Herr Pieper, hatten Sie zur Gründung der Schwimmfreunde eine Vorstellung, was im Laufe der Jahre alles auf die Ehrenamtlichen zukommen würde?

Ausgangslage war ja die drohende Schließung des Bads. Damals wusste keiner von uns, was auf uns zukommt. Nach der Vereinsgründung erstellten wir ein Konzept, das der Stadt ermöglichte, den jährlichen Zuschuss zum Schwimmbad um die Hälfte zu reduzieren. Unser Ziel war die langfristige Erhaltung und Attraktivitätssteigerung des Bades. Es ist nicht schwierig, ein Konzept zu erstellen, schwierig ist, dieses Konzept umzusetzen.

Was war aus Ihrer Sicht entscheidend, dass die Schwimmbadsanierung zum Erfolgsmodell geworden ist?

Als Erstes fällt mir ein, dass wir von Beginn an das Glück hatten, die richtigen Leute am richtigen Platz zu haben. Es brauchte jemand, der sich mit der Schwimmbadtechnik auskennt und Kontakte zu den verschiedensten Firmen hat. Es brauchte Personen, die sich um den laufenden Betrieb kümmern, und es brauchte Leute, die sich gerne mit dem Thema DLRG auseinandersetzen. Und es brauchte Menschen, die für die verschiedensten Aufgabenbereiche „brennen.“ Wenn dann noch die Unterstützung aus der Bevölkerung und der beteiligten Firmen spürbar wird, dann bleibt die Motivation und Einsatzbereitschaft hoch.

Gab es auch mal Durchhänger? Wollten Sie auch schon mal hinschmeißen?

Um diese Frage gerecht zu beantworten, muss man wissen, wie unser Verein funktioniert: Wir sind ein rein arbeitender Verein, das heißt, alles was wir tun, ist das Schwimmbad langfristig für die Bevölkerung zu erhalten. Wir machen keine Ausflüge, keine Weihnachtsfeiern oder ähnlich gelagerte Sachen. Jede Sekunde, die wir im Einsatz sind, kommt der Allgemeinheit zugute. Unser Zusammengehörigkeitsgefühl ist nur spürbar bei Arbeitseinsätzen – und da ist ein langer Atem gefragt. Wir haben in den 13 Jahren über 45 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden hinter uns. Es gab sicher den einen oder anderen Durchhänger, aber hinschmeißen wollte keiner.

Was war die schwierigste Sanierungsetappe?

Beide Etappen waren schwierig. Die erste Etappe, die Folienverkleidung des Beckens, war schwierig, weil uns die ausführende Firma zu Beginn der Arbeiten über Nacht im Stich gelassen hatte und wir uns schnellstmöglich um eine neue Firma bemühen mussten. Wir konnten deshalb in jenem Jahr erst gegen Mitte Juni die Badesaison eröffnen. Die zweite Etappe war sehr schwierig, weil wir das gesamte Rohrsystem umstellen mussten. Wir wussten manchmal nicht, ob alles gut geht. Ab und zu sind wir schon an unsere Grenzen gestoßen. Schlussendlich hat aber alles ausgezeichnet geklappt.

Von Fachleuten war die Sanierung auf zwei Millionen Euro veranschlagt. Was ist aus dieser Prophezeiung geworden?

Dank der bereits erwähnten ungeheuren Einsatz aller Beteiligten, Firmen und Bevölkerung ist uns gelungen, dass wir nur etwa 25 Prozent der veranschlagten Kosten benötigt haben.

Was machen Sie und Ihre Mitstreiter nach der Sanierung?

Es wird immer wieder die eine oder andere Attraktivitätssteigerung geben. Aber größere Umbauten sind ab jetzt kein Thema mehr, da die Anlage technisch und optisch auf dem neuesten Stand ist.

Fragen: Edelgard Bernauer

Sanierung und Person

  • Sanierung: Die reinen Investitionskosten belaufen sich auf 360 000 Euro, die Materialkosten betragen 145 000 Euro. In der Sanierung stecken 45 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden.
  • Person: Frank Pieper ist Prokurist bei der Volksbank Hochrhein. Er ist verheiratet mit Corinna Pieper, geborene Groß, die sich auch sehr stark in Stühlingen engagiert. Das Paar hat zwei Söhne.