Die Mühlenführer der Museumsmühle im Weiler bei Stühlingen-Blumegg hatten am Deutschen Mühlentag gut zu tun. Nicht nur die deutschlandweit einmalige Mühlentechnik, auch nostalgisch anmutende Gerätschaften üben magische Anziehungskraft auf heutige Zeitgenossen aus. Die Mühlenführer sind gut auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie leiern ihr Fachwissen nicht herunter, sondern vermitteln die Besonderheiten dieses Kleinods im oberen Wutachtal mit viel Engagement und Herzblut.

Es kommen nicht nur Mühlenfans, Wanderer und Radler, auch für junge Familien, Schulklassen und andere Gruppen ist die Mühle ein beliebtes Ausflugsziel. Das Volkslied „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ stellt sich hier realistisch und naturbezogen dar. Der Mühlbach, eigentlich das wichtigste Beiwerk zur Mühle, stürzt in malerischen Kaskaden zu Tal und treibt nebenbei die drei großen Mühlräder an. Die Gewalt des Wassers ist stark genug, um die drei großen Mühlräder anzutreiben. Ist die Mühle in Betrieb, was laut Nutzungsvertrag nur zu bestimmten Zeiten geschehen darf, dann rumpelt und vibriert es im Innern beträchtlich. Es gibt Öl-, Getreide-, Gips-, Früchte- und Knochenmahlwerke.

Alles wurde in den 90er Jahren vom Landkreis Waldshut in den ursprünglichen Zustand versetzt. Damals nahm der Kreis viel Geld in die Hand. Das Ziel Touristenattraktion wurde zu 100 Prozent erreicht. Dem damaligen Landrat Bernhard Wütz fiel das verfallene Gebäude bei seiner ersten Erkundungstour durch den Landkreis auf. Ab da nahmen die Dinge ihren Lauf. Wer möchte, kann den Mühlenbesuch mit einer Wanderung durch Wutachschlucht oder Flühen, oder einer Fahrt mit der Sauschwänzlebahn verbinden. Auch in die Schluchtensteigroute kann man gut einen Besuch integrieren.

Etwas in Vergessenheit geraten ist die Verbindung zum Gipsbergwerk und dessen touristische Vermarktung in der Stühlinger Nachbargemeinde Schleitheim/Oberwiesen in der Schweiz nur wenige Kilometer entfernt. Gegenüber der Mühle steht ein altes Feldkreuz, das mehr und mehr im Boden versinkt und einst völlig vom Erdreich verschluckt sein wird – ein Beweis dafür, dass die Hänge der Region sich für das bloße Auge unsichtbar bewegen. Gegenüber der Museumsmühle befindet sich auch die Einfahrt zum ersten Kehrtunnel der Sauschwänzlebahn. Das Gesamtensemble verspricht Nostalgie pur.

Mühlen gibt es im europäischen Raum häufig. Viele sind verfallen, werden nicht mehr gebraucht. Für die Museumsmühle jedoch wirbt der Landkreis mit dem Slogan „Die Mühle, die es nur einmal gibt“. Diese Behauptung basiert auf den fünf perfekt ineinandergreifenden Mahlwerken – für die Zeit des Mühlenbaues ein technisches Wunderwerk. Die Geschichte der Mühle lässt sich 700 Jahre zurückverfolgen. Involviert beispielsweise war – wen wundert es – das Kloster St. Blasien. Die Mühlenanlage ist gepflegt und mit kleinen Hinguckern gespickt. Ein bisschen Zeit sollte man für den Besuch also schon mitbringen.

Führungen

Ernst Albert aus Wellendingen organisiert die Mühlenführungen, die man auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten buchen kann. Kontakt per E-Mail (ernst-albert@web.de). Als ehrenamtliche Mühlenführer engagieren sich außerdem Ernst Kaiser, Heribert Ballhausen, Karl Marber, Bruno Morath und Willi Graf.