Über aktuelle Entwicklungen auf dem Markt beriet sich der BLHV-Stadtverband Stühlingen auf seiner jüngsten Hauptversammlung im Gasthaus „Mittlere Alp“. Mit dabei waren Bürgermeister Joachim Burger und Vertreter der Ortsverbände Wutach und Bonndorf. Insgesamt blickte man bei der Versammlung durchweg in nachdenkliche und ernste Gesichter. Die Landwirte sehen sich mit steigenden Anforderungen und sinkenden Preisen konfrontiert.

Die Probleme werden größer

Die Einkommen, sprich das Unternehmensergebnis je Familienarbeitskraft in der Landwirtschaft zeigt aktuell wieder einen Abwärtstrend, die Ausgaben der Bürger für Lebensmittel gehen permanent nach unten. Im Jahr 2018 waren es in Deutschland gerade einmal 14 Prozent der Konsumausgaben. 1950 waren es noch 44 Prozent, in den 70er Jahren lag man bei 25 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Kampf der Discounter um die Lebensmittelpreise macht wütend, das wurde in der Zusammenkunft der Landwirte deutlich. Gerade kleine und mittelgroße Betriebe, wie sie in der Region vorherrschen, sind in ihrer Existenz bedroht. Und nun stehen sie zusätzlich vor der Problematik von neuen Düngemittelvorschriften. Der Bereich Oberes Wutachgebiet (betroffen sind die Gemarkungen Stühlingen, Ühlingen-Birkendorf, Bonndorf, Wutach und Eggingen) wurde als „Rotes Gebiet“ ausgewiesen, in dem extrem verschärfte Auflagen bei der Düngung umgesetzt werden müssen (Eine Infoveranstaltung für alle Landwirte findet zu diesem Thema am Mittwoch, 4. März, 20 Uhr im Gasthaus „Kranz“ in Bonndorf statt).

Nach wie vor ein regionales Thema ist ferner die sogenannte Schweizer Landnahme. Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden von Schweizer Landwirten gekauft oder gepachtet. Die Produkte gehen dann zollfrei in Richtung Eidgenossenschaft.

Krisenstimmung in der Landwirtschaft: Auch die BLHV-Mitglieder des Stadtverbands Stühlingen beklagen steigende Anforderungen und fallende Preise.
Krisenstimmung in der Landwirtschaft: Auch die BLHV-Mitglieder des Stadtverbands Stühlingen beklagen steigende Anforderungen und fallende Preise. | Bild: SK-Archiv/Bantle

Die Afrikanische Schweinepest

Zu den Jägern in der Region pflegen die Bauern ein freundschaftliches Verhältnis, alle Jagdpachten konnten vergeben werden. Das Wildschwein, besser gesagt die Schweinepest bei Wildschweinen, war eines der großen Themen des Abends. In Osteuropa ist die Krankheit bereits großflächig ausgebrochen, in Polen ist sie schon bedrohlich nahe an die deutsche Grenze gelangt, berichtete Martin Armbruster aus Freiburg in seinem kompetenten Vortrag. Vorläufig ist es noch ein Thema mit vielen „kanns“, so hörte man.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie kann jederzeit auch in Deutschland ausbrechen und kann auch Landwirte empfindlich treffen, die keine Schweine haben. In der Versammlung war gerade noch ein Landwirt, der Schweine hält, genauer gesagt – ein Schwein für den Eigenbedarf. „Der Schweinehalter ist wie andernorts auch in Stühlingen auf der Liste der bedrohten Arten“, stellte der Referent im Scherze fest.

Aber wenn es Fälle der afrikanischen Schweinepest in der Region geben sollte, dann kann es zu Begehungsverboten kommen, nicht nur für Wanderer, Fahrradfahrer und sonstigen Verkehr. Dann können auch Nutzungsbeschränkungen bis zum Nutzungsverbot für die Landwirtschaftsflächen ausgesprochen werden. Nicht vorstellbar, wenn so etwas kurz vor der Getreideernte geschieht. Die Frage möglicher Entschädigungen für die Landwirte ist bisher nur ein „Kann“, sagte Martin Armbruster.

Landwirtschaft und Artenschutz

Wütend macht die Landwirte auch die einseitige Diskussion in Sachen Artenschutz, die sie zu den Hauptschuldigen an Umweltproblemen oder dem Insektensterben abstempelt. Bei all den Themen fällt es schwer, das Bild des tatkräftigen und fröhlichen Landwirts, der keine harte Arbeit scheut bei der Erzeugung von Lebensmitteln und zudem die Landschaft pflegt, aufrechtzuerhalten. Sie haben einiges getan, weiß Wilfried Kaiser zu berichten.

Die Bemühungen mit den Blühstreifen hat sich gelohnt, viel positives Feedback gab es und auch die Aktion mit den Patenschaften werde man weiterführen. „Die breite Blühlandschaft wird bewusst wahrgenommen“, so die positive Anmerkung von Kaiser. Michael Martin von der BLHV-Geschäftsstelle Waldshut-Tiengen nahm den Hinweis auf, dass der Informationsfluss bis zur Basis nach wie vor verbesserungsfähig ist. Die Aktionen der Traktor-Kolonnen nach Stuttgart und Berlin haben einiges bewirkt. Nach Kritik aus der Versammlung, die Stimme des BLHV sei bei diesen Aktionen nicht laut genug gewesen, erklärte er den demokratischen Weg, der zu Entscheidungsfindungen und Änderungen zu nehmen sei. Vor einer „Radikalisierung“ jeglicher Art warnte er.

Zum Volksbegehren „Pro Biene“ und dem resultierenden Volksantrag der Landwirte bemerkte er: „85.000 Unterschriften konnten wir Minister Hauk übergeben, das ist ein großer Erfolg.“ Er berichtete von den erfolgreichen Veranstaltungen unter dem Motto „Stadt trifft Land“ im Haus der Bauern in Freiburg. Ein wichtiges Anliegen sei auch, die Themen der Landwirtschaft in den Unterricht der Schulen zu bringen. Einen Rückfluss von Geldern aus dem Verband wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Volksantrag sei eine wichtige Aktion, dieser werde mit Mitteln des Verbands aktiv vorangetrieben.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Regularien des Kassenberichts und deren Prüfung waren schnell abgehakt und Bürgermeister Joachim Burger hatte keine Mühe, die Entlastung des gesamten Vorstands erfolgte einstimmig.

Am Ende meldete sich noch ein Landwirt zu Wort, der im Sinne aller sprach, als er noch einmal betonte, wie froh man sei, Wilfried Kaiser an der Spitze zu haben, der es immer wieder schaffe, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und der nie müde werde, nach Möglichkeiten zu suchen, um die Interessen der Landwirtschaft in der Öffentlichkeiten zu vertreten. Aktuell hat Kaiser einen Brief verfasst, der über die speziellen Nöte und die Situation der Stühlinger Landwirte informiert, er sucht das Gespräch mit allen relevanten Stellen.