Nur bis zum Jahr 1777 lässt sich die Geschichte des alt-katholischen Stühlinger Pfarrhauses in Dokumenten zurückverfolgen. Bis 1840 diente das Gebäude als Schulhaus. Orientiert man sich jedoch an historischen Bildern, die viel früher entstanden sind, dann dürfte dieses stattliche Gebäude wesentlich älter sein.

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Das Gebäude war früher mit dem unteren Tor und dieses wiederum mit dem Haus „Schwarzer Adler“ verbunden. Das untere Tor und der „Schwarze Adler“ brannten 1828 nieder. Auch das Schulhaus wurde in Mitleidenschaft gezogen und erwies sich zudem als zu klein. Nach langen Querelen entschied sich die Stadt für einen Neubau (1838 bis 1840) am Stadtweg. Dieser hatte den Vorteil, dass die Dorf-und Städtlekinder den gleich langen Schulweg hatten.

Die Südwestfassade des ehemaligen alt-katholischen Pfarrhauses in der Stühlinger Altstadt mit dem großen Wandbild. Dort wird das untere Tor als Turmgebäude dargestellt, was vermutlich nicht stimmt.
Die Südwestfassade des ehemaligen alt-katholischen Pfarrhauses in der Stühlinger Altstadt mit dem großen Wandbild. Dort wird das untere Tor als Turmgebäude dargestellt, was vermutlich nicht stimmt. | Bild: Edelgard Bernauer

Das untere Tor war laut alter Darstellungen tatsächlich nur ein Torbogen, während das obere Tor, das 1846 abbrannte, durch ein Turmbauwerk führte. Laut Jakob Limbergers Nachforschungen gehörte das spätere alt-katholische Pfarrhaus bis 1840 der Stadt.

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In jenem Jahr wurde die Immobilie von Ignatius Würth für 2510 Gulden erworben. Würth baute eine Nagelschmiede ein. 1889 übernahm sein Sohn Maximilian Würth das Anwesen. Dieser war Kassierer bei der Waisen- und Sparkasse, die 1853 gegründet wurde. Ignaz Würth stellte die unteren Räume der Sparkasse als Geschäftsräume zur Verfügung. 1899 baute die Sparkasse in der Unterstadt dann ein eigenes Domizil. Dort befindet sich die Stühlinger Sparkasse bis heute.

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Als Max Würth starb, übernahm seine Witwe Sofie Würth das Gebäude. Diese Bürgerin muss eine starke soziale Ader gehabt haben: Sie überließ das Anwesen 1906 mittels Schenkung dem Verein für alt-katholische Krankenschwestern in Bonn. Einvernehmlich wurde die Immobilie 1911 der alt-katholischen Kirchengemeinde Stühlingen überschrieben, wie aus dem Grundbuch ersichtlich ist.

Eine Erinnerung an Sofie Würth, die das Gebäude der alt-katholischen Kirchengemeinde vermachte.
Eine Erinnerung an Sofie Würth, die das Gebäude der alt-katholischen Kirchengemeinde vermachte. | Bild: Edelgard Bernauer

Nach dem Schenkungsvertrag diente die zweite Etage den alt-katholischen Geistlichen als Wohnung. Die erste Etage war zuerst Lehrerwohnung, später waren die alt-katholischen Krankenschwestern dort untergebracht. Ab 1950 wurde diese Wohnung privat vermietet, weil der Schwestern-Nachwuchs fehlte. Nach dem Tod des Geistlichen Rates Anton Reinelt wurde das gesamte Gebäude 1971 privat vermietet. Anton Reinelt war der letzte Pfarrer, der auch in Stühlingen wohnte.

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Zum alt-katholischen Pfarrhaus gehörte auch der heutige Schürgarten, der in den 90er Jahren in den Besitz des Schwarzwaldvereins überging. Sofie Würths Stiftung war für die alt-katholische Kirchengemeinde nicht nur finanziell betrachtet ein Segen. Gleich gegenüber befindet sich die alt-katholische Stadtkirche. An der Westfassade erinnert ein beschriftetes Wandbild an Sofie Würths großzügige Stiftung.

Ein historisches Bild von Stühlingen.
Ein historisches Bild von Stühlingen. | Bild: Edelgard Bernauer

Ein großflächig gestaltetes Wandbild befindet sich am Südgiebel. Der Tiengener Malermeister Paul Przybylski hat dort wohl in den 1930er Jahren das untere Tor zur Altstadt aus der Sicht von der Zinnmauer dargestellt. Es ist 1828 abgebrannt. In verschiedenen historischen Abbildungen wird das Untere Tor in unterschiedlichen Bauvarianten gezeigt. Welcher Künstler sich an den tatsächlichen Baubestand hielt, ist unbekannt. Vor wenigen Jahren veräußerte die alt-katholische Kirchengemeinde das Pfarrhaus an einen ausländischen Neubürger.