Der 29-jährige Felix Laumann aus Stühlingen ist Firmengründer in London und Indien. Im Gespräch mit dieser Zeitung stellt er die Firma Neuralspace vor. Das zehnköpfige Team der drei Gründer Felix Laumann aus Stühlingen, Ayushman Dash aus Mumbai und Kumar Shridhar aus Neu Delhi in Indien erstellt Computerprogramme, die es möglich machen, aus Texten spezielle Informationen herauszusuchen, was bislang einzigartig ist.

„Zum Beispiel kannst du den Jahresbericht der Firma Sto unserem Algorithmus geben, du willst aber nicht mehr als 100 Seiten lesen, um herauszufinden, wieviele Leute dieses Jahr entlassen wurden. Stattdessen schreibst du wie in einer E-Mail oder einer WhatsApp Nachricht an unser Programm ‚Wie viele Leute wurden dieses Jahr bei Sto entlassen?‘ Unser Programm antwortet dir wie ein Mensch und sagt: ‚Dieses Jahr wurden 24 Leute entlassen.‘ Bis dir die Antwort zukommt, vergeht nicht mal eine Sekunde.“

Das könnte Sie auch interessieren

Eine der Besonderheiten daran ist, dass diese Algorithmen nicht nur englisch und deutsch verstehen, sondern in 36 verschiedenen Sprachen, darunter Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Hebräisch, oder Hindi, Urdu, Tamil, und Gujarati arbeiten können. „Diese letzten vier Sprachen werden in Indien gesprochen und unsere Programme sind in diesen besser als die von Google und Facebook“, zeigt sich Felix Laumann überzeugt.

Dass er derart viel mit Sprachen zu tun haben würde, wäre ihm während seiner Schulzeit nie eingefallen. Legte er doch mit zwei Punkten im Fach Englisch sein Abitur am Klettgau-Gymnasium Tiengen mangelhaft ab. Ein Jahr Auslandsaufenthalt in Kanada hatte dieses Sprachendefizit allerdings wieder aufgeholt. Dort nahm er verschiedene Jobs an, vom Tellerwäscher bis zur Bedienung im Ski-Gebiet, und verbesserte sein Englisch.

Während des Studiums in Dänemark verstand er sich mit zwei Studienkollegen aus Indien so gut, dass vor zwei Jahren dann erste Ideen für NeuralSpace entstanden. Vor eineinhalb Jahren wurde die Firma gegründet mit Hauptsitzen in Stühlingen und London. Felix Laumann lebt in London und schreibt derzeit an seiner Doktorarbeit in Mathematik. „Wir stehen noch immer in der Entwicklung und verbessern ständig das Programm, aber haben es auch schon erfolgreich an unseren ersten Kunden geliefert.“ Dass es sich dabei um den größten Mobilfunkanbieter der Welt, der indischen Firma Jio, handelt, war fur alle drei Gründer eine riesige Überraschung.

Nach einer Präsentation bei dessen Entwicklungsteam in der indischen Hauptstadt Neu Delhi wollte es das Programm auf Anhieb haben: „Wir wollten eigentlich nur ein bisschen Feedback von deren Entwicklern bekommen und haben niemals damit gerechnet, dass sie unser Programm kaufen wollen. Wir hatten dann erst mal keine Ahnung, was wir machen sollen. Unter Stress wurde alles fertig entwickelt und in nur zwei Monaten geliefert.“ Nach einer einwöchigen Einführung nutzt das Entwicklungsteam von Jio nun das Programm und wird 32 Stunden im Monat von Neuralspace begleitet und beraten.

Und der Brexit? „In naher Zukunft wird der Brexit keine Auswirkungen auf mich oder die Firma haben. Schon vor über einem Jahr hat sich die Regierung darauf vorbereitet und einen speziellen Immigrationsstatus für Europäer und deren Familien eingeführt, der erlaubt, dass wir weiterhin in Großbritannien behandelt werden, als wenn es zu Europa gehören würde. Das ist für fünf Jahre gültig und danach kann jeder Einwanderer die englische Staatsbürgerschaft beantragen. In ferner Zukunft kann es schon sein, dass die Wirtschaft in Großbritannien geschwächt ist durch den Brexit. Da können aber so viele andere Faktoren mitspielen, dass wir darüber derzeit nicht ernsthaft nachdenken.“