In einer neuen Sonderausstellung, die Dienstag, 29. September, im Kreismuseum St. Blasien gezeigt wird, können die Besucher Fotografien mit Szenarien aus dem St. Blasien der Jahrhundertwende, verbunden mit zeitgenössischem Instrumentarium des damaligen herzoglich badischen Hoffotografen Hermann Kaiser sehen. Die Idee zu dieser Ausstellung stammt von Museumsmitarbeiterin Lina Haine, und sie hat auch mit viel Engagement und Sachkenntnis die Exponate zusammengestellt. Geholfen hat ihr dabei das ausgezeichnet strukturierte Familienarchiv, hat doch ihr Urgroßvater Erich Haine im Jahr 1923 das Fotoatelier samt Gerätschaften von Hermann Kaiser übernommen und weitergeführt.

Die von St. Blasier Bürgern ins Leben gerufene Motorwagen-Gesellschaft gab dem Städtchen einen Hauch von großstädtischem Flair.
Die von St. Blasier Bürgern ins Leben gerufene Motorwagen-Gesellschaft gab dem Städtchen einen Hauch von großstädtischem Flair. | Bild: Archiv Fotoatelier Haine 

Nach Erich Haine ging das Fotostudio 1965 an dessen Sohn Gerhard über, der es seinerseits 1993 an Erichs Enkel Bernd Haine weitergab. Das Studio schloss im Jahr 2001 seine Pforten, Inventar und Archiv sind indes nach wie vor erhalten. Lina Haine konnte daher sozusagen aus dem Vollen schöpfen, und da die Studentin mit der Fächerkombination Geschichte und Kulturmanagement auch das Fachgebiet Architektur schon immer spannend fand, machte sie sich an die Sichtung und Aufbereitung dieser Fülle. Die Gewichtung innerhalb der zwei umfangreichen Familienalben leistete ihr dabei eine erste Orientierungshilfe.

Ein Hauch von mondänem Flair

Im Grunde bietet sich vom St. Blasien der Jahrhundertwende ein beinahe mondänes Bild, vergleichbar, wie Thomas Mutter bei der ersten internen Begutachtung der Ausstellung anmerkte, mit Kurorten wie Davos oder Baden-Baden. Wesentlich dazu beigetragen haben neben den heimischen Geschäftsleuten vornehmlich Otto Hüglin, der Erbauer des Kurhauses an der Alb, sowie der Arzt Paul Haufe, der den Bau des Sanatoriums in Angriff nahm. Die von St. Blasier Bürgern ins Leben gerufene Motorwagen-Gesellschaft gab dem Städtchen gar einen Hauch von großstädtischem Flair. Aber auch der Besuch des Großherzogpaares, das sich sogar ein eigenes Domizil in St. Blasien errichten ließ, zog weitere Gäste an. Gasthäuser und Hotels wurden errichtet, zunächst der Klostergasthof, dann das Hotel Krone. Sehr schön ist der damalige repräsentative Baustil in der Ausstellung dokumentiert. Die Gasthäuser ahmen mit ihren Türmchen, Dachgauben, kleinen Balkonen, den Rundbögen und allerlei Verzierungen an Giebeln und Fassaden den Stil von Kurhaus und Sanatorium nach.

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Was davon heute noch steht, wie etwa das großherzogliche Domizil, ist mittlerweile, wie Mutter es mit leiser Ironie nannte, „bereinigt“ worden, etliche Gebäude, wie etwa das Gasthaus „Zur Krone“, sind abgebrannt oder, wie die Friedrich-Luisen-Ruhe, die erste Unterkunft des Großherzogpaares, abgerissen. An der Stelle von Letzterem steht heute das Sparkassengebäude, das Gasthaus „Zur Krone“ harrt nach wie vor seines Wiederaufbaus. Gerade mit Blick auf dieses Gebäude, aber auch auf die „Flaniermeile“ entlang der Alb meinte Bürgermeister Adrian Probst, „hier in dieser Ausstellung sollten sich zukünftige Planer durchaus Rat holen, den Blick zurück wagen“, und mit Überzeugung fuhr er fort, „diese Bilder hier geben mit Sicherheit oft sehr gute Antworten auch auf heutige Fragen der Stadtentwicklung“.

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Unter diesem Aspekt halte er, so Probst, die Ausstellung hoch interessant für eine breite Besucherschar, nicht nur von Touristen und Neubürgern, sondern auch von Alteingesessenen. Und Susanna Heim, Kulturreferentin des Landkreises, fügte hinzu, auch für Schulklassen würde sich der Besuch dieser Ausstellung sicherlich lohnen. Angereichert hat Lina Haine ihre Präsentation zudem noch mit einer Auswahl der alten Gerätschaften Kaisers, wie einer Reisekamera oder der alten Studio-Plattenkamera sowie der Originalleinwand, die im Studio als Hintergrund beispielsweise für Hochzeitsfotos diente und in inszenierter Zusammenschau die umgebende Landschaft mit dem Dom links und dem Kurhaus rechts verbindet.

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