„Von 20 Spielern schafft einer den Sprung in den Profibereich“, sagte Thomas Stamm bei seinem Referat im Haus der Medizin in der Schweizer Klettgaugemeinde Neunkirch. Stamm ist seit 2015 beim SC Freiburg Cheftrainer für das U19-Team und hat den Sprung in den Profizirkus geschafft. Der Fußballspieler aus der Stühlinger Nachbargemeinde Schleitheim spielte in seiner Jugend- und Aktivzeit beim FC Schaffhausen, beim FC Winterthur und bei den Grasshoppers Zürich.

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Vor seiner Anstellung in Freiburg war er beim FC Schaffhausen, beim FC Winterthur und im Schweizer Nachwuchsbereich als Trainer tätig. Stamm erzählte vom Wiedersehen mit Manuel Akanji, der kürzlich mit seinem Verein Borussia Dortmund in Freiburg zu Gast war. Stamm trainierte den Schweizer Nationalspieler zwei Jahre lang in der Jugend des FC Winterthur. Der Trainer erklärte, dass mehr als 95 Prozent der Jugendspieler den Sprung in den Profifußball nicht schaffen und einen Plan B brauchen.

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Das Duale System der Freiburger Fußballschule zielt deshalb auf eine ganzheitliche Entwicklung der Sportler ab. „Wer am Morgen nicht zur Schule geht, trainiert am Abend auch nicht und wer mit der Schule aufhören will, muss entweder ein Freiwilliges Soziales Jahr machen oder einen anderen Verein suchen“, sagte Stamm. Die meisten seiner Spieler machen Abitur. In den vergangenen fünf Jahren machte nur einer Ausbildung: Im elterlichen Betrieb als Landschaftsgärtner.

Stamm machte eine Ausbildung zum Sportartikelverkäufer, bildete sich im Marketingbereich weiter und durchlief alle Stufen bis zum UEFA Trainer Pro Diplom. Der 36-Jährige bemerkte, dass in Deutschland den Profispielern die ersten Stufen der Trainerausbildung erspart bleiben. „Die Substanz ist dann aber zu wenig, wenn man in den Profibereich will und dort auch bleiben will“, sagte Stamm. In Freiburg habe er schnell gemerkt, dass der Mensch beim Sportclub im Vordergrund steht.

Die relativ kleine Fußballschule mit 16 Internatsplätzen wurde 2001 auf Initiative des ehemaligen Profitrainers Volker Finke und des mittlerweile gestorbenen Clubpräsidenten Achim Stocker gegründet und hatte in Deutschland eine Vorreiterrolle. Aktuell spielt der SC Freiburg mit allen Jugendmannschaften in den höchsten Ligen, die U19 zusammen mit dem FC Bayern München, Hoffenheim und dem VfB Stuttgart in der Jugend Bundesligagruppe Südwest. Mit sechs DFB Jugend-Pokalsiegen ist Freiburg Rekordhalter.

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Stamm sagte, dass in Freiburg im Vergleich zu anderen Vereinen im Jugendbereich nur ein Taschengeld bezahlt wird und dass Bayern München und RB Leipzig den Juniorenspieler Löhne im fünfstelligen Bereich zahlen. Seine Spieler haben in der Woche fünfmal vormittags und zweimal nachmittags Schule, an vier Tagen Training und am Wochenende ein Spiel. Bis zur U15 kommen sie aus der Region, in der U16-Mannschaft sind

40 Prozent der Spieler von auswärts. „Ich rege mich extrem auf, wenn wir verlieren“, sagte Stamm. Es seien die extremen Enttäuschungen und Energieverluste, die einen im Fußball weiterbringen. „Jürgen Klopp ist mit Mainz dreimal nicht aufgestiegen und gehört heute zu den besten Trainern der Welt“, sagte Stamm, der immer wieder Christian Streich erwähnte, der früher beim SC Freiburg die A-Jugend trainierte und seit fast acht Jahren Cheftrainer der Bundesligamannschaft ist. Stamm wurde gefragt, wie er seine Zukunft sieht. „Ich habe bereits Angebote von deutschen und Schweizer Profivereinen bekommen, ich bereite mich für den Schritt vor, weiß aber nicht, wann er kommt“, sagte Stamm. Es war herauszuhören, dass er am liebsten Streichs Nachfolger werden würde.