Zukünftig darf die Wutach (wütende Aach) wieder selbst bestimmen, welchen Wege sie einschlagen will, bis sie den Hochrhein erreicht. Ein seit Längerem angestoßenes Renaturierungsprojekt ist auf 20 Jahre und 1200 Meter Länge ausgelegt. Die Kosten sollen rund 1,2 Millionen Euro betragen. Es handelt sich um ein grenzübergreifendes Projekt, denn auf dem Abschnitt zwischen Sportplatz Stühlingen und Weizen-Grimmelshofen bildet die Flußmitte exakt den deutsch-schweizer Grenzverlauf.

Projektleiter ist im Auftrag des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) Erich Linsin, der zwar im Ruhestand ist, aber angesichts der Personalknappheit den Planungsauftrag übernommen hat. Für das Vorhaben arbeitet das Regierungspräsidium auch mit dem Fischerverein Wutach zusammen. Konflikte tauchten bisher, soweit bekannt, nicht auf.

Nachdem der Kanton Schaffhausen und die Grenzgemeinde Schleitheim die Baumaßnahmen abgeschlossen haben, steigen die Deutschen erst jetzt richtig in das Projekt ein. Viel Zeit benötigten die erforderlichen Grundstücksverhandlungen, zudem sind die Tiefbaufirmen der Region mit zahlreichen Aufträgen ausgelastet. Das Vorhaben muss außerdem mit den Naturschutzbehörden abgestimmt werden. Die Arbeiten sollen im April 2018 starten.

Bereits im Frühjahr 2017 wurden die Bäume entlang des Renaturierungsbereiches gefällt, sodass der Blick auf die Wutach frei wurde. In einigen Jahren wird aber wieder alles bewachsen sein. Bilder: Edelgard Bernauer
Bereits im Frühjahr 2017 wurden die Bäume entlang des Renaturierungsbereiches gefällt, sodass der Blick auf die Wutach frei wurde. In einigen Jahren wird aber wieder alles bewachsen sein. Bilder: Edelgard Bernauer

Jürg Schulthess, Gewässerbeauftragte des Kanton Schaffhausen, machte anhand einer Dokumentation deutlich, wie die Renaturierung der Wutach aussehen soll. Die Broschüre, die detailliert die Zusammenhänge verknüpft, heißt „Ein Fluss wird befreit“. Fauna und Flora sollen erhalten werden, zudem sollen auch Anreize zum Nisten von weiteren Lebewesen und zur Ansiedlung weiterer Pflanzen geboten werden. Nach Beendigung der Baumaßnahmen soll ein Biotop entstehen, das dann auch kontinuierlich beobachtet werden soll. Die Projektverantwortlichen hoffen, dass alle Tiere , wie beispielsweise der Biber, Amphibien, Wasservögel und Fledermäuse, wieder zurückkehren. Während der Bauarbeiten wird der viel benutzte Fuß-und Radweg entlang der Wutach leicht verlegt und wieder komplett hergestellt.

Unter dem Weg verlaufen Wasser-Versorgungsleitungen und Breitbandkabel. Auch ein Fußpfad, der sich direkt an der Wutach entlang schlängelt, soll wieder hergestellt werden. Die wichtigste Maßnahme: Die Wutach bekommt viel mehr Platz darf wieder wie in früheren Zeiten mäandern. Dadurch entstehen kleinere Seitenarme, Tümpel und Bereiche, die auch Hochwasser Raum lassen. Die deutschen Projektpartner haben nun den Vorteil, dass sie die auf Schweizer Seite gemachten Erfahrungen nutzen können. Für die Verbauung werden natürliche Materialen wie Holz und Steine verwendet.

Alfred Winski, Biologe aus Kenzingen, vertrat bei einer Info-Veranstaltung, zu der rund 25 Personen kamen, die Seite des Naturschutzes. Über Artenschutz für Vögel und Amphibien referierte Philipp Gehmann. Eingriffe sollen während der Brutzeit der Vögel und Fledermäuse nicht stattfinden. Beide Fachleute versprachen, dass nach den Renaturierungsmaßnahmen der 20 Hektar umfassende Bereich noch hochwertiger neu besetzt wird, als dies bisher schon der Fall ist. Mit dieser Maßnahme sollen "Fehler aus früheren Zeiten" wieder gut gemacht werden. Denn in weiten Teilen verläuft die Wutach schnurgerade auf den Hochrhein zu. Laut Mitarbeitern des RP Freiburg ist das Projekt Wutachrenaturierung zur Zeit eines der interessantesten Planungen, die es umzusetzen gilt.

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