Es heißt, ein Mensch sei erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt. Dieser Zeitpunkt ist bekanntlich erreicht, wenn alle, die jemand kannten, selbst auch gestorben sind. Es gibt aber auch eine Menge Menschen, die es schaffen, von Generation zu Generation in den Köpfen gegenwärtig zu sein. Es muss nicht gleich ein Galileo, Columbus oder Luther sein. Jedes Gemeinwesen ist stolz auf Personen in seinen Reihen, die man der Rubrik „Besondere Persönlichkeiten“ zuordnen kann, deren Namen und Taten in den Ortschroniken zu finden sind.

Auch in Stühlingen gab und gibt es zahlreiche dieser Personen, die bis heute in den Köpfen verankert sind. Nicht immer ist verbürgt, ob eine lokale Berühmtheit tatsächlich gelebt hat oder eher dem Segment Sagen zuzuschreiben sind. Beispielsweise das „Ruckwiebli", der „Schinderhannes“ oder jene raffgierige Landgräfin die ihre Untertanen Schneckenhäuschen sammeln ließ. Diese „Lütschinderei“ soll unter anderem zum Beginn der Bauernkriege beigetragen haben. Wirklich unter unseren Vorfahren gelebt haben das Malergeschlecht Morat, Hans Martin Grüninger, Landgerichtsrat und Heimatpoet, Weihbischof Wilhelm Burger, Gerold Haimb, Fürstabt zu Muri, die Maler Franz Heinrich Gref, Basilius Meggle und Egid Feederle als Landschafts- und Porträtmaler bekannt. Sie alle leben in der Stühlinger Ortschronik weiter.

Und wer weiß, welche Personen aus dem vorigen und jetzigen Jahrhundert auch noch den Weg in die Ortschronik finden werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind Namen wie Franz Kehl (Unternehmer), Elmar Zimmermann (Maler), Adolf Amann (Komponist) oder Erika Scheuch dabei. Ihr haben die Stühlinger die Schür am Stadtgraben zu verdanken. Hermann Preuß gründete die Hans-Carossa-Klinik. Elmar Zimmermanns wunderschöne Bilder werden noch im Umlauf sein, wenn die jetzigen Generationen schon längst unter der Erde ist.

Franz Kehl
Franz Kehl | Bild: Edelgard Bernauer
Hermann Preuß
Hermann Preuß | Bild: Edelgard Bernauer

Dasselbe gilt für Kompositionen, die aus Adolf Amanns Feder stammen, und bestimmt steht auch die Schür am Stadtgraben noch vielen Folgegenerationen zur Verfügung. Ohne Erika Scheuch hätte es die Schür nie gegeben. Von ähnlichem Kaliber ist Thekla Korhummel in Mauchen, die mit dem Projekt „Jung & Alt“ auch Ungewöhnliches auf die Beine gestellt hat. Keinesfalls ins Vergessen gerät auch Franz Kehl. Ohne ihn gäbe es keine neue Hallauer Brücke, jetzt Franz Kehl Brücke, keine Leichtathletikanlage, kein Pärkle und keine St. Martinsfigur. Ganz zu schweigen von unzähligen Spenden an Stühlinger Vereine.

Erika Scheuch
Erika Scheuch | Bild: Edelgard Bernauer
Thekla Korhummel
Thekla Korhummel | Bild: Edelgard Bernauer

Alle diese Stühlinger haben Bleibendes hinterlassen. Sie werden nicht in die Weltgeschichte, aber in die Lokalgeschichte eingehen. Dann gibt es auch jene Ehrenbürger, Bürger und die stillen Helden, die im Verborgenen wirken. Spontan fällt einem Elisabeth Schwörer ein, die während und nach dem Krieg als Hausärztin wirkte unter Umständen, die sich heute kaum jemand mehr vorstellen kann. Jeder kennt weitere Personen, die im positiven Sinne Spuren ihres Wirkens hinterlassen.