Der Massenangriff der Borkenkäfer hat in diesem Jahr auch im Stühlinger Kommunalwald tiefe Schneisen und ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Josef Frommherz vom Kreisforstamt Waldshut sieht das laufende Jahr eine schwarze Null aus der städtischen Forstwirtschaft.

„Da werden wir mit einem blauen Auge davongekommen.“ Für 2020 rechnet mit einem Verlust von fast 300.000 Euro. Geld, das der Stadt Stühlingen für Investitionen fehlen wird, machte Bürgermeister Joachim Burger in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats diese „ökologische und ökonomische Katastrophe“ deutlich.

Die Schäden durch Borkenkäferbefall sind auch im Stühlinger Stadtwald enorm.
Die Schäden durch Borkenkäferbefall sind auch im Stühlinger Stadtwald enorm. | Bild: Gerald Edinger
  • Zahlen und Fakten zum Wald: Frommherz, der zum letzten Mal in dieser Funktion vor den Gemeinderat trat, erläuterte, dass die „Entfernung der toten Bäume“ Priorität habe. Kreisweit wurden 360.000 Festmeter Käferholz aufgearbeitet, im Stühlinger Stadtwald sind es 19.300 von 14.200 geplanten Festmetern. Der Holzmarkt kam durch diese Holzschwemme zum Erliegen. Dennoch konnten 15.169 Festmeter verkauft werden, 1600 Festmeter liegen noch im Wald. Der Erlös summiert sich auf 714.000 Euro, trotz eines deutlichen Preisverfalls von durchschnittlich 55 auf 25 Euro pro Festmeter.
  • Planung für das Jahr 2020: Als „absolut unsicher“ bezeichnete Frommherz die Prognosen für das kommende Jahr. Sollte wieder eine Käferwelle kommen, seien die Folgen schwer abschätzbar. „Wir werden in den Folgejahren nicht mehr diese Holzmengen haben“, betonte der Forstfachmann. Auch die Entwicklung auf dem Holzmarkt sei schwer einzuschätzen. Dennoch empfiehlt Frommherz, die Vorgabe der Forsteinrichtung zu erfüllen und im kommenden Jahr wieder 14.200 Festmeter Holz zu ernten. Die Hälfte davon rechnet er dabei Käferholz ein. Beim Holzpreis merkte Frommherz an, dass 30 Euro für Stühlingen ein Minus von 400.000 Euro aus der Forstwirtschaft bedeute.
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  • Selbstwerbung soll steigen: Bei der Holzernte soll nach dem Vorschlag des Forstmanns der Anteil der Selbstwerber, die das Holz selbst ernten, aufarbeiten und für den Verbraucher bereitstellen, auf 20 Prozent steigen. „Das bedeutet für die Stadt geringere Kosten aber auch geringere Erlöse“, erläuterte Frommherz. Die Kosten setzt er pro Festmeter mit 23,70 Euro an, die Erlöse bei 28,66 Euro. Einnahmen von insgesamt 530.000 Euro stellt er Ausgaben von 824.000 Euro gegenüber.
  • Neue Baumarten pflanzen: Auf elf Hektar sollen 25.220 Bäume neu gepflanzt werden. „Die Fichte wird nicht mehr die Rolle wie in den vergangenen Jahren spielen“, machte Frommherz deutlich. Tanne, Douglasie, Lärche und Laubbäume werden bevorzugt angepflanzt. Von Experimenten mit tropischen Arten hält er nicht viel. Rund 88.000 Euro wird in die Kulturen gesteckt, das sei ein Mehraufwand von 30.000 Euro auf der doppelten Fläche.
In die Pflanzung anderer Baumarten als der Fichte muss nun auch im Stühlinger Stadtwald viel Geld investiert werden.
In die Pflanzung anderer Baumarten als der Fichte muss nun auch im Stühlinger Stadtwald viel Geld investiert werden. | Bild: Gerald Edinger
  • Anregung aus dem Gemeinderat: Rüdiger Mayer von der CDU machte den Vorschlag, im kommenden Jahr mehr „erntereifes Fichtenholz“ zu schlagen, um finanzielle Ausfälle zu kompensieren und den „Gewinn zu glätten“. Dafür könne man auch über den Hiebsatz von 14.200 Festmeter hinausgehen. Frommherz erläuterte, dass die Strategie verfolgt werde, schlechtes Holz wegzubekommen, mochte die Anregung von Mayer aber auch nicht ganz weit wegschieben.