Mehr als drei Monate ist es her, dass Josef Kraft und seine fünf Kinder aus Schwaningen ihr Zuhause durch einen Brand verloren haben. Seither haben sie eine vorübergehende Bleibe im Vinzentiusheim der katholischen Pfarrgemeinde in Bonndorf gefunden. Der Schock sitzt tief. Dennoch ist der Familienvater dankbar. Dankbar für die große Hilfe, die ihm und den Buben Josef Maria, Gabriel, Elias und Johannes und der Tochter Tatjana widerfahren.

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Hilfsbereitschaft überwältigt den Vater

Josef Kraft, der Sportlehrer sowie Schul- und Kirchenmusiker, hadert nicht mit seinem Schicksal, sondern ist ergriffen, wie viele Leute und Institutionen ihm und den Kindern zur Seite standen und stehen. „Das Leben geht an einem anderen Ort weiter. Wir geben nicht auf, trotz der Äußerlichkeit“, meint er zuversichtlich, wobei hinsichtlich der Versicherung bislang noch nichts geklärt ist.

Die Feuerwehr beim Löschen des Großbrandes am 2. März dieses Jahres in Schwaningen.
Die Feuerwehr beim Löschen des Großbrandes am 2. März dieses Jahres in Schwaningen. | Bild: Olaf Thor

Dankesworte fallen während des Gesprächs immer wieder an viele, die seit dem 2. März der Familie unter die Arme griffen. Angefangen von den Nachbarn, der Feuerwehr, den Kommunen Stühlingen und Bonndorf, Kirchen, Vereinen, Schulen und Klassen bis hin zu vielen, vielen Bürgern und Familien in der näheren und weiteren Umgebung.

Danksagung mit vielen Auftritten

Da verwundert es auch nicht, dass die singende Familie in Anlehnung an den österreichischen „Trapp-Familien-Chor“ aus Dankbarkeit öfters Gottesdienste in und außerhalb der Region musikalisch umrahmt und sich auch bei anderen Veranstaltungen nicht nur stimmlich erkenntlich zeigt. Mittlerweile singen die Kinder Lieder aus aller Welt in 14 verschiedenen Sprachen – neben Musik aus dem deutschsprachigen Raum zum Beispiel auch aus der Ukraine, Russland, Georgien, England, Frankreich, Holland, Griechenland, aus Afrika oder Amerika.

Auch moralische Unterstützung wichtig

„Wir haben eine neue Umgebung und eine innige Beziehung mit Menschen, die wir vorher nicht kannten. Sie setzten sich für uns ein und unterstützten uns nicht nur materiell, sondern auch moralisch.“ Gerührt hat die Familie die mannigfaltige Hilfsbereitschaft. „Dass es so etwas in der heutigen Zeit noch gibt, dass Leute das Herz am richtigen Fleck haben.“

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Außer dem Verlust der Habseligkeiten geht das Leben für Josef Kraft und den Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren weiter wie gehabt. Unkompliziert und zuvorkommend beschreibt der Familienvater die Zusammenarbeit mit Behörden, voran die Stadt Stühlingen mit Bürgermeister Burger. „Gottes Segen ist unergründlich“, ist Krafts Zuversicht. Durch die bisher beim Spendenkonto eingegangenen Gelder kann nun zumindest ein Großteil der Aufräumkosten und Beseitigung des Brandschadens bewältigt werden, die nach ersten Angeboten fast 200 000 Euro betragen.

Familie Kraft aus Schwaningen hat bei einem Brand alles verloren.
Familie Kraft aus Schwaningen hat bei einem Brand alles verloren. | Bild: Lucia van Kreuningen

Künftige Bleibe noch ungewiss

Neben dem Wohnhaus in Schwaningen gingen auch immaterielle Werte wie die meisten Musikinstrumente und Erinnerungsstücke, bei Fotos angefangen, verloren. Zurückhaltend beantwortet er die Frage, in welcher Stadt oder Gemeinde er gerne mit seiner Familie künftig leben möchte: „Momentan gibt es keine Gedanken hierzu. Weil wir nicht wissen, was uns in Zukunft noch erwartet.“

Tochter Tatjana geht weiterhin in Weizen zur Schule. Die Achtjährige würde gerne wieder dahin zurückkehren, wo sie aufgewachsen ist. Josef Kraft berichtet dazu, dass in das abgebrannte Haus in vielen Bereichen schon unzählige Stunden Arbeit mit Herzblut investiert wurden und manches bereits grundlegend erneuert ist.

Weiterhin im Vinzentiusheim

Auf der Suche nach einer neuen Bleibe musste der Familienvater erstaunt feststellen, welche Preise heutzutage anfallen. „Vorerst haben wir noch die Möglichkeit, hier bis zum September zu wohnen. Wie es weitergeht, steht noch in den Sternen.“

Der rote Faden im Leben der Familie bleibt die Musik: In den vergangenen Monaten und Wochen trat das Familienvokalensemble aus Freude am mehrstimmigen Gesang und aus Erkenntlichkeit mehrfach auf. „Die Kinder und ich haben das größte Glücksgefühl dabei, die Leute damit zu erfreuen und unsere Dankbarkeit zum Ausdruck bringen zu können“, weist Josef Kraft auf das kommende Klosterfest in Ofteringen am 14. Juli um 10 Uhr.

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