Ihre Musikalität und Ausdrucksvielfalt unter Beweis stellte erneut Domorganistin Eiko Maria Yoshimura beim ersten Konzert der diesjährigen Reihe der Internationalen Domkonzerte St. Blasien. Mit einem Programm von Barockmeister Bach bis zur 1921 geborenen Französin Jeanne Demessieux demonstrierte sie auch die Bandbreite ihres Könnens mit eindrücklicher Brillanz und Souveränität.

Den Anfang machte sie mit dem 1922 komponierten Titel „Tuba Tune“ des Engländers Norman Cocker. Die „Tuba“, ein in England typisches Register mit durchdringendem Klang, beherrscht diese munter ausschreitende Musik, deren kurze, klar strukturierte Phrasen nach und nach klanglich immer mehr aufgefüllt werden, was Yoshimura ohne den geringsten Anflug von Schwerfälligkeit umsetzte.

Begeisterung für Bach

Charles-Marie Widors Begeisterung für Bach zeigte sich unter anderem in einigen Bearbeitungen von dessen Werken, so auch in dem sechsteiligen „Bachs Memento“, aus dem Yoshimura „Marche du Veilleur de Nuit“, eine Choralbearbeitung aus der Kantate BWV 140, „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, und „Sicilienne“ nach dem zweiten Satz aus der Sonate für Flöte und Cembalo Es-Dur, BWV 1031, vortrug. Deutlich arbeitete sie die Bach-Vorlage heraus, im ersten Stück zu Beginn leicht umspielt, in der Folge dann mit stark ausgeweiteter Kontrapunktik ausgeschmückt. Dem zweiten Stück verlieh sie eine anmutig pastorale Note.

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Bach präsentierte die Organistin mit der „Passacaglia“ c-Moll BWV 582, die sie mit majestätischer Würde einherschreiten ließ. In Phasen intensiver Vollgriffigkeit akzentuierte sie das Bassfundament, während die Linien in den Manualen immer stärker aufgefüllt wurden, sodass der Eindruck einer aparten Kommunikation zwischen Linie und Fläche entstand.

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Marcel Duprés Paraphrase über Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ erwies sich in Yoshimuras Interpretation als ein Legato gedämpfter, fein ineinander verwobener Stimmen. Bei sanftem Auf und Ab der Stimmführung verstärkte sich die Dynamik, um, im Fortissimo angekommen, die Akkordstuktur in den Vordergrund zu stellen, bevor die rückläufige Bewegung einsetzte und das Stück sanft ausklang.

Gegensätze

Louis Viernes „Toccata“ op. 53,6 von 1926 ist mit ihren wuseligen, nach vorne drängenden Stimmen, aus denen sich die Bassmelodie herausschält, ein dramatisches Stück, das abrupt endet. Im Gegensatz hierzu stand der choralartige Einsatz von César Francks „Prière“ op. 20, gefolgt von einer Reihe unterschiedlich ausgestalteter Ausformungen eines kompositorischen Prinzips, das man als Geburt des Satzes aus der Linie bezeichnen könnte.

Der Ausklang

Als Abschluss hatte Yoshimura das „Te Deum“ op. 11 von Jeanne Demessieux ausgewählt. Das 1958 komponierte dreiteilige Werk exponiert aggressiv wirkende Staccati, gefolgt von gedämpften Legatos, um in einen dissonanzgeballten Teil zu münden. Danach gab Yoshimura zwei sanfte Zugaben.