Wangen – Mit einer solch gelungenen Überraschung hatte beim Festakt zur Einweihung des neuen Feuerwehrfahrzeugs niemand in Wangen gerechnet: Die hellen Knabenstimmen der Familie Kraft präsentierten das Heimatlied für Wangen. Heinz Neukum, ehemaliger Feuerwehrkommandant, hatte ganz in der Stille dieses Lied ausgegraben und Josef Kraft hatte mit seinen Kindern das Lied einstudiert.

Die Recherchen dieser Zeitung brachten einiges mehr ans Licht: Der Urheber dieses Heimatliedes ist der Vater von Heinz Neukum, Fritz Neukum, der von 1946 bis 1979 Bürgermeister von Unterwangen war. Fritz Neukum war in Mannheim geboren und hatte eine Ausbildung zum Kaufmann absolviert. In den 30er Jahren durch die allgemeine Rezession arbeitslos geworden, verdingte er sich als Landhelfer nach Unterwangen. Dort lernte er im landwirtschaftlichen Betrieb in der Litzbühlstraße seine spätere Frau kennen, so wurde Unterwangen für ihn zur neuen Heimat.

Vom Kriegsdienst blieb auch er nicht verschont, er kam in französische Gefangenschaft. Grade dort war die Sehnsucht nach seinem neuen Heimatort Unterwangen groß und dabei entstand das Heimatlied. Obwohl er keine musikalische Bildung hatte, schrieb er die Noten, einen vierstimmigen Chorsatz, dazu. Als Organist und zeitweise Chorleiter des Kirchenchors in der Zeit zwischen 1938 und 1991, versuchte er in den 50er Jahren, das Heimatlied einzustudieren, doch gelang dies in dieser Zeit nicht und so blieb es in den alten Erinnerungen. Zwar wussten noch einige Wangener Einwohner davon, doch nahm sich kaum jemand die Zeit dazu. Das tat nun sein Sohn Heinz. Bei manch einem der Anwesenden kamen heimatliche Gefühle beim Zuhören auf und selbst wer nicht mitsingen kann, den muten die Verse heimatlich an.

Der Text des Wangenlieds

  • 1. Strophe: Wo des Schwarzwald‘s mächt‘ge Hügelketten, reich mit Wald und Blumenflor geschmückt, und im Moos das Silber munt‘rer Quellen, labend alle Kreatur erquickt. Wo das Bächlein murmelt zwischen Felsen, flink vorbei an Plätzchen lauschig süß. Wo am Waldesrand wie lieb zu schau‘n Rehlein äst auf grünen Au‘n. Da lehnet am Hange ein Dörflein so klein; Mein liebes Wangen in Glück und Gedeih‘n. Im Sonnenschein prangend, wenn Nebel im Tal, drum sei mir mein Wangen gegrüßt viel tausendmal.
  • 2. Strophe: Wenn die ersten Lerchen hoch in Lüften, jubilierend künden an den Tag, wiegen froh wir uns schon in den Hüften, bei der Sense Klang in flotter Mahd. Wenn vom Kirchlein schlichtes Aveläuten, mahnend schwingt vom Berg hinab ins Tal, leuchten purpurgolden Wald und Höh‘n, in der Sonne Morgenstrahl. Herrlich woget im Winde der Felder Ährenmeer. Voll Obst in Güte steh‘n die Bäume so schwer. Vom Fleiße der Bauern zeugt weithin die Flur; Es gibt nur ein Wangen in stolzer Bergnatur.
  • 3. Strophe: Weit bin ich gereist in deutschen Landen, war im Westen, Süden Ost und Nord, aber meine Augen dennoch fanden, nichts so lieblich denn mein Heimatort. Wohl gibt‘s da selbst Schlösser nicht noch Burgen, nicht Palais noch Dome riesengroß, nicht des Meeres sagenreiche Macht, nicht der Heide Blütenpracht. Doch die Heimat am Berg nur erfüllt mit tiefem Glück. Und lockt auch die Ferne, gern kehrt ich zurück. Voll frohem Verlangen bitt ich drum fürwahr: Beschütze, o Herrott mein Wangen immerdar!

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