen das architektonische Aushängeschild der Stadt.

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Das erste Rathaus war ein Allzweckgebäude. Im Erdgeschoss war so etwas ähnliches wie eine kleine Markthalle untergebracht. Rats- und Gerichtsstuben befanden sich im ersten Stock. Dort befand sich auch die Wohnung des Stadtknechtes und das „Bürgerstübli mit eisenbeschlagener Tür, wo renitente Bürger zu einer „friedlichen und geordneten Gesinnung gebracht wurden.“ Während der französischen Besatzungszeit war das Rathaus zu großen Teilen von den französischen Besatzern beschlagnahmt.

In der Stadtchronik Gustav Häuslers steht unter anderem: „Als die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr stieg, und die Verwaltungsarbeiten immer umfangreicher wurden, ließ die Gemeinde einen inneren Umbau vornehmen. Die Aufteilung der Büros auf zwei Stockwerken (heute drei Etagen) wirken sich nachteilig auf die Abwicklung des Geschäftsbetriebes aus, Es besteht daher der Plan, diesem Übelstand in absehbarer Ziel trotz der finanziellen Belastung der Gemeinde durch einen weiteren Umbau zu beseitigen.“ Dies schrieb Gustav Häusler 1966 und dabei ist es bis heute geblieben.