Zum Guten Schluss bescherten quasi ganz Stühlingen und viele auswärtige Gäste Bürgermeisterin Isolde Schäfer nach 24-jähriger Amtszeit ein unvergessliches Abschiedsfest. So viele freundliche Worte muss die scheidende Bürgermeisterin wohl erst einmal verarbeiten. Und man sah sie auch mal Tränen wegdrücken. Der 54-Jährigen wurden viele gute Attribute zugesprochen wie beispielsweise "Vorbild für Frauen in der Kommunalpolitik" (Bürgermeister-Stellvertreterin Marianne Würth) oder "Sie agieren beherzt und mit klarer Kante" (Landrat Martin Kistler).

Zur Einstimmung auf den langen Abend sangen "Die wilden Sonnen" aus Bettmaringen drei fröhliche, auf Schäfer gemünzte Lieder. Für die Stadtmusik, verstärkt durch Musiker aus Schwaningen, war die musikalische Begleitung Ehrensache, genauso wie für die Band "G'ma los." Und für lockere Stimmung sorgte die urige Band "Most" (Musik ohne Strom). Mit dieser Formation hat Bonndorfs Bürgermeister Michael Scharf "echte Kerle" um sich geschart, welche die musikalischen Abschiedsgrüße im Namen aller Bürgermeister-Kollegen an Isolde Schäfer übermittelten.

Aus dem Schwäbischen war – wie einst im Wahlkampf vor 24 Jahren – die "Spätzle-Connection" angereist, darunter Schäfers Eltern Walter und Erna Schäfer, Bruder Thomas, Schäfers Ziehvater und Mentor, Vaihingens Alt-Bürgermeister Heinz Kälberer sowie die früheren Wegbegleiter Friedrich und Marianne Wahl. Erna Schäfer sagte unserer Zeitung: "Ich bin so stolz auf Isolde. Aufgewachsen als drittes Kind unter drei Brüdern musste sie schon früh die Ellbogen ausfahren – eine verwöhnte Prinzessin war meine Isolde nie!"

Sie ist eine Kämpfer-Natur und meistert sogar das Alphorn: Isolde Schäfer im Kreise der Band "Most" (Musik ohne Strom"). Bild: Peter Rosa
Sie ist eine Kämpfer-Natur und meistert sogar das Alphorn: Isolde Schäfer im Kreise der Band "Most" (Musik ohne Strom"). Bild: Peter Rosa

Aus den Nachbargemeinden waren alle Bürgermeister versammelt. Schon frühzeitig vor Ort waren Landrat Martin Kistler, Norbert Nothelfer (Regierungspräsident i.R.), Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und MdB Felix Schreiner, sowie Stühlingens neuer Bürgermeister Joachim Burger. Aus der Schweizer Nachbargemeinde Schleitheim war Gemeindepräsident Hansruedi Stamm anwesend.

Stühlingens scheidende Bürgermeisterin Isolde Schäfer mit ihrem Nachfolger Joachim Burger. Bild: Peter Rosa
Stühlingens scheidende Bürgermeisterin Isolde Schäfer mit ihrem Nachfolger Joachim Burger. Bild: Peter Rosa

Für die Stühlinger Seelsorger und die Klostergemeinschaft sprach Pfarrer Michael Klotz launige Worte und betonte an Schäfer gewandt: "Wenn Sie mal heiraten wollen, wir Pfarrer stehen bereit!" Unter den Gästen waren auch Rektor Felix Lehr, Rektor i.R. Ulrich Grieshaber, Peter Fischer (Geschäftsführer HBH Klinikum), Chefarzt Christian Saurer, Reinhard und Gerlinde Dengg vom Pflegeheim Brunnenwiese sowie Chefarzt Akram und Inge Habbaba von der Carossa-Klinik.

Da die meisten Redner sich an die vereinbarten fünf Minuten Redezeit hielten, ging der offizielle Teil relativ schnell in den 2. Teil des Abends über, in dem die Stühlinger Szene zu Wort kam. Gudrun Schirmer, Vorsitzende der Heimatbühne, sprach für die mehr als 100 Vereine. Sie nutzte die Gelegenheit, um Schäfers ewigen Nörglern und Kritikern die Leviten zu lesen. "Was ihr da von euch gegeben habt, war oft unter aller S...!" Im Zusammenhang mit der Wahl 2009, als Schäfer knapp an einer Niederlage vorbeischrammte, wurde mehrfach auch an ihre Steherqualität erinnert. Wolfgang Kaiser sprach vielen aus dem Herzen, als er sagte: "Für mich ist Isolde Schäfer der Beweis, dass es keine 24 Jahre dauern muss, um aus einer waschechten Schwäbin eine liebenswürdige Badnerin zu formen!"

Die rund 400 Gäste, die zu Isolde Schäfers Verabschiedung in die Stühlinger Stadthalle gekommen waren, ließen sich vom Spiel der scheidenden Bürgermeisterin auf einem Alphorn mitreißen. Links Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und Alt-Landrat Bernhard Wütz, ihnen gegenüber der frühere Regierungspräsiden Norbert Nothelfer. Bild: Peter Rosa
Die rund 400 Gäste, die zu Isolde Schäfers Verabschiedung in die Stühlinger Stadthalle gekommen waren, ließen sich vom Spiel der scheidenden Bürgermeisterin auf einem Alphorn mitreißen. Links Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter und Alt-Landrat Bernhard Wütz, ihnen gegenüber der frühere Regierungspräsiden Norbert Nothelfer. Bild: Peter Rosa

Die Gemeinderäte überreichten ein Freiluft-Feuerrohr mit eingeschnittenen Stühlinger Erinnerungen. Bauamtsleiter Frank Gatti und Barbara Kaiser überreichten namens der Stadtbediensteten nicht nur ein Erinnerungsalbum "24 Jahre Schwabenpower!", das von Kaiser, Brigitte Heer, Cornelia Wild und Nathalie Korhummel gestaltet worden ist, sondern auch zwei Zeppelinflüge über den Bodensee, über die sich Isolde Schäfer und ihr Partner Flemming Nielsen ebenfalls sehr freuten.

Die Stühlinger Gemeinderäte überreichten ihrer scheidenden Bürgermeisterin Isolde Schäfer bei ihrer Verabschiedung eine Feuerstehle, in die das Rathaus und die Ortsteile der Gemeinde graviert sind. Bild: Peter Rosa
Die Stühlinger Gemeinderäte überreichten ihrer scheidenden Bürgermeisterin Isolde Schäfer bei ihrer Verabschiedung eine Feuerstehle, in die das Rathaus und die Ortsteile der Gemeinde graviert sind. Bild: Peter Rosa

Zum Schluss intonierte die Stadtmusik Schäfers Wunschmelodie "Highland Cathedral". Natürlich durfte auch das Badner Lied nicht fehlen, das Isolde Schäfer voller Inbrunst und mit der der Hand auf dem Herzen mitsang. Schließlich waren alle Gäste zu Bratwurst und Chili con Carne eingeladen.

 

Stimmen zum Abschied

  • Landrat Martin Kistler
    „Isolde Schäfer hat vor 24 Jahren mit ihrer Wahl als erste Bürgermeisterin im Landkreis ein Zeichen gesetzt. Sie hat gezeigt, dass das Bürgermeisteramt auch für Frauen attraktiv ist. Bei vier Bewerbern und einer Wahlbeteiligung von 78 Prozent hat sie 1993 bereits im ersten Wahlgang mit über 70 % der Stimmen gewonnen. Als schwäbische Minderheit mussten sie sich behaupten und durchsetzen. Für den Bürgermeisterberuf hat Isolde Schäfer auch als Dozentin an der Verwaltungshochschule Kehl gute Werbung gemacht. Ihr Anliegen ist es gewesen, den Ausgleich unter den Ortsteilen zu finden – das war keine leichte Aufgabe, wenn Gemeinde- und Ortschaftsräte immer wieder die speziellen Interessen der einzelnen Stadtteile massiv vertraten. Trotz der beschränkten finanziellen Mittel hat Isolde Schäfer für Stühlingen viel erreicht.“ Und Kistler führte in Bezug auf auf Schäfers Arbeit im Kreistag weiter aus: „Es war nicht nur Ihr Charme – Sie hatten auch immer gute Argumente!“ Isolde Schäfer hinterlasse ein gut bestelltes Feld, das aber durchaus Optionen für eine Weiterentwicklung bietet. Dass Schäfer, die Stadt Stühlingen und viele ehrenamtliche Helfer mit dazu beitrugen, das 2015 aufgetretene Flüchtlingsproblem zu meistern und damit den Landkreis vorbildlich unterstützten, rechnet Kistler den Stühlingern hoch an.
  • Bürgermeister-Stellvertreterin Marianne Würth
    Bürgermeister-Stellvertreterin Marianne Würth, Moderatorin des Abends, erinnerte sich: „ Jung, unverheiratet, weiblich und schwäbisch erhielt Isolde Schäfer auf Anhieb 70,6 % der Stimmen. Vom ersten Tag an hat sie die Ärmel aufgekrempelt. Zehn Ortsteile und über 100 Vereine bedeuteten unzählige Termine. Mit sechs Gemeinderatsgremien arbeitete Isolde Schäfer zusammen, und 600 Ratssitzungen fanden in den 24 Jahren ihrer Amtszeit statt. Die Bilanz von Isolde Schäfer kann sich sehen lassen.“ Würth erinnerte u.a. an die Investitionen in die Wasserversorgung, den Bau der Realschule, und der Kita, den Kauf von fünf Löschfahrzeugen für die Feuerwehren sowie Bau- und Gewerbegebiets-Erschließungen.
  • Frank Gatti, Bauamtsleiter und Personalrats-Vorsitzender
    „Sie haben sich stets für alle Seiten konstruktiv eingesetzt. Ihre Fähigkeit zuzuhören, Ihre freundliche Art und positive Ausstrahlung waren verantwortlich für das gute Arbeitsklima.“
  • Isolde Schäfer
    „Aller Anfang ist schwer. Ich finde aber, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören, ist viel schwerer!“ Nachdem Schäfer unzähligen Wegbegleitern, Mitarbeitern, Ehrenamtlichen gedankt hatte, wandte sie sich profanen Zahlen zu. Die scheidende Rathaus-Chefin erinnerte an die Mittel in der Größenordnung von 21 Millionen Euro, welche die Stadt Stühlingen in den zurückliegenden 24 Jahren als Zuschüsse von Bund und Land zugewiesen bekommen hat. "Die 7,35 Millionen für das schnelle Internet sind da noch gar nicht mitgerechnet! Die Investitionen in einer Größenordnung von nahezu 66 Millionen Euro sind in den 24 Jahren meiner Amtszeit nur möglich gewesen, weil wir zusammenhielten und uns vorwärts gekämpft haben.“ Und zum Schluss erzählte sie, dass sie kurz nach ihrem Amtsantritt in Stühlingen ein einschneidendes Erlebnis mit einer Kuh hatte, die ihr nachts ins fahrende Auto gerannt war. „Diesen Angriff auf mein Leben, sowie weitere, allerdings nicht ganz so einschneidende Erlebnisse, habe ich einigermaßen heil überstanden, und dafür bin ich dankbar!“
(sbe)