„Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören, zu reden, Ängste zu nehmen und je nachdem auch Türöffner zu sein für Anlaufstellen, unter Umständen auch außerhalb des Kollegs“, erklärt die Leiterin der Kollegseelsorge in St. Blasien, Religions- und Mathematiklehrerin Susanne Hirt. Zweimal täglich hält sie jeweils in den beiden Unterrichtspausen eine offene Sprechstunde ab.

Susanne Hirt, Leiterin des Ressorts Kollegseelsorge.
Susanne Hirt, Leiterin des Ressorts Kollegseelsorge. | Bild: Susanne Filz

Schulische und seelische Probleme

In den Sprechstunden geht es zum Beispiel um schulische Probleme, Beziehungsprobleme, um den Verlust von nahen Menschen, um Konflikte mit Lehrern, Mitschülern oder der eigenen Familie, manchmal auch um die Probleme einer Freundin, eines Freundes. Dazu die Ängste und Unsicherheiten, die das Corona-Thema mit sich bringt.

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Die Themen sind vergleichbar mit denen an anderen, nichtkonfessionellen Schulen. Es gebe am Kolleg aber einen bedeutenden Unterschied zur klassischen Schulsozialarbeit und auch zu vielen psychotherapeutischen Ansätzen: „Wir beziehen die spirituelle Dimension des Lebens mit ein“, erklärt Susanne Hirt.

Zuständig ist die Kollegseelsorge auch für die Organisation von Veranstaltungen zur Sexualpädagogik und zur Gewalt- und Mobbingprävention. Dazu kommt die Gestaltung und Organisation von Gottesdiensten und weiteren geistlichen Angeboten. Eine weitere Aufgabe ist die Organisation und Begleitung der Besinnungstage für alle Achtklässler. Auch die Sozialpraktika der Elftklässler werden von der Kollegseelsorge organisiert.

Auch Schülervertreter als Anlaufstelle

Die Kollegseelsorge ist Teil eines ganzen Netzwerks von Ansprechpartnern und Hilfsangeboten. Unter anderem gibt es das Zentrum für individuelle Begabtenförderung, eine Schulpsychologin und es gibt jeweils zwei von den Schülern gewählte Vertrauenslehrer und Vertrauenserzieher, jeweils einen Mann und eine Frau. Auch an Schülervertreter und -vertreterinnen kann man sich wenden.

Hilfe von Jesuit Pater Felix Schaich

Bei der Fülle der Aufgaben steht Susanne Hirt seit Januar der Jesuit Pater Felix Schaich zur Seite. Bis einschließlich August kann sie bei allen Aufgaben auf ihn zählen, dann wird er von seinem Orden in Irland erwartet.

Der Jesuit Pater Felix Schaich.
Der Jesuit Pater Felix Schaich. | Bild: Susanne Filz

Unter anderem arbeitete Pater Schaich bisher im Leitungsteam des Priesterseminars St. Georgen in Frankfurt am Main und war am Canisius-Kolleg in Berlin in der außerschulischen Jugendarbeit und Jugendbildung tätig, mit einem ähnlichen Aufgabengebiet wie jetzt in St. Blasien. Bevor er in die Domstadt kam, betreute er im Nordirak in einem Lager auf kurdischem Gebiet drei Monate lang Menschen jesidischen Glaubens, die vor dem IS dorthin geflohen waren.

In die Kollegsseelsorge bringt er gerade ein interessantes geistliches Angebot ein, die digitale Version einer angeleiteten Gebetswoche mit dem Titel „Ignatianische Impulse in der Karwoche“. Jeder, der am Kolleg lehrt, lernt oder dort in anderen Berufen arbeitet, kann mitmachen.

Dabei bekommen die Teilnehmer von Samstag, 27. März, bis Ostern an jedem Abend die Aufgaben und Anregungen für eine halbstündige Gebetszeit am Folgetag zugeschickt. „Die Aufgabe kann zum Beispiel ein meditativer Wahrnehmungspaziergang sein oder eine Schreibaufgabe“, erläutert Schaich. Vorgesehen sind auch persönliche Gespräche mit einigen Patres der Jesuitenkommunität und eine Zoom-Konferenz der Teilnehmer.