Völlig in Vergessenheit geraten ist, dass es für die Stühlinger Altstadthäuser einen Farbplan gibt. Bereits 1977 hat die Stadt ihn in Auftrag gegeben. Fritz Schächtelin vom Geschichtsverein Hochrhein aus Waldshut-Tiengen hat den Plan erarbeitet. „Diesen Farbplan gibt es, er ist aber nie in Kraft getreten“, berichtet Bürgermeister Joachim Burger.

Seither erhielten etliche Altstadthäuser ein neues Erscheinungsbild, das von zartem Hellblau, Hellgrün, Rosé und Anthrazit bis hin zu grellem Gelb reicht. Das heißt, jeder Altstadt-Hausbesitzer kann sein Eigentum so gestalten, wie es ihm gefällt. „Wenn die Altstadtsanierung spruchreif wird, werden wir bestimmt nicht auf den 40 Jahre alten Farbplan zurückgreifen. Bei der Neufassung wird sicher auch das Denkmalamt mitreden“, sagte Bürgermeister Joachim Burger auf Anfrage.

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In der Altstadt sind allerdings trotz Denkmalschutz einige Abweichungen zu beobachten. Da wurden Erker entfernt und gotische Fenster durch moderne Varianten ersetzt. In der südöstlichen Ecke entstand durch einen Abriss eine Lücke, ein kleiner, an die Hauswand angebauter halbrunder Brunnentrog wurde entfernt; Balkone wurden in Stahlkonstruktion gebaut, runde Türbogen durch eckige Laibungen ersetzt, Toreinfahrten und Schlagläden entfernt. Etliche Scheunentore zeigen sich längst in moderner Garagenoptik.

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Die Gärten hinter den Häusern sind weitgehend verschwunden. Beispiele für behutsam renovierte Häuser sind jedoch das ehemalige Anwesen Fritz Schölderle, das ehemalige Haus Feederle und auch das Rathaus.

Es gab aber auch Sachzwänge, denen das ursprüngliche Altstadtbild geopfert wurde. Deshalb sind beispielsweise die beiden Stadttore verschwunden. Hingucker sind hingegen der Schürgarten und die Schür am Stadtgraben, die Nothelferkapelle, das ehemalige Haus Betemann und die kleine Stadtscheuer.

Als positiv kann vermerkt werden, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die drei schönen alten Stadtbrunnen von der Wasserversorgung abzuhängen, wie das bei zahlreichen anderen Stühlinger Brunnen längst der Fall war.