Bescheiden, fast schüchtern erzählt Johann Duttlinger (65) davon, wie er zum Roten Kreuz kam. Kurz vor Ostern 1977 krachte es bei einem Fußballspiel im Knie des damals jungen Mannes gewaltig. Zwölf Wochen lag er im Donaueschinger Krankenhaus. An Krücken humpelte er – trotz ärztlichem Verbot – durch die Gänge. Damals schwor er sich: „Wenn ich jemals wieder richtig laufen kann, dann gehe ich zum Roten Kreuz.“ Ein Jahr war er außer Gefecht, dann durfte er wieder arbeiten und er meldete sich gleich beim DRK in Stühlingen an, die Laufbahn als Kicker des SV Grimmelshofen war aber vorbei.

Als Soldat fing alles an

Blut zu spenden, war für ihn da schon nichts Neues mehr: „Bereits bei der Bundeswehr ging ich zum Blutspenden. Es gab 50 Mark und zwei Tage Sonderurlaub“, erzählt er schmunzelnd. Das Geld konnte er damals gut gebrauchen. Der Sold eines Wehrpflichtigen lag „ungefähr bei 150 Mark“, erinnert er sich. Nach seiner Bundeswehrzeit ging er weiterhin jedes Jahr zweimal zu Terminen des DRK in der Region, um den Lebenssaft zu spenden. „Eigentlich habe ich eine alltägliche Blutgruppe AB. Aber mir ist es wichtig, durch meine Spende anderen zu helfen“, sagt er zu seiner Motivation.

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Heute geht Johann Duttlinger jedes Jahr fünf Mal zum Blutspenden. „56 Tage müssen jeweils zwischen den Spenden liegen – das ist Vorschrift“, berichtet er mit leichtem Bedauern im Unterton. „Mann kann mit einem halben Liter Blut so viel helfen, allein 20 Prozent der Spenden werden für Krebskranke verwendet“, erzählt der 65-Jährige, der der seit 2006 Bereitschaftsleiter des DRK in Stühlingen ist. Spenden möchte er, solange er gesund ist.

Werben um Erstspender

Und er wirbt um Erstspender. „Es kostet nur ein wenig Zeit und ein bisschen Überwindung. Wenn die Ungewissheit erst einmal überwunden ist, ist es kein Problem mehr, einen halben Liter Blut zu spenden“, versichert Duttlinger. In Stühlingen begleiter er Erstspender oft selbst von der Anmeldung bis zum Schluss. Frauen seien vor der ersten Blutspende etwas skeptischer als Männer, so seine Erfahrung.

Johann Duttlinger engagiert sich für das DRK in Stühlingen und spendete bisher schon 78 Liter Blut.
Johann Duttlinger engagiert sich für das DRK in Stühlingen und spendete bisher schon 78 Liter Blut. | Bild: Gerald Edinger

Er selbst war am 12. Juni in Wutöschingen bei seiner 157. Blutspende. In Stühlingen lässt sich Duttlinger bei Terminen aber kein Blut mehr abnehmen. „Ich erinnere mich an einen Fall, als ein Spender umkippte und ich nicht helfen konnte, weil mir in diesem Moment gerade selbst Blut abgenommen wurde.“

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Keine Frage, der gelernte Maurer hat eine soziale Ader. „Das halte ich für eine wichtige Sache. Wo ich helfen kann, helfe ich gerne.“ Dies hat Johann Duttlinger schon 1978 getan, als er an seinen freien Sonntagen im Stühlinger Krankenhaus im Rettungsdienst aktiv war. „Wenn ich Zeit hatte, habe ich die Schwestern bei ihrer Arbeit unterstützt – das war für mich selbstverständlich“, erzählt der 65-Jährige. In dieser Zeit erlebte er auch einen schlimmen Unfall, der sich auf der Verbindungsstraße zwischen Eberfingen und Stühlingen ereignete. Ein Kleinwagen und ein Bahnbus stießen zusammen – zwei Menschen überlebten den Unfall nicht. Schreckliche Bilder, die Johann Duttlinger nie vergessen wird. „Psychologische Betreuung gab es damals nicht“, erzählt er. Trotzdem machte er weiter und leistete insgesamt 27 Jahre Rettungsdienst in Stühlingen.

Familie gibt Rückhalt

Menschlichkeit hat für Johann Duttlinger einen hohen Stellenwert. Bis zu seinem 60. Lebensjahr war er auch Knochenmarkspender – dann wurde er aus der Kartei gestrichen, erzählt er. Er wirkt dabei ein bisschen nachdenklich. Verantwortung und Disziplin sind für ihn keine leeren Worte. Diese Einstellung habe er von seinen Eltern auf dem Bauernhof mitbekommen. Sein Vater war außerdem viele Jahre Kommandant der Blumegger Feuerwehr. Duttlingers Leitspruch kommt also nicht von ungefähr: „Ein Zugpferd ist gut, die Pferde dahinter dürfen aber nicht scheuen!“ Klar, dass sein enormes Engagement für das DRK ohne die Unterstützung seiner Frau Lucia und seiner beiden Kinder nicht möglich wäre.