Zweimal ist die katholische Männergemeinschaft „Gesellschaft Jesu“ (in der Alltagssprache die Jesuiten, lateinisch „Societas Jesu“, daher das Ordenskürzel SJ) in den ehemaligen Klostergebäuden der Domstadt St. Blasien eingezogen – das erste Mal für kurze fünf Jahre, das zweite Mal seit nunmehr 75 Jahren als bereichernde Ergänzung des Bildungsangebots, als Pflege des historisch-kulturellen Erbes und nicht zuletzt als erheblicher Wirtschaftsfaktor des Städtchens an der Alb.

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In den von den Benediktinermönchen zwangsweise verlassenen Klostergebäuden hatte eine Baumwollspinnerei bis zu ihrem Konkurs im Herbst 1931 gearbeitet. Die seit Anfang 1933 neuen nationalsozialistischen Machthaber führten die Schließung der jesuitischen Auslandsschule in Österreich herbei. Beide Ereignisstränge ergänzten sich und bewirkten 1933/34 den Kauf der einstigen Klosteranlage und die Eröffnung des Gymnasiums mit Internat durch die Jesuiten.

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Der geistig-moralisch überhaupt nicht willkommene Aufzug des katholischen Ordens in der Domstadt war den Nationalsozialisten von Anfang an ein Dorn im Auge – sie waren indes anfänglich nicht stark genug, um den Einzug zu verhindern, zumal der Faktor Arbeitsplätze dem Aufbauprogramm der Nazis entgegenkam. Aber auf dem Höhepunkt ihrer Macht, im Frühjahr 1939, verbieten und schließen die Nationalsozialisten kurz und bündig, machtbrutal und ohne jede nähere Erklärung („Die Voraussetzungen der Genehmigung sind nicht mehr gegeben“) das jesuitische Schulinternat nach fünf Jahren Betrieb.

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Während des wenige Monate später ausbrechenden Zweiten Weltkriegs werden Teile des ehemaligen Kloster- und dann Schulgebäudes Lazarett für verwundete Soldaten, in dem auch einige hier gebliebene Jesuiten arbeiten und pflegen. Sie halten gleichsam die geistig-geistliche Stellung, denn so schnell wie irgend möglich kehren die Jesuiten nach dem Kriegsende beherzt und voll Aufbruch- und Aufbaustimmung zurück. Der 30. April und 1. Mai 1946 sind die Kerndaten für die doch erschwerte Ankunft der Schüler und den vorgesehenen Unterrichtsbeginn, der mit sehr speziellen „Projekttagen“ beginnt.

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Nach mühsamer Anfahrt in zum Teil fensterlosen Eisenbahnwaggons und auf Lastwagen finden sich fast 200 interne Schüler im „Kolleg St. Blasien“ ein, das nächste Vollschuljahr 1946/47 verzeichnet dann schon weit mehr als 400 Interne und eine Hand voll Externe. Von regulärem Unterricht kann in den ersten Tagen der Wiederbelebung keine Rede sein – eingelagerte Schulmöbel, Studier- und Schreibtische, Betten und Speisesaaltische müssen transportiert und verteilt werden. (Quelle: Pater Peter Leutenstorfer, Urgestein und einer der Symbolpatres des Nachkriegskollegs).

Die Defizite

Die Räume warten zudem auf Desinfektion, die Küche sehnt sich nach breiterer Zuteilung von Nahrungsmitteln, die dann der alte und neue Rektor Pater Otto Faller (in der „Exilzeit“ Mitarbeiter im Vatikan) vom päpstlichen Hilfswerk auch erhält (unter anderem Mehl für die heiß begehrten „Papstwecken“). Die Schüler der Oberstufe ziehen genauso in einen Massenschlafsaal ein – allerdings mit fließendem Wasser – wie die „Unterstüfler“, die sich aus Wasserkrügen bedienen müssen.

Die Ausstattung

Den ordentlichen Unterricht und die Klassenzuweisung organisiert nach und nach Rektor Faller mit Einzelstunden, Tests und gründlichen Prüfungen. Zu den gedruckten Hilfsmitteln gehören gemäß einer Inventarliste unter anderem auch elf (!) von der örtlichen Volksschule zur Verfügung gestellte Bücher. Die Einzugs- und Behelfswochen münden ein in die offizielle Eröffnungsfeier zum Pfingstfest 1946 mit dem Freiburger Erzbischof Conrad Gröber, der auch zur geistigen Grundsteinlegung 1934 seinen Segen gegeben hatte.

Ausblick

Zum 100-jährigen Bestehen des Kollegs der Jesuiten, je nach Ausgangsjahr in 13 oder in 25 Jahren – das geneigte Schicksal und die Zeitläufte mögen jedenfalls ein Fest fügen – wird sich die Sammlung der Geschichte und Geschichten aus dem Schul- und Internatsleben, der frohen und schweren Ereignisse und des städtischen und jesuitischen Miteinanders ordentlich angereichert haben.