Ohne Orgelmusik kann sich die 81-jährige Helga Zipfel ihr Leben nicht vorstellen. Nach inzwischen 66 Jahren Orgelspielen in den verschiedenen Gotteshäusern der Umgebung, seit 40 Jahren in Menzenschwand, ist sie die dienstälteste Organistin der Seelsorgeeinheit.

Lehrer förderte ihr Talent

Mit nur einem Tastendruck erweckt Helga Zipfel die Orgel zum Leben, streichelt mit fließenden Bewegungen über die Tasten und zieht an den kunstvoll beschrifteten Registern: Trompete, Posaune, mal mit gewaltigem Bass, dann wieder leise und klar. Vor vielen Jahrzehnten ermunterte ihr einstiger Lehrer Kleiner seine junge Schülerin hierfür und förderte ihr Talent, indem er ihr Grundlegendes beibrachte. Mit großem Eifer setzte sie das Erlernte um und bildete sich in der Folgezeit selbst weiter. „Als ich dann regelmäßige Orgeldienste übernahm, wurde ich zunehmend sicherer und besser“. „Als Laie spiele ich keine Konzertstücke oder Ähnliches“, sagt sie, „ich spiele das, was der Pfarrer mir vorlegt. Und das genügt mir vollkommen“.

Erste Spielversuche

1945, direkt nach dem Krieg, kam sie mit ihrer Familie von Karlsruhe nach Schlageten. Sie wohnten neben der Kirche und sie sei als Kind im Pfarrhaus ein und aus gegangen. Erste Versuche des Spielens eines Instruments habe es gegeben, als sie als siebenjähriges Mädchen auf dem Klavier von Pfarrer Lederer zunächst einfache Stücke spielte.

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Mit klopfendem Herzen setzte sie sich dann als 15-Jährige in einer Mittagsandacht an den Spieltisch der Kirchenorgel und spielte ein Lied, worum sie von ihm zuvor gebeten wurde. Nach und nach sei aus einem Lied das gesamte Repertoire aus dem Magnificat, dem heutigen Gotteslob, geworden, mit dem sie den Gesang der Gemeinde begleitete. Helga Zipfel und ihre Schwester Rita Kistler wurden in eine Musikerfamilie hineingeboren. „Mein Vater Johann Flum hat nach dem Krieg den Musikverein Albtal neu gegründet und war außerdem Vorsitzender des Blasmusikverbandes“, erzählt sie. „Somit hatte ich Musik wohl schon etwas im Blut. Doch wirklich ausgeprägt wurde das durch meinen damaligen Lehrer Kleiner“, sagt sie.

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„Ich spiele in 14 verschiedenen Kapellen und Kirchen – auch außerhalb der Seelsorgeeinheit St. Blasien“. Im Kloster in Maria Bronnen beispielsweise sowie in der Fatima-Kapelle in Bierbronnen, zählt sie auf. In der Seelsorgeeinheit selbst seien es neun Kirchen, in denen sie die Orgel bedient. Das reiche von der klassischen „Schwarz-Orgel“ im Dom oder dem Instrument in Schlageten über ein altes Harmonium (Wittenschwand) bis hin zum Keyboard (Immeneich) reichen.

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„In den kleinen Kapellen stehen meist keine Instrumente, weshalb ich dorthin mit einem kleinen Keyboard anreise. Jede Orgel hat ihre eigenen Vorzüge und so habe ich mich mit allen Orgeln angefreundet“, verrät sie. Als Kind war sie auch in der Landwirtschaft der Familie tätig, in den Wintermonaten in der Küche des „Café Ell“ in St. Blasien. In späteren Jahren im Jugendheim „Westfalia“ der heutigen „Alte Gerbe“ in Ballenberg und im „Albtalstüble“ in Kutterau, wo sie auch Küchenarbeiten erledigte. „Somit war ich lange in der Gastronomie tätig. Das zog sich dann auch weiter durch mein Leben, als wir in unserem Haus Zimmervermietung anboten und dauerhaft viele Gäste hatten“.

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Es war wohl göttliche Fügung oder einfach Zufall, dass sie das Orgelspielen erlernen durfte – auf alle Fälle sei sie darüber froh, diese Gabe zu haben. 15 Jahre spielte sie auch Handorgel, erzählt Helga Zipfel, das sei jedoch lange her. Ein Segen war es vor langer Zeit, dass sie zur Stelle war, als der damalige Lehrer versetzt wurde und sie die Leitung des Albtäler Kirchenchores mit zwölf Sängern übernahm. Probleme, eine Vertretung zu finden, wenn sie mal keine Zeit hat, kenne sie nicht. Dann spring ihr Enkel Marco Bach für sie ein.

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