90 Ortsansichten des Stühlinger Malers Johann Martin Morat sind noch bis September im Freiburger Augustinermuseum zu sehen. Sie entstanden im Zeitraum 1825 bis 1867 in den Regionen Oberrhein, Schwarzwald, Wutachtal, Bodensee und der Schweiz. Morat hat sich in seinen Werken verschiedener Techniken bedient. Es entstanden Gouachen (dick aufgetragene deckende Wasserfarben mit Bindemitteln), Zeichnungen, Aquarelle, und Litographien. Sämtliche Werke zeichnen sich aus durch zart-filigrane Pinselführung und Detailgenauigkeit. Und alle Motive bezeugen Morats Liebe zur südbadischen Heimat.

Dieses Selbstbildnis von Johann Martin Morat ist im Besitz der Stadt Stühlingen.
Dieses Selbstbildnis von Johann Martin Morat ist im Besitz der Stadt Stühlingen. | Bild: Edelgard Bernauer

In Stühlingen als fünftes von sechs Kindern geboren, ist er aufgewachsen als Sohn des Dekorationsmalers Joseph Anton Morat. Den Familiennamen Morat (h) findet man in ganz Deutschland und der Schweiz. Auch gibt es den Namen bis heute in und um Stühlingen. Ob sich Verbindungen zur Malerfamilie Morat herstellen ließen, liegt im Dunkeln. Insgesamt 74 Ortschaften im Raum Freiburg-Villingen-Schweningen-Konstanz-Waldshut-Lörrach hat Morat in feiner Ziselierung festgehalten.

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Dass er dieselben Motive von ähnlichen Standorten aus in größeren Zeitabständen immer wieder gemalt hat, macht die Ortsansichten besonders interessant. Vom künstlerischen Aspekt abgesehen sind die Moratbilder wahre Fundgruben und Zeugen der jeweiligen Entwicklungsgeschichte. Einen besondere malerische Vorliebe hatte er aber für seine Heimatstadt Stühlingen. Von Stühlingen liegen zwölf Arbeiten vor, immer aus ähnlichen Blickwinkeln gemalt. Ein Motiv zeigt den Hohenlupfen mit dem Schlosshof, das 1851 als Gouache entstand. Morat hat dieses Motiv angesichts eines Besuches des Grossherzogs gemalt.

Stühlingen im Wandel der Zeit

Witzige Details sind elf gelb-rot-gelbe badische Jubelfähnchen, mit denen die Gebäude beflaggt waren. Aus den motividentischen Ansichten in unterschiedlichen Zeiten und auch Jahreszeiten gemalt, lässt sich die Entwicklung der Ortschaften ablesen. So findet man auf den älteren Bildern noch das untere Tor zur Altstadt, der Schlossberg ist noch nicht bewaldet, das obere Stadttor ist nur als turmartiges Gebilde auszumachen. Auf allen Ansichten ist unterhalb der Altstadt ein Gebäude zu sehen, das die ehemalige Mikwe (Frauenbad der Juden) gewesen sein könnte. Bis heute hat sich der Name „Ränkli“ erhalten. Mit „Ränkli“ ist ein Abschnitt der Wutach gemeint, wo sich das Flussbett ein S in die Auenwiese gegraben hatte. Längst ist auch dort die „wütende Ach“ begradigt, diese wurde dann aber wieder in den 80-iger Jahren teilweise renaturiert.

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Gut auszumachen ist die Parzellierung der Grundstücke, die sofern sie Besitz der Gemeinde waren als sogenannte Göbli Bürgern zur Verfügung gestellt wurden. Meist befanden sich diese Parzellen in steilen Hanglagen. Aber auch Ortschaften entlang der Wutachtalschiene hat Morat mit viel Detailliebe der Nachwelt erhalten. Albbruck, Waldshut, T(h)iengen, Wutöschingen, Ofteringen, Degernau, boten Morat interessante Motive. Ausstellungsstücke stellten die Stadt Stühlingen sowie ein privater Sammler, der nicht genannt werden möchte, zur Verfügung. Die Fachwelt geht davon aus, dass sich noch viele Morat-Arbeiten in privater Hand befinden.