Eckart Morat (73) zählt zu jenen einstigen Städtlikindern, die es berufsbedingt von Stühlingen fort zog. Beim Mainzer Musikverlag Schott konnte er seine Meisterprüfung als Schriftsetzer und die Ausbildung zum Dirigenten für Blasorchester an der Musikhochschule Trossingen als Herstellungsleiter des Verlages kombinieren.

Später lockte ihn das berufsbegleitende Studium für Betriebswirtschaft, das zum Geschäftsführer einer Offsetdruckerei führte. Ab 2000 war er nach pädagogischer Ausbildung bis 2017 als Referent für Manager-Seminare, unter anderem für das Zentrum für Unternehmensführung in Thalwil, sowie der St. Galler Business-School unterwegs.

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Eckart Morat lebt seit 1992 in Weisenheim am Berg in der Pfalz, die Familie ist dort längst bestens integriert. Dennoch hat Morat seine Heimatstadt all die Jahre über nicht aus den Augen verloren. Aufmerksam verfolgt er via Tablet und SÜDKURIER alles, was in und um Stühlingen passiert. Da seine ältere Schwester Ingrid Pilz in Stühlingen wohnt, kommt er sporadisch, etwa auch zu Klassentreffen, in die alte Heimat.

In einem alten Bauernhaus aus dem Jahr 1756 am Loretoweg ist Eckart Morat zusammen mit zwei Schwestern aufgewachsen. Die damaligen Nachkriegsverhältnisse prägen sein Umweltbewusstsein bis heute. Es gab damals außer „Silberpapier“ als Verpackung für Schokolade keinerlei Abfälle. Die Asche aus dem Kachelofen wurde als Garten-Dünger verwendet, alles „fressbare“ ging in den Saukübel zur Fütterung eines Schweins. Zum Einkaufen hatte man ein Einkaufsnetz dabei, es gab keinerlei Verpackungsmüll. Mit Voranschreiten des Wirtschaftswunders wurden Schwein und Ziegen abgeschafft, das Haus wurde Stück für Stück modernisiert.

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Im Städtle wuselten mehrere Dutzend Kinder unterschiedlicher Altersstufen. „Wir hatten eine herrliche Kindheit und uns fehlte nichts“, sagt Morat. Der Radius der unternehmungslustigen Städtlibuebe reichte vom Schützenhaus im Weilertal über den Ruckwald und das Schloss zu den Judenlöchern und dem Schinderwald bis zum Sportplatz. Im Sommer ging es zum „Rank“ an die Wutach und zum Heimburgerkanal zum Baden. Der Tobel am Weilertal diente als Skipiste. Schnee gab es in den 50er Jahren reichlich.

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Vater Armin Morat war zu der Zeit Verwalter des Loreto-Krankenhauses. So lag es nahe, dass Eckart allmorgendlich in der Krankenhauskapelle ministrierte. Erster Lohn seines Lebens waren eine Tüte Weihnachtsbrötle und ein Paar Socken anlässlich der Weihnachtsfeier im Krankenhaus. Dieses Ehrenamt endete nach dem Wechsel von der Volksschule zum Waldshuter Gymnasium. „Den eigentlich verlockenden Weg zum Priesterberuf habe ich deswegen nicht eingeschlagen, weil ich mir schon damals ein Leben ohne eigene Familie nicht vorstellen konnte, und die alt-katholische Variante war mir zu der Zeit fremd“, erklärt Morat.

Ein prägendes Erlebnis in den 50er Jahren war der Umzug der fürstlichen Familie mit fünf Kindern von Donaueschingen nach Stühlingen. „Wir Kinder wurden oft ins Schloss zum Spielen eingeladen. Das war immer etwas besonders. Die Pferde, die Ponys, die Kutschen“, erinnert sich Morat. Eckart Morat denkt auch noch gerne an Schulkameraden wie Alexander Etziroglu, Franz Grüninger, Johannes Hamburger, Gerhard Isele, Ludwig Limberger, Heinz Mangold, Norbert Mond, Harald Obser und Raymond Zeller – alles ebenfalls Städtlibuebe.