Das Rückgrat einer guten medizinischen Patientenversorgung bildet das Praxisteam, das die Ärzte bei deren Arbeit unterstützt. Die Mitarbeiterinnen arbeiten direkt an der Front, sie sind die erste Anlaufstelle für die Kranken. Claudia Albiez ist in St. Blasien als Medizinische Fachangestellte (MFA) und Nichtärztliche Praxisassistentin (NäPa) tätig und der ruhende Pol in der mitunter stressigen, hektischen Zeit, gerade momentan.

Sie müsse stets den Überblick behalten, sagt Albiez, damit die Arbeit möglichst reibungslos erledigt werden kann. Seit 1983 (mit einer Unterbrechung von sieben Jahren) arbeitet sie in ihrem Beruf. Viele Aufgaben hat sie in der Gemeinschaftspraxis von Winfried Bull und Irina Drobach – wie ihre Kolleginnen in den anderen Arztpraxen auch – zu erledigen: Sie empfängt die Patienten, schreibt Rezepte und Überweisungen, assistiert den Ärzten beispielsweise bei kleinen Operationen, kümmert sich um das EKG, um Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Erwachsenen sowie um die umfangreiche Verwaltung. „Wir haben hier in der Praxis ein großes Programm“, sagt sie.

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Seit sie über die NäPa-Zusatzqualifikation verfügt, entlaste sie die Ärztin und den Arzt von „delegierbaren Leistungen“ und leiste einen wertvollen Beitrag zur qualitativ hochwertigen ambulanten Versorgung. Nachdem die Mediziner die Diagnose gestellt und die Therapie festgelegt hätten, mache sie selbstständig Hausbesuche in Haushalten oder Seniorenheimen, nimmt zum Beispiel Blut ab, gibt Spritzen oder wechselt den Verband.

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Vier Gesundheitsreformen habe sie während ihrer bisherigen Berufszeit schon erlebt, erinnert sich Claudia Albiez. Vieles habe sich jeweils geändert. Der mit der Umsetzung der Reformen entstehende Aufwand, wie etwa Systemumstellungen oder das Einfordern der Praxisgebühr, sei immer groß. Und nicht immer sei es leicht, Veränderungen zu vermitteln, beispielsweise wenn neue Verschreibungsvorschriften für Arzneimittel gelten.

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Dann verweise man zum Beispiel auch darauf, „dass es nicht in unserer Macht steht“ und die Änderungen beispielsweise von der Politik oder den Krankenkassen bestimmt worden seien. Manche Patienten würden aufgebracht reagieren, aber die meisten hätten Verständnis, sagt sie aus Erfahrung.

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Auch zusätzliche Dokumentationspflichten fordern viel Zeit, sagt Albiez: „Man hat inzwischen wesentlich weniger Zeit für den Patienten, weil man wesentlich mehr dokumentieren muss.“ Eine Wunde müsse beispielsweise fotografiert, die Wundgröße bestimmt und anhand bestimmter Vorgaben dokumentiert werden.

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Seit der Beginn der Corona-Krise laufen die Drähte heiß. „Die Leute sind sehr verängstigt durch dieses Coronavirus und haben viele Fragen“, sagt sie. Zudem ist die Gemeinschaftspraxis, in der sie tätig ist, eine Corona-Schwerpunktpraxis und leiste einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie. Dort werden PCR-Tests und PCR-Schnelltests gemacht. „Wir haben sehr viel zusätzliche Arbeit seit Corona“, sagt Claudia Albiez.

Die Veränderungen

Der Wandel macht sich aber nicht nur durch höhere Anforderungen bemerkbar, Albiez erinnert sich auch an die Zeit vor der Digitalisierung: „Wir haben früher alle Rezepte und Überweisungen von Hand geschrieben. Da hatte man vom vielen Schreiben eine Beule im Mittelfinger und tat einem der Mittelfinger und Zeigefinger weh“, erinnert sich die 53-Jährige. Auch das Mobiltelefon hat den Praxisalltag verändert. „Wir Helferinnen wussten anhand einer Liste, in welcher Reihenfolge der Arzt seine Hausbesuche macht und haben ihn im Falle eines Notfalls bei einer der Familien angerufen.“

Man braucht gute Nerven

Ruhig und konzentriert wird die Arbeit erledigt, aber ärgern kann sich Claudia Albiez dennoch auch. „Wie lange geht es noch“ – werde diese Frage häufig gestellt, koste das schon viele Nerven. „Wir versuchen unser Bestes, aber die Wartezeiten hängen nicht immer von uns und der Organisation ab, sondern auch davon, ob ein Notfall hinzukommt oder was anderes Unvorhergesehenes. Da können wir wirklich nichts machen, da geht es halt dann manchmal länger“, sagt sie. Trotz aller Veränderungen und manch einem stressigen Arbeitstag liebt Claudia Albiez ihren Beruf aber immer noch.