Suchtprävention wird großgeschrieben am Kolleg. Auf dem Programm für die Neuntklässler steht jedes Jahr ein Drogen- und Suchttag, zuletzt gab es den im Herbst. Nun wurde das Thema Cannabissucht mit einem Theaterstück und anschließender Nachbereitung vertieft. „Alles easy!??“ hieß es am Mittwoch, als Autorin Monika Wieder und Schauspielerin Dorothea Baltzer zu Gast waren und das Thema auf unterhaltsame, aber auch sehr informative Weise beleuchteten.

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Monika Wieder ist nicht nur Gründerin von „Mach was – Prävention, Theater und mehr ...“, Regisseurin, Autorin von Stücken, sondern auch Theater- und Sozialpädagogin. Für weitergehende Schulen hat sie das Stück „Alles easy!??“ geschrieben, das sie mit Schauspielerin Dorothea Baltzer nun am Kolleg aufführte.

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Darum geht es: Sabine (Monika Wieder) und Theresa (Dorthea Baltzer) kommen von einem Klassentreffen, das unter dem Motto „Hippiezeit“ stand. Gekifft wurde damals auch in der Clique der beiden, aber: „Jetzt sieht man die Sache anders“, sagte Sabine. Und geändert hat sich tatsächlich Einiges. So ist die Konzentration von THC (psychoaktive Substanz in Marihuana) heute fünf- bis siebenmal höher als früher. Und auch die Zahl der durch den Konsum von Cannabis ausgelösten Psychosen steigt, 2015 waren über 33 000 Menschen deshalb in Behandlung, erfuhren die Schüler.

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Alles easy im Leben von Sabine? Nicht wirklich, denn Sohn Tim hat sich von seinen Kumpel Max zu Cannabiskonsum verleiten lassen. Thema ist das zwischen Mutter und Sohn aber nicht, denn: „Meine Mutter redet nicht darüber oder sie checkt es nicht“, sagt Tim, dessen Rolle Dorothea Baltzer im Laufe des Stückes immer wieder übernimmt, während Monika Wieder in die Rolle des Max schlüpft. Die Situation spitzt sich immer mehr zu, Tims Leistungen in der Schule verschlechtern sich, er entwendet seiner Mutter Geld für den Drogenkonsum, bricht nach extensivem Cannabisgenuss auf eine Party zusammen und wird auch noch bekifft mit dem Auto erwischt. „Wie sieht denn nun seine Zukunft aus?, fragt sich Mutter Sabine, die ihrem Sohn gerne helfen will. Aber: „Ich komme nicht an ihn ran“, sagt sie verzweifelt. Theresa hat einen Tipp ihre Schulfreundin: Nicht alles für sich behalten, wie das in vielen Familien üblich ist, sondern das Gespräch und Hilfe suchen. Denn: „Anderen Eltern geht es genauso“.

Suche nach Gründen für Konsum

„Ich will Euch zu nichts überreden, sondern nur darüber informieren, wo die Gefahren des Cannabiskonsums liegen. Ich bin gekommen, damit ihr anfangt nachzudenken und euch Gedanken darüber macht, was der Konsum für euer Leben bedeutet“, sagte Monika Wieder zu Beginn der Nachbereitung.

Warum werden eigentlich Suchtmittel konsumiert? Auf diese Frage hatten die Schüler mehrere Antworten: Um cool zu sein, andere nicht zu enttäuschen aus Neugierde. Oder um nicht alleine zu sein. Man könne sich aber entscheiden, ob man mit dem Konsum beginne, sagte ein Schüler, es gäbe Alternativen.

Wenn man beispielsweise Probleme in der Familie habe, aber darüber nicht gesprochen werden dürfe, habe man unter anderem keine Alternative, hielt Monika Wieder dem entgegen. Die Forderung, was in der Familie passiere, müsse in der Familie bleiben, sei „großer Scheiß“. „Wenn etwas in der Familie nicht in Ordnung ist, müsst ihr nach außen gehen, um Euch zu retten“, gab sie den Schülern mit auf den Weg.

Zur Sprache kamen auch die Anzeichen einer Sucht wie Aggressivität, das Überschreiten von Grenzen wie im Beispiel von Tim, der seiner Mutter Geld entwendet und Gedanken, die nur noch um Suchtmittel kreisen. „Sucht ist nichts, was man beeinflussen kann“, machte Monika Wieder deutlich, „Sucht ist eine Krankheit“. Raum nahm bei der Diskussion die Frage nach der Legalisierung von Cannabis ein. Einer der Schüler machte sich für die Legalisierung stark bei gleichzeitiger Reduzierung des THC-Gehaltes.

Aber: „Cannabis ist eine Pflanze, die macht, was sie will, der THC-Gehalt ist nicht bestimmbar“, hielt Sozialpädagogin Monika Wieder dem entgegen. Und sie wies darauf in, dass bei entsprechender Veranlagung bereits beim erstmaligen Konsum eine Psychose ausgelöst werden könne. Zudem werde bei einer Legalisierung die Zahl derer, die es versuchten, steigen, sagte sie.