Die bisher 144. Blutspendeaktion in Stühlingen fand diese Woche im Konradsaal statt. Christina Hohner, Referentin für Blutspenden in Baden-Württemberg und Hessen, ist mit der generellen Entwicklung unzufrieden: „Die Bereitschaft, Blut zu spenden, nimmt tendenziell ab, die Zahlen sind rückläufig.“ Der Rückgang sei auf die „sprunghafte Jugend“ zurückzuführen und darauf, dass die in den 40er und 50er Jahren geborenen Menschen immer mehr wegfielen.

Bereitschaft in Stühlingen groß

Pro Termin kämen durchschnittlich 140 Spender. 2017 waren es in den beiden genannten Bundesländern mehr als 620 000 Spender, 7,1 Prozent davon zum ersten Mal. In Stühlingen war die Bereitschaft dieses Mal groß. 161 Personen erschienen, von denen 149 tatsächlich spenden durften. Zehn Erstspender kamen in den Konradsaal.

Junge können oft nicht spenden wegen Reisen

Vom Alter her sind die Spender bunt gemischt. Jüngere seien etwas unterrepräsentiert, weil diese häufiger nach dem Abitur oder dem Studium reisen und je nach Land dann eine Spende erst einmal nicht möglich ist. Dabei muss es nicht einmal exotisch sein. „Im Vorjahr reichte es wegen der Tigermücke schon aus, wenn man in Wien im Urlaub war, um gesperrt zu werden“, erklärt Hohner. Wer von der Tigermücke gestochen wird, kann sich Infektionskrankheiten einfangen und kommt deshalb als Spender nicht infrage.

Der Ablauf der Spende

Christina Hohner arbeitet seit Mai 2017 hauptberuflich für die Verbände Konstanz und Waldshut. Die Radolfzellerin erklärt den Ablauf einer Spende. Zunächst müsse man sich mit einem gültigen Personalausweis registrieren. Im Anschluss muss der Spender einen zweiseitigen Fragebogen zur Gesundheit ausfüllen. Nach einem Gespräch mit einem Arzt, in dem abschließende Fragen geklärt werden, erfolgt die Spende. 500 Milliliter Blut werden jedem abgenommen. Das Blut wird am Ende des Tages in ein Ulmer Institut transportiert, dort aufbereitet, untersucht und an Krankenhäuser in der Region verteilt. Eine Stunde sollte man als Spender mindestens einplanen.

Nur drei Prozent der Bevölkerung haben schon gespendet

„Gerade in der Urlaubszeit im Sommer müssen wir kämpfen, um die Sicherheitsreserven zu gewährleisten“, berichtet Christina Hohner. Die Bereitschaft im Sommer sei geringer, da viele Menschen in Urlaub fahren. Deutschlandweit haben im vergangenen Jahr gerade einmal drei Prozent der Bevölkerung Blut gespendet, sagt Christa Hohner, obwohl 80 Prozent im Laufe ihres Lebens mindestens eine Blutkonserve brauchen.

Ehrenamtliche investieren Arbeit

Johann Duttlinger sieht noch andere Gründe für die rückläufigen Zahlen. „Früher konnten wir an der Bundesstraße mit Transparenten Werbung machen. Das ist jetzt verboten“, beklagt der ehrenamtliche Bereitschaftsleiter. Dadurch würden potenzielle Spender verloren gehen. Seit 40 Jahren ist Duttlinger schon ehrenamtlich aktiv. „Die Landfrauen helfen oft oder Bekannte und Freunde“, lobt der Wellendinger. Hier und da könne man aber schon noch mehr Helfer brauchen und natürlich auch mehr Spender. Diesmal waren etwa 40 Ehrenamtliche in zwei Schichten im Einsatz. Sie kümmerten sich um die Blutspender in den Bereichen Anmeldung und Blutentnahme, im Ruheraum, waren in der Küche tätig und übernahmen Transporte.

<strong>Zum 80. Mal: </strong>Manfred Kehl aus Grimmelshofen hat bereits 80 Mal gespendet.
Zum 80. Mal: Manfred Kehl aus Grimmelshofen hat bereits 80 Mal gespendet. | Bild: Johannes Renner

Manfred Kehl aus Grimmelshofen hat den Weg zur Blutspende in den Konradsaal auf sich genommen. Der 63-Jährige spendet an diesem Tag bereits zum 80. Mal. Über einen Kollegen auf der Arbeit sei er zum Blutspenden gekommen und dabei geblieben. „Mein Blut wird untersucht und wenn etwas nicht damit stimmt, bekomme ich Bescheid. Zudem haben gleichzeitig auch andere Menschen etwas von meiner Spende“, erklärt er die Vorteile.

<strong>Zum ersten Mal: </strong>Der 18-jährige Lukas Raufer aus Lembach war einer von zehn Erstpendern an diesem Tag im Konradsaal.
Zum ersten Mal: Der 18-jährige Lukas Raufer aus Lembach war einer von zehn Erstpendern an diesem Tag im Konradsaal. | Bild: Johannes Renner

Auch Lukas Raufer aus Lembach sieht nur Positives an einer Spende. Der 18-jährige hat heute zum ersten Mal gespendet und sieht keinen Grund, dies nicht wieder zu tun: „Man kann damit etwas Gutes tun und einem selbst schadet es nicht.“