Die Stühlinger haben am Sonntagabend zwar noch keinen neuen Bürgermeister gekürt, aber ein Zeichen gesetzt: Sie wünschen sich nach 24 Amtsjahren von Isolde Schäfer offensichtlich einen Mann an der Rathaus-Spitze. 1500 Stimmen für Joachim Burger gegenüber 708 der zweitplatzierten Kristin Schippmann scheinen eine klare Sprache zu sprechen. Antonia Dietsche und Heidrun Glaser belegen mit deutlichem Abstand die weiteren Plätze. Die beiden Letztgenannten haben teilweise mit viel Herzblut den Wahlkampf geführt und sich bei der offiziellen Kandidatenvorstellung durchaus gut verkauft. Die Stühlinger haben es nicht honoriert. Klar, dass beide nach der Schlappe vom Sonntag das Handtuch werfen.

Somit blicken wir einem Zweikampf entgegen zwischen der jungen Rechnungsamtsleiterin Kristin Schippmann, die mit 27 Jahren die jüngste Bürgermeisterin im Land wäre, und Joachim Burger, der als 53-Jähriger den Absprung aus der freien Wirtschaft an die Rathaus-Spitze anstrebt.

Die über 800 Wähler von Dietsche und Glaser müssen sich nun neu orientieren, sofern sie am 15. Oktober nicht den Urnen fern bleiben. Letzteres ist nicht zu erwarten, denn die Wahlbeteiligung hatte auch 2009, bei beiden Wahlgängen im Duell zwischen Isolde Schäfer gegen Herausforderer Marlon Jost, bei 76 Prozent gelegen.

Auch am Sonntag erreichte die Wahlbeteiligung diesen Wert – mit einer gravierenden Ausnahme: Im Kernort Stühlingen ist von den 1564 Wahlberechtigten fast jeder zweite zuhause geblieben.

Das ist ziemlich unverständlich, wo doch gerade im Kernort mit der Altstadtsanierung ein Jahrhundert-Projekt auf seine Verwirklichung wartet. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren, gut möglich, dass viele von einem zweiten Wahlgang ausgegangen sind. So bleiben rechnerisch rund 1600 Personen, die die Karten für den Urnengang am 15. Oktober neu mischen können. Ob die Frauen-Karte doch noch sticht? Es bleibt spannend.

rafael.herrmann@suedkurier.de

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