Eine zufällige Verbindung gingen in der „Villa Ferrette“ in St. Blasien die CD-Vorstellung mit Konzert unter dem Titel „Zwischen Himmel und Erde“ des italienischen Gitarristen Gaetano Siino und die Vernissage zur Ausstellung „Aufbruch“ mit Bildern von Petra Njezic ein. Gemeinsam ist den Künstlern eine experimentelle Ader. Diese äußert sich bei Siino im Gebrauch elektronischer Mittel, bei Njezic in der Auffassung von Raum.

Mit vier Gitarren und viel Können sowie Begeisterung machte sich Gitarrist Siino auf, sein Publikum auf eine Reise durch innere Welten zu führen, von der instinktiven Ebene über die emotionale, sentimentale und mentale zur spirituellen Ebene, wie er erklärte. Zudem enthielt sein Konzert eine Hommage an die Gitarristen Ralph Towner und Michael Hedges. Das Einleitungsstück, „Spirit Lake“ von Towner, gestaltete Siino mit einer zwölfsaitigen Gitarre, der er elektronisch Hall gab, sodass die an ein Geläute erinnernde Struktur des Beginns etwas Schwebendes erhielt.

Himmel auf Erden

Eine tiefer als die herkömmlichen Modelle klingende Baritongitarre verwendete Siino für die sanft fließenden, mit luftigen Arpeggien begleiteten Melodien von „A Vincenza“ sowie für „Riflessi“, zu dem ihn, wie er erläuterte, das Spiegelbild des Himmels in einem See inspiriert hat, wodurch der Himmel quasi auf die Erde geholt wurde. Diese Spiegelung setzte er musikalisch um, indem er einer quasi ostinaten Begleitformel eine stark gegenrhythmische Melodie entgegensetzte und damit ohne technische Mittel eine Art Vorstufe seiner Looptechnik generierte.

Loop

Die Looptechnik setzte Siino ein, indem er auf der E-Gitarre, für die Zuhörer zunächst nur tonlos sichtbar, eine erste Grundstruktur einspielte, diese mit einer nächsten Ebene kombinierte und das Ganze mit einer dazu gespielten Melodie als „Ritmic Loop“ zu Gehör brachte, was beim Publikum ein wenig den Eindruck eines mathematisch präzisen Laborexperiments hinterlässt.

Große Vielfalt

Dieser Vielfalt dreier Gitarrentypen und deren Verwendung, deren Reiz sich erschließt, wenn man sich diesen Klängen öffnet, setzte Siino mit der herkömmlichen Gitarre weitere Glanzpunkte hinzu. Die größte Herausforderung an seine Virtuosität, die in ihm zugleich sichtlich die größte Spielfreude weckt, sind die furiosen, vierspurig aufgebauten „Sequenzen“, neben denen das mit zarten Flageoletts, komplex begleiteter Melodie und verhallten Arpeggien arbeitende „A Dorothea“ oder die kurze „Meditation“ als genialer Kontrast zu bestehen vermochten.

Malerin Petra Njezics hat eine eigene Art, Räume zu malen.
Malerin Petra Njezics hat eine eigene Art, Räume zu malen. | Bild: Karin Steinebrunner

In die Werke von Petra Njezic führte Marc Pfirter, Eigentümer der „Villa Ferrette“, ein. Die gemalten Räume verschmelzen, so Pfirter, mit ihrer Umgebung, sie weiten und erweitern die Räume. „Die Bilder von Petra Njezic haben ihre eigene Sprache. Form, Farbe, Freiheit. Die Malerin lässt uns erkennen, dass diese in den Räumen sind und wir sie nicht fassen können, sondern leben lassen müssen.“ Diese Malerin, so der Hausherr weiter, liebe die Freiheit, wisse aber auch, dass trotz allem auch Freiheit ihren Raum brauche. Sie verstehe die Dialektik von Aufbruch und Freiheit abzubilden, die einer Sache innewohnenden Gegensätzlichkeiten zu malen und ihnen Raum zu geben.

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