Glück im Unglück hatte ein 20-jähriger Auszubildender: Infolge eines Sekundenschlafs geriet er mit seinem Auto auf die Gegenfahrbahn, prallte frontal gegen einen Sattelschlepper, erlitt aber nur leichte Verletzungen. Nun musste er sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs vor dem Amtsgericht St. Blasien verantworten. Die Direktorin des Gerichts, Susanne Lämmlin-Daun, erlegte dem jungen Mann die Zahlung von 600 Euro sowie die Ableistung von 60 Arbeitsstunden auf und entzog ihm die Fahrerlaubnis für sechs Monate.

Zusammenprall mit Sattelzug

An einem Morgen im Januar dieses Jahres kam es gegen 7 Uhr zu einem folgenschweren Unfall auf der B 34 zwischen Waldshut und Bad Säckingen. Infolge Übermüdung war der Angeklagte nicht in der Lage, das Fahrzeug sicher zu führen, so Staatsanwältin Luisa Starke. Bei Dogern geriet er bei einem Sekundenschlaf auf Gegenfahrbahn und prallte frontal auf einen Sattelzug. Dessen Fahrer blieb unverletzt, am Lastwagen entstand Schaden von 60.000 Euro.

Glück im Unglück hatte dabei der Angeklagte: Obwohl an seinem Fahrzeug Totalschaden entstand, erlitt er nur leichtere Verletzungen. Der Angeklagte berichtete, dass er zum fraglichen Zeitpunkt unterwegs zur Berufsschule war. Er habe gemerkt, dass er müde geworden sei, sagte der junge Mann, der aber keine Erklärung für die Müdigkeit hatte. Er habe normal geschlafen, sagte er, so etwas sei ihm noch nie passiert. Er habe dann bei nächster Gelegenheit – bei der Abzweigung zu einem Möbelmarkt – rausfahren und eine Pause einlegen wollen. Dann sei er aber kurz einschlafen und erst kurz vor dem Unfall wieder aufgewacht.

Deutliche Warnsignale

Die Staatsanwältin wies den jungen Mann auf seine Aussage bei der Polizei hin, wo er erklärt hatte, bereits bei früheren Fahrten müde gewesen zu sein. Und Amtsgerichtsdirektorin Susanne Lämmlin-Daun hielt dem Angeklagten vor, dass es bereits vor der Abzweigung zum Möbelmarkt Gelegenheit gegeben hätte, von der Straße abzubiegen. Auch wenn er den Schaden selbst nicht vorsätzlich herbeigeführt habe, habe er diesen jedoch billigend in Kauf genommen, indem er trotz „sehr, sehr, sehr deutlicher Warnsignale“ seine Fahrt fortgesetzt habe, obwohl es Möglichkeiten zum Abbiegen gegeben habe, so Staatsanwältin Starke in ihrem Plädoyer.

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Sie sprach sich bei dem 20-Jährigen für die Anwendung von Jugendstrafrecht aus, da dieser, wie sie sagte, nicht zuletzt hinsichtlich seiner starken Einbindung in die Familie einem Minderjährigen gleichstehe. Verwarnung, eine Geldauflage von eineinhalb Nettogehältern und eine Entziehung der Fahrerlaubnis von insgesamt zehn Monaten, lautete ihr Strafantrag.

Das Urteil

Richterin Lämmlin-Daun hielt dem Angeklagten ebenfalls vor, aus seiner Müdigkeit nicht die richtigen Schlüsse gezogen zu haben. Zu seinen Gunsten berücksichtigte sie, dass er seine Müdigkeit eingeräumt hatte. Eine Kombination aus Geld- und Arbeitsauflage erachtete sie als tat- und schuldangemessen, wobei eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro ausreichend sei, erklärte sie.

Aber: Mit Geld sei nicht alles abzugelten: Daher muss der Angeklagte neben seiner Ausbildung 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Besonders hart trifft den jungen Mann aber die Entziehung der Fahrerlaubnis.